2. Oktober 2015: Keine Geburtstagsfeier mehr von Irmgard Sturz

Die Damen von Flötenkreis, gymnastikgruppe und Kegelclub sowie einige Nachbarn waren da. Auch ich habe die letzten Jahre immer mit ihr Geburtstag gefeiert. Heute hingegen bleiben das gastliche Wohnzimmer und der runde Tisch im Esszimmer verwaist.
Heute wäre Irmgard Sturz 95 Jahre alt geworden. Doch am Ostersonntag ist sie im Alter von 94 Jahren von uns gegangen.
Die Zähne zusammengebissen hat sie mehr als einmal in ihrem Leben. Der Wirbelbruch, an dem sie seit November 2014 litt, hat furchtbare Schmerzen verursacht; doch schlimmer noch waren für sie der Tod ihres geliebten Ehemanns Heinrich Sturz und am 28. September 2010 dann der Tod ihrer Tochter Erdmuthe.
Am 2. Oktober 2014 war Irmgard Sturz noch heiter und quietschlebendig. Sie wieselte durch die Wohnung, um alle Geburtstagsgäste mit Schnittchen und Getränken zu versorgen. Als alle wieder weg waren, gab es ein Mittagessen für mich und meine Begleitperson.
Nicht fehlen durfte natürlich auch die nachmittägliche „Jause“. Bei alledem haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten. Trotz ihrer 94 Jahre war sie bei klarem Verstand und damals auch körperlich noch recht fit.
Von ihrem Leben hat sie mir erzählt. So bin ich ihr nach dem Tod meiner geliebten Ehefrau Erdmuthe Sturz näher gekommen als je zuvor.
Nun sind auch diese Geburtstagsfeiern vorüber. Meine Schwiegermutter war stets fest davon überzeugt, dass nach dem Tod noch etwas folgen wird. Sicherlich ist sie jetzt bei ihrer Erdmuthe und ihrem Heini im Himmel.
Für mich war sie ein Vorbild an Tatkraft, Mut und Tapferkeit. Auch Erdmuthe hat diese Eigenschaften von ihr geerbt. Vielleicht konnte ich ein wenig davon bei ihr lernen.
Es war nicht gerade leicht, so alt zu werden. Nach und nach starben alle anderen aus ihrer Generation weg. Überall war mmeine Schwiegermutter am Schluss die Älteste.
Dennoch ist es auch eine Gnade, dieses wahrhaft biblische Alter zu erreichen. So erzählte sie mir von ihren Erlebnissen in der Weimarer Republik, während der Zeit des Hitler-Faschismus und des Zweiten Weltkriegs sowie von ihrer Vertreibung aus dem Sudetenland.
Flucht und Vertreibung hat auch mein Vater erleben müssen. Gerade zur Zeit ist dieses Thema wieder – im traurigsten Sinne – brandaktuell.
Wenn ich an Irmgard Sturz denke, dann sehe ich eine Frau vor mir, die aus der Not eine Tugend gemacht und dabei nie geklagt hat. Solche Menschen sind eine große Bereicherung.
Meine Schwiegermutter hat mich ganz persönlich bereichert in so vielen unterschiedlichen Bereichen. Meinen Dank statte ich ihr ab, indem ich ihrem Vorbild nachzueifern versuche. Wenn ich nur halb so viel Mut, Tatkraft und Tapferkeit habe wie sie, dann wird mir mein Leben garantiert gelingen.

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