Krieg als Antwort auf IS-Terror: Bald auch Bundeswehr über Syrien?

Deutschland zieht in den Krieg. Schon in wenigen Wochen werden deutsche Tornados über Syrien hinweggdonnern, ein deutsches Tankflugzeug aus der Luft Kampfjets betanken und ein deutsches Marineschiff vor der syrischen Küste kreuzen. So zumindest plant es nach derzeigigem Stand die Bundesregierung.
Erklärter Feind ist dabei der sogenannte „Islamische Staat“ (IS). Doch kann man diese Terrormiliz mit klassischen Militäraktionen überhaupt wirksam bekämpfen? Laufen wir mit unserer Einmischung nicht Gefahr, die nächsten Opfer des mörderischen IS-Terrors zu werden?
Mein Mitgefühl ist bei den Opfern der Terroranschläge in Paris. Sie haben die Solidarität aller friedfertigen Menschen verdient. Allerdings sollte man sich sehr genau fragen, wie diese Solidarität sinnvollerweise aussehen kann.
Als Pazifist halte ich wenig von militärischen Einsätzen. Sie bergen immer die Gefahr, unschuldige zu treffen und die Spirale der Gewalt immer weiter anzuheizen. Krieg gegen den „IS“ treibt diesen Terroristen die Unterstützer wahrscheinlich geradezu in die Arme.
Zudem ist die berechtigte Empörung der meisten europäischen und US-amerikanischen Politiker über den „IS“ so lange heuchlerisch, wie die selben Politiker Waffen an den islamischen Staat Saudi-Arabien und andere islamisch-fundamentalistische Regimes am Golf liefern. Saudi-arabien mit seinem undemokratischen Königtum und den gleichen Strafen wie der „IS“ kann kein legitimer Verbündeter demokratischer Regierungen sein. Gleiches gilt für andere Golf-Staaten, die ebenfalls Geburtshilfe für den „IS“ geleistet haben, bevor er zu einer mächtigen Miliz aufstieg und Terror und Schrecken verbreitete.
Vor einem militärischen Schlag gegen den „IS“ müsste zudem zunächst die wirtschaftliche Isolierung dieser Mörderbande kommen. Dazu müsste man dem „IS“ seine Geldquellen austrocknen: In Tankwagen transportiert er Öl über die Türkei nach Europa oder per Schiff nach China, weshalb man diese Transporte verhindern muss.
Wertvolle Kulturgüter verscherbelt der „IS“ an Interessenten in Europa oder Amerika, bevor er die Stätten des Weltkulturerbes dem Erdboden gleichmacht. Mittlerweile gilt diese Miliz als reichste Terrororganisation der Welt. Diese Finanzen wie auch die zugrundeliegende Logistik zu treffen, würde den „IS“ viel stärker schädigen als Bomben, die meist nur die Bevölkerung töten, die der „IS“ in Syrien, dem Irak oder Libyen grausam unterdrückt.
Die Regierungen Europas, Amerikas oder anderer „aufgeklärter“ Staaten müssen außerdem eingestehen, dass sie selbst jahrzehntelang die Grundlagen gelegt haben für diesen Terror, indem sie Afrika haben verelenden lassen, Afghanistan mit Militärmacht in die Arme der Taliban getrieben und Irak, Libyen sowie Syrien in unregierbare Trümmerhaufen verwandelt haben. Es war die Arroganz des Westens wie auch seine Ignoranz, die den Nährboden bereitet hat für Islamismus, Salafismus und Gihadismus. Es war die ungleiche und ungerechte Verteilung des Reichtums, die diese Kriege begünstigt und die Flüchtlingsströme nach Europa ausgelöst hat.
Die verfehlte Außenpolitik von Jahrzehnten rächt sich nun bitterlich. Endgültig wird klar, dass die Außenpolitik von gestern zur Innenpolitik von heute geworden ist, indem sie Flüchtlinge über die Grenzen nach Europa treibt oder Attentäter in europäischen Metropolen aktiv werden lässt.
Wenn wir etwas aus dem Krieg in Afghanistan gelernt haben sollten, dann ist es wohl die Erkenntnis, dass der Bundeswehreinsatz das Land am Hindukusch nur noch unsicherer gemacht hat. Will die Bundeswehr diese desaströse Erfahrung nun in Syrien wiederholen?
Ein anderer Weg ist nötig. Die Welt braucht eine gewaltfreie Politik gegen Terrorismus. Nur Frieden kann auf Dauer Frieden schaffen.
Dazu gehören Freizügigkeit und die Freiheit von Überwachung und Angst. Sicherheit vor Terror bieten sie zwar nicht, aber sie sind trotz allem wohl das wirksamste Mittel dagegen, weil sie ihm die Wurzeln anknabbern.
Die beste Form gelebter Solidarität mit den Opfern der Attentate von Paris ist ein Besuch in einem Konzert, ein Abendessen auf einer Terrasse vor einem französischen Restaurant oder auch beim Griechen, Türken und – wo es einen gibt – beim Syrer oder Somalier. „Liberté, Égalité, Fraternité“ sind die drei Grundsäulen „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Sie sollten wir möglichst weltweit zu praktizieren versuchen, um damit dem Hass seine Grundlagen zu entziehen.

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11 Kommentare zu “Krieg als Antwort auf IS-Terror: Bald auch Bundeswehr über Syrien?

  1. „Ein anderer Weg ist nötig. Die Welt braucht eine gewaltfreie Politik gegen Terrorismus. Nur Frieden kann auf Dauer Frieden schaffen.“
    Ja, diese Anschläge doch reine Provokationen sind und man genau darauf reinfallen will, und nachdem die Munition verballert ist, kriechen die Terroristen wieder aus ihren Verstecken und geben’s uns. Um genau das zu erreichen: Krieg. Warum also nicht als Erstes „… die vergleichsweise kleine Terrorbande nicht von jedem Nachschub(…) abschneiden und trocknet sie damit aus? Dazu eine große politische Allianz zu schmieden wäre effektiver als sich in einen Krieg mit unkalkulierbaren Risiken zu stürzen.“ ?

  2. Genau das ist es. Keine Finanzen – kein Terror. Du hast es ja schon beschrieben, wie die IS zu Geld kommt. Putin hat die Öltankwagen von der IS in die Türkei (!!!) bombardieren lassen und die Zusammenarbeit der Türken mit der IS bloßgestellt. Wenn das die Russen wissen, dann wissen es die Amerikaner doch erst recht. Und die lassen ihren Natopartner Türkei gewähren. Die lassen auch die Saudis und Kataris gewähren. Ist schon merkwürdig.
    Vereinzelte durchgeknallte Typen wird es immer geben. Sind es keine religiösen Fundamentalisten, sind es halt Abtreibungsgegner. Die Elite gibt den mitfühlenden Trauernden und entwickelt Nationalismus und Hass. So lässt sich die Stimmung für Kriegseinsätze in der Bevölkerung entwickeln. Schönen Gruß an die Rüstungslobby.
    Und zu unserem Lieblingsthema Medien : die machen mit. Von „Bild“ bis „FAZ“.
    Gruß aus dem Vogtland

  3. Ich muss noch mal was zu den Medien schreiben. Beim „Syrien-Einsatz“ sind die Printmedien unterschiedlicher Meinung, je nach politischer Orientierung oder Abhängigkeit. Die Privaten und das Staatsfernsehen sind komplett und kritiklos Befürworter. Genauso die Staatssender D-Radio und DLF. Da kommt nicht eine kritische Stimme. So muss es vor Ausbruch des 2.Weltkrieges gewesen sein. Die Journalisten ziehen schon als erste los.
    Gruß aus dem Vogtland.
    Ro

  4. „… So muss es vor Ausbruch des 2.Weltkrieges …“
    Also ich denke immer öfter, so müssen sich unsere Eltern und Großeltern vor dem 2. WK gefühlt haben. Dieses Ungewisse. Heute hat man das Gefühl, man hört sie schon unruhig mit den Füßen scharren, denn was wollen sie in Syrien mit unseren Jungs, während die eigenen jungen Männer den Kriegsdienst verweigern??? Sind unsere Kinder weniger wert, weniger traumatisiert, weniger tot? Ist es nicht auch Vaterlandsverrat dort, wenn die jungen Männer dort alle abhauen und hier kästenweise Bier nach Hause schleppen, sich in der Straßenbahn scherzen und lachen und mit den Handys spielen, als wäre nix gewesen? Wieso werden diese jungen Männer gegen unsere ausgetauscht?
    Und: Was hätten wir zu bieten, wenn unsere Eltern, Großeltern und Trümmerfrauen auch alle abgehauen wären im 2. WK, statt IHR Heimatland wieder aufzubauen???

      • „Fremdenfeindlicher Unsinn.“
        … hätte man es wohl auch bezeichnet, wenn Polizeipräsident Wolfgang Albers nicht so lange zu den Geschehnissen der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof geschwiegen hätte und statt dessen sagte, “ …es gebe keine Informationen zur Herkunft der mutmaßlichen Täter. Man wisse nicht, woher diese Personen kamen.“
        Wie nennen das wohl inzwischen die Betroffenen in Köln, Hamburg, Stuttgart etc. pp.? Ich hoffe und wünsche Ihnen zum Neuen Jahr, Ihre Kinder waren auch nicht darunter.
        Vielleicht hätten die Mädchen und Frauen in Köln Burka und Kopftuch tragen und sich besser „verhüllen“ sollen …? Auch meiner Tochter ist hier in Dresden auf dem Hauptbahnhof schon so was ähnliches widerfahren. Sie war noch sehr verwundert darüber, dass es so was gibt und auch noch von „Gästen“, die im Untergeschoss des Bahnhofsgebäudes ein „Casino“ betreiben und sich mit LIFT hoch und runter fahren lassen.
        Die Anmachen waren nur noch nicht so vehement und bedrohlich, so dass man es als Randerscheinung oder Zufall ansah.
        Nun, um so fremdenfreundlicher, mit viel Weitblick, um Schaden vom Volke abzuwenden bauen wir sukzessive unsere Polizei ab und schicken gleich noch unsere Jungs statt deren Kriegsdienstverweigerer in andere Länder. So können sich die „Gäste“ und traumatisierten Flüchtlinge endlich auch mal an unverhüllten Frauen und Mädchen austoben. So kann keine Polizei dazwischen gehen und muss nachher nicht vermeiden, darüber zu sprechen, weil man selbst sie sonst in die rechte Ecke stellt und als Fremdenfeinde abtut. Sind unsere jungen Männer, Frauen und Mädchen etwa weniger traumatisiert nach solchen Erlebnissen oder gar tot? Meine Mutti (*1923) war nach dem 2. WK traumatisiert. … .
        Wieso und warum geben diese „Fremden“ selbst damit noch Wasser auf die Mühlen von Pegida und AfD?
        Ist es auch „fremdenfeindlicher Unsinn“, wenn sich das Gastgeberland gegen Vorkommnisse dieser Art nun auch noch derart zur Wehr setzen muss? Für mich sind dann allerdings die alljährlichen Wünsche zum Anfang eines neuen Jahres Unsinn, Witze, Satire etc. pp. Man lacht, um nicht zu weinen.
        Warum protestieren und demonstrieren die ausländischen Gegner solcher Verhaltensweisen, die es mit Sicherheit auch gibt, nicht lauter? Warum zeigen sie uns statt dessen gerade stolz Kopftuch und Burka, wenn sie doch mit dieser Art Glauben, mit diesem Krieg nichts mehr zu tun haben wollen?

      • Hallo, ich hatte Sie aufgefordert, nichts mehr in dieses Blog zu schreiben. Kotzen Sie sich bitte anderswo aus! fjh

  5. Komisch, erinnert mich irgendwie an die Abschaffung von 2254. Sicher auch wegen unpassender Meinungen und Fragen.
    Na dann tschüs! 🙂

    • Nochmals sei darauf hingewiesen dass fremdenfeindliche und herabwürdigende Äußerungen gegenüber Menschen hier unerwünscht sind. Das ist ein privates Blog, das die Achtung der Netikette als Teilnahmebedingung voraussetzt.

  6. Ich beneide Sie nicht um Ihre Immunität. Hoffentlich hilft sie auch weiter, wenn eines Ihrer Kinder betroffen oder „Ausländische Fachkräfte“ die bessere Bezeichnung für Billiglohnarbeiter ist. Gab es ja schon mal in der Bundesrepublik: Damals nannte man sie Gastarbeiter: „Ab Mitte der 1950er Jahre wuchs in Westdeutschland der Arbeitskräftebedarf. Die Bundesregierung schloss daher zwischen 1955 und 1973 Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien, Jugoslawien und Südkorea.
    Die „Gastarbeiter“ arbeiteten meist als Ungelernte in der Industrie. Für sie war die Arbeit in Deutschland finanziell attraktiv. Bis Anfang der 1970er Jahre lebten die meisten von ihnen in Baracken und Wohnheimen mit strengen Regeln.“

  7. … heute z. B. als Fachkräfte für die Rüstungs- und Waffenindustrie, damit das Geschäft schön weiterläuft. Oder warum hört man nichts zu Waffenboykotts, Einstellung von Waffenlieferungen, -handel und dergleichen? Weil von DEUTSCHEM Boden kein Krieg mehr ausgehen darf …?

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