Zur Würde des Lesers: Schlamperei bei der Sprache deutet auf Denkfaulheit hin

Manchmal merkt man doch, dass man alt wird. „Früher war Alles besser“, hört man sich selber sagen und wird dabei ganz grau im Gesicht. Aber manches war früher wirklich besser; und das muss man auch mal sagen dürfen.
Wenn ich in Zeitungsartikeln einen falschen Genitiv oder Konjunktiv lese, dann tut mir das in meiner journalistischen Seele weh. Wenn nicht einmal mehr Journalisten die Sprache beherrschen, dann ist das doch wirklich ein Armutszeugnis für unseren Berufsstand.
Wer den Konjunktiv dadurch antäuscht, dass er einfach ein „würde“ in seinen Satz hineinschleust, der tastet damit nicht nur die Würde der guten alten deutschen Sprache an, sondern auch meine als Leser. Schließlich fühle ich mich dann nicht ernst genommen und gewinne den Eindruck, da habe jemand einen Text lieblos und stümperhaft hingesaut. Wäre der Autor der Sprache mächtig, dann hätte er dergleichen gewiss nicht nötig.
Wenn jemand des Genitivs überdrüssig ist und die Lesenden aus der Höhle von dem Löwen in die unendlichen Weiten von dem Weltall entführen will, dann ist das für mich ein Grund des Zweifels an den Fähigkeiten dieses Autors. Der Einsatz solcher Autoren in Zeitungs-, Radio- oder gar Fernsehredaktionen ist für mich die Duldung der Inkompetenz in einem Berich, der eigentlich ein Mindestmaß sprachlichen Feingefühls verlangt.
Wer seiner Leserschaft derartige Sprachmängel zumutet, dem traue ich auch keine inhaltliche Kompetenz zu. Sprache hängt eng mit Logik zusammen; wer die Sprache verhunzt, der geht vermutlich auch schlampig mit seinen Gedanken um.

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4 Kommentare zu “Zur Würde des Lesers: Schlamperei bei der Sprache deutet auf Denkfaulheit hin

  1. „Denken ist Voraussetzung für das Sprechen. In der Regel ergreift man nur dann das Wort und spricht etwas aus, wenn man anderen etwas mitzuteilen hat. Gedanken drängen zur Rede, das Denken vollendet sich im Wort. Denken und Sprechen verlaufen parallel, nicht nacheinander. Die Verfertigung der Gedanken beim Reden kann man in Unterhaltungen und Diskussionen überall beobachten. Man sieht, wenn sich in einer Diskussionsrunde einer vorlehnt oder aufrichtet, dass er einen Gedanken hat, den er aussprechen möchte. Bei Sprechbeginn hat er den Gedanken selbst noch gar nicht zu Ende gedacht. Er weiß noch nicht im einzelnen, was er wie formulieren wird. Erst während des Sprechens entwickelt er den Gedanken, und mit der Formulierung wird der Gedanke für den Sprecher selbst klar. Diese Möglichkeit zum Sprechdenken fördert das sokratische Gespräch. …“ und weiter:
    „Dass das Aussprechen dem Denken zu mehr Klarheit verhilft, wusste schon Heinrich von Kleist, der seine Beobachtungen über den Zusammenhang von Sprechen und Denken in dem Aufsatz „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ zusammengefasst hat.“
    Quelle:http://www.uni-duesseldorf.de/muendlichkeit/gespraechsmodelle/Gespraech/Gespraech-13.html
    und über das Traktat von Kleist kann man hier etwas erfahren:
    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_allm%C3%A4hliche_Verfertigung_der_Gedanken_beim_Reden

    Gruß aus Kölle, lieber Franz-Josef!

  2. Franz-Josef Hanke schrieb:
    „Wer den Konjunktiv dadurch antäuscht, dass er einfach ein “würde” in seinen Satz hineinschleust, …“
    Der Konjunktiv verzeiht. Ob allerdings der Benutzer solcher Satzkonstruktionen bewusst die Möglichkeiten der Vergangenheit beschreiben will, vermag ich nicht zu
    sagen.

    mfg
    Herbie

  3. Wozu noch ordentliches Deutsch, heute wird gedenglischt usw.. Neulich wurde die Mitarbeiterin am Service bei Kaufland getadelt, weil sie eine ausländische Kundin auf deutsch begrüßte … . In den Medien wie Rundfunk und Fernsehen versteht man bei dem gehetzten Genuschel sowieso kaum noch was und der Rest wird mit Gelächter und Gekicher übertönt, bevor man zum Käffchen übergeht. Wo sind denn Rechtschreibung geschweige denn Kultur in Deutschland überhaupt noch gefragt. So fängt man an, sich selbst abzuschaffen. Das liegt doch nicht allein an Journalisten. Demnach leben sie doppelt gefährlich, denn welcher Jornalist darf denn an heißen Sachen rühren, ohne sein Leben zu riskieren. Nicht mal Edward Snowden wäre hier sicher. Womit wir wieder beim Affen ankommen, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Außerdem ist Deutsch viel zu nationalistisch.

    • „Verfahren wegen Landesverrats gegen „netzpolitik.org“
      Der Bundesanwalt ermittelt gegen Journalisten des Blogs. Diese wittern eine Vertuschungsabsicht der Regierung. Gegenstand sind zwei Artikel über den Verfassungsschutz. Aktualisiert 30. Juli 2015 19:34 Uhr“
      Es hat schon was Beängstigendes, so schnell von der Realität ein-, ja geradezu überholt zu werden, oder?
      Ja, so sicher sind Journalisten im eigenen Land. Deutschland, wenn sie in eins der reichlich vorhandenen Wespennester stoßen: Man kümmert sich also auch hier um die, die es aufdecken statt um die eigentlichen Probleme, Ursachenforschung und Behebung, was natürlich Arbeit bedeutet. Statt dessen schafft man schon wieder neue: Wie TTIP.
      Es war doch so schön, als es die DDR noch gab. Da konnte man immer so schön auf andere zeigen. Tja, das geht heute nicht mehr und dummerweise sind diese Journalisten auch noch Fachleute. Ja also da angefangen sind ausländische Fachleute etwas „unkomplizierter“ und stochern nicht gerade dort, wo die restlichen drei Finger immer hinzeigen: Nämlich auf Deutschland selber. Wie ist das denn nun, Ist das nun ein Rechtsstaat oder eben doch Mehr Schein als Sein?
      Viele Grüße aus Sachsen

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