Ich werde sie nie vergessen: Erdmuthe Sturz starb am 28. September 2010

„Sie sieht aus wie eine Prinzessin.“ Das sagte eine Bekannte, als sie Erdmuthe Sturz auf ihrem Bett liegen sah. Die Pflegerin hatte Erdmuthe nach ihrem Tod gewaschen und ihr das Renaissance-Kleid angezogen, mit dem sie beim Karneval in Venedig sogar ins Café „Florian“ am Markusplatz hineingekommen war, wo nur Menschen in edlen historischen Kostümen Einlass fanden.
Fünf Jahre ist ihr Todestag heute her. Meine Ehefrau starb am 28. September 2010 nach langer schwerer Krankheit. Tapfer und fast immer heiter hat sie gegen den Krebs angekämpft und immer zu mir gehalten wie ich zu ihr.
Ihr Begräbnis wird wohl keiner vergessen, der daran teilgenommen hat. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Pater Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ hat die gesamte Trauergemeinde ums offene Grab getanzt; denn Tanzen war Erdmuthes liebste Freizeitbeschäftigung.
„Tanzen ist Liturgie“, antwortete Hengsbach auf meine Frage, ob man auf dem Friedhof tanzen könne. „Leider hat die Kirche das aber vergessen“, fügte der katholische Sozialethiker dann noch hinzu.
Inzwischen ist auch Erdmuthes Mutter von uns gegangen. Für sie war der frühe Tod ihrer Tochter ein schweres Schicksal. Aber ebenso wie ihre Tochter hat auch Irmgard Sturz ihr Schicksal und ihre Krankheit tapfer ertragen.
Beiden verdanke ich viel. Die Eheschließung mit Erdmuthe war die beste Entscheidung meines Lebens.
Damals kannten wir uns aber schon fast 18 Jahre. Die guten und die schlechten Zeiten hatten wir da schon hinter uns.
Nach der Hochzeit folgten für uns fast nur noch gute Zeiten. Geprägt war das Jahr, das uns dann noch gemeinsam vergönnt war, von gemeinsamem Glück und heiterer Harmonie. Allerdings waren die letzten Wochen auch geprägt von Erdmuthes fortschreitendem Verfall und der Einsicht, dass das Ende unerbittlich näherkam.
Doch in dem Maß, wie ich sie pflegen musste, überkam mich zugleich ein Gefühl großer Dankbarkeit. Was hatte diese Frau nicht in all den Jahren für mich getan? Wenigstens ein Wenig davon konnte ich ihr nun zurückgeben.
„Solange ich das verhindern kann, werde ich Dich nicht in ein Heim lassen“, erklärte ich ihr. Schließlich wusste ich, wie unwohl sie sich in der Radiologie gefühlt hatte und wie sehr sie darauf gedrängt hatte, wenigstens die Wochenenden daheim zu verbringen.
Am 28. September 2010 ist sie nachmittags in ihrem Bett gestorben. Ihre Todesstunde haben ich und ihre Mutter bei ihr verbracht.
Traurig bin ich, dass sie nicht mehr hier ist bei mir. In vielen Gedanken und Gewohnheiten wie auch vielen Gegenständen in der Wohnung ist sie jedoch immer noch bei mir.
Die 19 gemeinsamen Jahre bleiben. Das Leben geht weiter, aber vergessen werde ich sie nie. www.erdmuthe-sturz.marburginfos.de erinnert an eine großartige Frau, deren Größe ich viele Jahre lang wie kein Anderer erleben durfte.

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2 Kommentare zu “Ich werde sie nie vergessen: Erdmuthe Sturz starb am 28. September 2010

  1. Das ist traurig und wunderbar zugleich. Traurig, weil so ein toller Mensch sterben musste, wunderbar weil die Erinnerung ihn am Leben hält. Er ist also noch da !
    Bei so einem Verlust kann man eigentlich nicht wirklich trösten – meine Frau baut mich in solchen Stunden immer mit den Worten auf „wir hatten ihn, er war da und die vielen schönen Momente mit ihm“. Es ist so stark, wie FJH mit dem Verlust seiner Frau umgeht, sie weiter im Herzen trägt und an sie erinnert.

  2. Pingback: 2. Oktober 2015: Keine Geburtstagsfeier mehr von Irmgard Sturz | Franz-Josef Hanke

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