Mikis Theodorakis: 90 Jahre konsequenter Widerstand gegen Unmenschlichkeit

Sein Name ist mir zum ersten Mal im Schulunterricht begegnet. Seine Musik gehörte bei fast jedem Besuch einer griechischen Gaststäte wie selbstverständlich mit dazu. Der bedeutendste Komponist Griechenlands hat die Höhen und Tiefen des Lebens durchgemacht wie kaum ein anderer.
Nazis haben ihn bereits im Alter von 18 Jahren während der Besatzung Griechenlands gefoltert. Nach dem Militärputsch 1967 war Widerstand Pflicht für ihn. Doch seine Musik kennt in Griechenland jeder; und sie ist im besten Sinne Volksmusik geworden.
Mikis Theodorakis wird heute 90 Jahre alt. Seit 40 Jahren hat mich seine Musik begleitet und seine aufrechte demokratische Gesinnung mir als Vorbild gedient.
Weltbekannt wurde sein „Sirtaki“. Die Filmmusik zu „Alexis Sorbas“ hat einen neuen Tanz hervorgebracht, von dem bald alle dachten, es hätte ihn schon früher gegeben. Theodorakis hat damit Volksmusik geschaffen, die unauslöschlich mit Griechenland verbunden bleibt.
Einige seiner Kompositionen hat Theodorakis mit eigenen Texten versehen. Meist sind sie hochpolitisch und Ausdruck seiner zutiefst demokratischen Gesinnung.
Ein bekanntes Beispiel in Deutschland ist die Übertragung einer italienischen Übersetzung eines Texts von Theodorakis. Trotz des Stille-Post-Prinzips ist in diesem Chanson der italienischen Sängerin Milva noch viel von der ursprünglichen Aussage des Komponisten übrig geblieben.
„Und manche Menschen denken, Liberta, Dich würde man verschenken, Liberta. Und die es besser wissen, lassen sie in diesem Glauben, denn sie sind gegen zu viel Liberta.“
Theodorakis vertonte aber auch Gedichte bedeutender Literaten. Berühmt wurden seine Vertonungen von Texten des chilenischen Literatur-Nobelpreisträgers Pablo Neruda.
Überaus eindringlich ist Theodorakis Vertonung von Texten des Kz-Überlebenden Iakovos Kambanellis über das Nazi-Konzentrationslager Mauthausen. Seine eigenen Erfahrungen mit Folter haben ihm wohl genau den Ton eingegeben, der diese Komposition zu einer seiner Bedeutendsten gemacht hat. Wiederholt wurde Theodorakis gefoltert und zweimal gar lebendig begraben.
Nie zuvor habe ich einen Wikipedia-Eintrag gelesen, der mich dermaßen erschüttert hat wie de.wikipedia.org/wiki/Mikis_Theodorakis. Sein Leben ist ein herausragendes Beispiel dafür, was Menschen einander an Grausamkeiten antun und wie ein Mensch trotz schlimmster Erfahrungen seiner humanistischen Überzeugung treu bleibt.
Als Politiker wie auch mit seiner Musik kämpfte Theodorakis für Freiheit und Menschlichkeit. Bei den letzten Wahlen unterstützte er die Syriza-Partei und musste auf einer Protestkundgebung in Athen Tränengas über sich ergehen lassen.
Angesichts seines Lebens ist der Umgang deutscher Politiker mit griechischen Staatsschulden völlig unerträglich. Das ehrlichste Geburtstagsgeschenk, das Deutschland ihm machen könnte, wäre die reichlich verzinste Rückzahlung des Nazi-Zwangskredits aus dem Jahr 1941. Alle anderen Formen eines Glückwunschs könnte ich nur als Hohn empfinden.

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2 Kommentare zu “Mikis Theodorakis: 90 Jahre konsequenter Widerstand gegen Unmenschlichkeit

  1. Guten Tag,

    das istein sehr guter und liebevoller Artikel. Allerdings ist ein Fehler enthalten, der vielleicht verbessert werden könnte, obwohl Nationalitäten nicht soooo wichtig sind. Pablo Neruda war Chilene.

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

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