Seine Freundschaft reichte für zwei Länder: Über die Abschiedsfeier von Klaus Scheunemann

Noch im Gründungsjahr 1961 ist Klaus Scheunemann der Humanistischen Union (HU) beigetreten. Mit ihm verstarb am Dienstag (4. August) einer der letzten Aktiven aus der Gründergeneration der HU. Angehörige, Freunde, Kollegen, Mitstreiter und Weggefährten nahmen am Dienstag (25. August) auf dem Frankfurter Zentralfriedhof Abschied von dem Bürgerrrechtler, Gewerkschafter, Journalisten und Ehrenbürger des US-amerikanischen Bundesstaats Wisconsin.
1953 war er einer der ersten Austauschschüler aus Deutschland in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Jahrzehntelang hat er den Kontakt zu seiner Gastfamilie in Wisconsin gepflegt. Rund 50 Jahre nach der ersten Begegnung konnte Scheunemann diese Freundschaft als offizielle Partnerschaft zwischen dem deutschen Bundesland Hessen und dem US-Bundesstaat Wisconsin verankern.
Bereits 1931 hatte sein Vater in seiner Dissertation die verheerenden Greuel der Nazi-Diktatur vorhergesagt. Seine offene Gegnerschaft zur NS-Gewaltherrschaft mündete schließlich in einen Suizid.
So wuchsen die beiden Söhne vaterlos auf. Umso wichtiger war für Klaus das Erlebnis einer intakten Familie während seines Schüleraustauschs in den USA.
Prägend war für ihn auch die Zeit als 2. Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Goethe-Universität Frankfurt. In der –
heute legendären – Studentenzeitschrift „Diskus“ verfeinerte er seinen journalistischen Schreibstil, den er bereits in einer Schülerzeitung ausprobiert hatte.
Aus dieser Redaktion gingen bedeutende Schriftsteller und Journalisten hervor. Mit einigen von ihnen war Scheunemann bis zum Lebensende befreundet.
Sein besonderes Engagement galt der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. In diesem Sinne engagierte er sich in der Steuben-Schurz-Gesellschaft und im American Field Service (AFS).
Ingrid Gräfin zu Solms-Wildenfels würdigte als deren Präsidentin Scheunemanns Verdienste für die Steuben-Schurz-Gesellschaft. Seiner Initiative verdanke sie das „Luftbrücken-Stipendium“ und ihren Medienpreis, mit dem deutsche und amerikanische Medienschaffende für ihre Beiträge zur Völkerverständigung ausgezeichnet werden.
Aber auch die deutsch-polnische Aussöhnung lag Scheunemann am Herzen. In der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft und der Freundschaftsgesellschaft Frankfurt-Krakau arbeitete er ebenfalls jahrzehntelang mit
Die Gewerkschaft Kunst, die Industriegewerkschaft Medien und schließlich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di waren ein weiteres Betätigungsfeld von Scheunemann. Bis zum ehrenamtlichen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Kunst brachte ihn sein gewerkschaftliches Engagement.
In der Humanistischen Union war er lange Jahre Rückgrat des HU-Ortsverbands Frankfurt. Ob als Vorsitzender oder Schatzmeister, ihm war vor allem die inhaltliche Arbeit für Bürgerrechte, Bildung und Demokratie wichtig.
Radiogeschichte hat Scheunemann in den 80er Jahren mit der Sendung „Argumente“ geschrieben. Dort konnten Hörerinnen und Hörer am Samstagvormittag anrufen und direkt im Radio mitdiskutieren. Nachdem der Hessische Rundfunk (HR) dieses interaktive Format nach der Verrentung Scheunemanns eingestellt hat, fordern junge Radioleute heute solche Beteiligungsmöglichkeiten als Ausdruck einer partizipativen Vernetzung des Rundfunks mit der Hörerschaft.
Seine „Mittagsrunde“ in der Kantine des HR war für Scheunemann auch im Ruhestand noch tägliche Anlaufstelle. Ebenso wie seinen 70. Geburtstag feierten seine Weggefährten ihn nun auch nach seinem Tod im Kasino des HR. Zuvor hatte sein langjähriger Freund Dr. Dr. Joachim Kahl auf dem Frankfurter Zentralfriedhof eine weltlich-humanistische Trauerfeier für Scheunemann zelebriert.
Rainer Scheunemann bekam viele kleine Anektodten über seinen Bruder Klaus zu hören. Seine Vorliebe für die Musik von Elvis Presley brachte ein befreundeter Elvis-Imitator in der Trauerhalle eindrucksvoll zu Gehör. Ebenso zur Sprache kam seine Neigung, Freunde mit Limericks zu beglücken oder Ereignisse und Veranstaltungen mit solchen gereimten Perlen zu verschönern.
hr2-kultur-Ressortleiter Hans Sarkowicz erinnerte an die Überzeugungskraft und das Verhandlungsgeschick seines früheren Kollegen. Renate Feierbacher und ein von ihr verlesener Text ihres erkrankten Kollegen Jürgen Gandela wiesen auf Scheunemanns aufmunternden Umgang mit jungen Kollegen hin, der viele zu einer Karriere im Rundfunk ermutigt habe.
Viele Facetten fügten sich am Ende zu einem Gesamtbild zusammen, das kaum jemand zuvor vollständig gehabt haben dürfte. Scheunemann war zwar immer ein kommunikativer Mensch, doch machte er von seinen vielen Aktivitäten meist nur wenig Aufhebens. Fest steht allerdings wohl, dass der 79-jährige Journalist am Schluss auf ein erfülltes Leben zurückblicken konnte.

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