fjh über fjs: Mein fetter Namensvetter Franz Josef Strauß würde heute Hundert

Meinen Vornamen verdanke ich ihm. Viel Spott und Stress hat mir das in meiner Jugend eingebracht, doch mittlerweile ist es ruhig geworden um Franz Josef Strauß. Der beleibte bayerische Politiker wäre heute hundert Jahre alt geworden, hätte er sich nicht am 3. Oktober 1988 unerwartet in den Untergrund verabschiedet.
Strauß war indes nicht nur mein Namensgeber; immer wieder ist er in mein Leben getreten und hat es beeinflusst. Während er jedoch zeitlebens nach Bonn wollte, war ich seit meiner Geburt schon da.
Wenn ich mit dem Obus von der Schule nach Hause fuhr, kam ich an seinem Bonner Domizil vorbei. Manchmal habe ich ihn dann gesehen vor seinem Haus an der Friedrichsruh, wie er aus seinem BMW ausstieg und zur Haustür ging.
Kanzler wollte er werden. Machtgier war wohl sein stärkstes Motiv neben Geldgier. Die Verbindung zwischen beiden dürfte man wohl „Korruption“ nennen.
Reden konnte Strauß wie kein Zweiter. Die Kunst der Demagogie beherrschte er perfekt. Mit volkstümlichen Vergleichen zog er in Bierzelten und bei Fernsehauftritten viele Menschen hinter sich.
Gut erinnere ich mich an eine Fernseh-Talkshow mit Alfred Biolek, in der Strauß sich selber karikierte. Wieder und wieder fragte ich alle Anwesenden, ob das wirklich fjs ist und kein Stimmmenimitator und Parodist, der Strauß da auf der Mattscheibe durch den Kakao zog.
Als ich 1955 geboren wurde, war der Bayer gerade erst Minister geworden. Mein Vater fand ihn gut und erwartete noch eine große Karriere von ihm.
Im Krankenhaus hatte ich es wohl nicht allzu eilig. Als ich dann endlich doch das Licht der Welt erblickte, willigte mein Vater trotz vorherigen Widerstands erleichtert in den Wunsch meiner Mutter ein, mich nach ihrem Vater „Josef“ zu nennen. „Aber wenn schon Josef, dann wenigstens Franz-Josef“, sagte er zu ihr im Bonner Marienhospital nur wenige hundert Meter entfernt von der Bonner Wohnung des beleibten Bayern.
In der Oberstufe musste ich mich wegen meines Vornamens immer erklären: „Wie hältst Du´s mit Strauß?“ Diese Frage habe ich zigtausendmal mit Distanzierungen beantwortet und zeitweilig ziemlich gehasst.
Allmählich wurde mir aber klar, dass sich dank meines umstrittenen Namensfetters fast jeder meinen Vornamen merken konnte. Alle dachten an den dicken Bayern, wenn ich meinen Vornamen nannte. Dünn war auch ich damals nicht gerade.
So habe ich mir mein Teil über ihn gedacht, über ihn gelacht und schließlich sogar eine Website über ihn gemacht. Unter www.franz-josef.biz habe ich mich mit ihm und meinem gewichtigen Namen auseinandergesetzt.
Strauß war ein echtes Urvieh. Er trank gern und viel, wetterte aber noch mehr. Er war korrupt und korpulent.
Seine Atemnot konnte man manchmal richtig hören. In argumentative Not hingegen kam er selten. Um deftige Worte war er nie verlegen.
„Ratten und Schmeißfliegen“ nannte Strauß später kritische Intellektuelle wie die Schriftsteller Bernd Engelmann und Günther Grass. Draufhauen war seine Devise, die er vor allem mit derben Sprüchen und ausfälligen Tiraden in die Tat umsetzte.
Der Politische Aschermittwoch wurde durch ihn ein Markenartikel der CSU. Strauß war die CSU und die CSU war Strauß. Dank der Popularität ihres langjährigen Parteivorsitzenden wurden Bayern und CSU bald beinahe zu einem Synonym.
„Stoppt StrauSS!“ Die beiden letzten Buchstaben wurden auf Meinungsknöpfen und Aufklebern mit SS-Runen geschrieben. Diese Kampagne versuchte 1977 erfolgreich, die Wahl des Bayern zum Bundeskanzler zu verhindern.
Zu seinem 100. Geburtstag veröffentlichte die Bundeszentrale für Politische Bildung eine wissenschaftliche Dokumentation, die sich mit einer möglichen Spionagetätigkeit des Bayern für das US-amerikanische „Office for Strategic Services“ (OSS) beschäftigt. Demnach soll Strauß 1944 Informationen über die deutsche Luftabwehr an den Geheimdienst geliefert haben.
Im Gegensatz zu dieser Spionagetätigkeit ist die Zahlung von Bestechungsgeldern an Strauß in Millionenhöhe nachweisbar. Dabei hatte er reich geheiratet. Behauptungen, der tödliche Autounfall seiner Ehefrau Marianne sei durch Manipulationen an der Lenkung ihres Mercedes verursacht worden, sind nie bewiesen worden.
„A Hund is er scho“, sagten viele Bayern über Strauß. Oft war das aber eher anerkennend als angewidert.
Den Bindestrich zwischen dem Franz und dem Josef verwendete Strauß vorübergehend auch. Seine amtlichen Dokumente indes deckten diese Schreibweise nicht. Im Gegensatz dazu ist der Bindestrich bei mir unverzichtbarer Namensbestandteil.

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3 Kommentare zu “fjh über fjs: Mein fetter Namensvetter Franz Josef Strauß würde heute Hundert

  1. An Strauß kann man wunderbar die Skrupellosigkeit der Politiker sehen. Selber ein ausgewiesener Antikommunist, hat er der DDR den berühmten Milliardenkredit besorgt und damit den „Feind“ gestärkt. Das macht ein Politiker nur, wenn für ihn was rausspringt. Da gibt es kein halten für die kapitalistische Elite, wenn man was extra verdienen kann, egal mit wem.

    • Lieber Ronald, vielleicht war Strauß ein derart skrupelloser Fuchs, dass er die DDR durch die Vergabe des Milliardenkredits in eine Abhängigkeit bringen wollte. Letzten Endes hat das Darlehen die Lebensdauer der DDR ja nur prolongiert. In jedem Fall war er skrupellos und gierig nach Geld und Macht. Interessant ist auch seine Freundschaft mit Schalk. Der war wahrscheinlich Doppelagent. Ob man da noch weitere Ausgrabungen und entsprechende Ergebnisse erleben wird? Ich bin gespannt fjh

  2. Wenn das tatsächlich so gedacht war ging es ja auf. Interessanter Gedanke !
    Der Strauß war ja noch cleverer als ich dachte.
    Mit Schalk wird er sich gut verstanden haben. Sie waren sich wohl ähnlich.
    Gruß aus dem Vogtland

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