Sag mir, wo die Blumen sind: Joan Baez wird 75

Sie war eine Ikone meiner Jugend. Heute kennen leider nur wenige junge Leute diese herausragende Sängerin. Doch sie hat einen unbekannten Straßensänger erstmals auf eine große Bühne gebracht, dem inzwischen sogar eine eigene Wissenschaft gewidmet ist und der heute als Inbegriff des Folk-Sängers und Rockpoeten gilt.
Nach ihr hat Amnesty International (AI) einen Bürgerrechtspreis benannt. Der US_bundesstaat Arizona hat ihr sogar einen Feiertag gewidmet. Sie ist eine der bedeutendsten Bürgerrechtlerinnen des 20. Jahrhunderts.
Zusammen mit dem Country-Sänger Johnny Cash protestierte sie Mitte der 60er Jahre eindringlich und eindrucksvoll gegen den Vietnam-Krieg. Sie unterstützte die US-Bürgerrechtsbewegung gegen Rassendiskriminierung und sang „We shall overcome“ oder „There but for Fortune“. Heute wird die Sängerin, Bürgerrechtlerin und Pazifistin Joan Baez 75 Jahre alt.
Baez hatte nicht nur eine Liebesbeziehung mit Bob Dylan, mit dem sie auch mehrmals auf Tournee ging und dessen Lieder sie sang, sondern auch mit dem Apple-Gründer Steve Jobs. Vor allem aber war sie eine glühende Verfechterin des gewaltfreien Widerstands gegen ungerechte Verhältnisse weltweit. Zudem engagierte sie sich nicht nur gegen die Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe, sondern auch für Lesben und Schwule.
Ihr Leben gäbe sicherlich eine filmreife Geschichte ab. Schon in ihrer Kindheit und Jugend erlebte sie Rassendiskriminierung und die Notwendigkeit einer klaren Haltung gegen Krieg. Ihr Vater weiggerte sich während des Zweiten Weltkriegs, für die Rüstungsindustrie zu arbeiten, was ihr weiteres Leben sicherlich nachhaltig beeinflusst hat.
Als Teenager bereits nahm Joan Baez die Zusammenarbeit mit Martin Luther King auf. Sie gründete ein Institut für Gewaltfreie Konfliktlösung und eine Sektion von Amnesty in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Ihrer politischen Überzeugung ist die berühmte Sängerin bis heute treu geblieben.
Das 1940/1941 entstandene jiddische Lied „Dana Dana“ von Aaron Zeitlin und Sholom Secunda hat sie 1960 in ihr Repertoire aufgenommen und dann auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Während das Kälbchen gefesselt auf dem Wagen zur Schlachtbank gebracht wird, flattert der Vogel frei durch die Luft. Derweil ruft der jüdische Autor angesichts der Shoa verzweifelt seinen Gott an, dem die Anrede „Adonei“ gilt.
Die Urmutter aller Antikriegslider „Sag mir, wo die Blumen sind!“ von Pete Seeger sang sie mit dem wunderbaren deutschen Text von Max Kolpee. Außerdem sang sie das Lied „Kinder“ von Bettina Wegener und „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg.
Schon Ende der 60er Jahre wurde Baez für mich zu einem Idol. Ihre helle Stimme berührte mich ebenso wie ihr entschiedenes Auftreten gegen Unrecht und Gewalt. Neben Dylan war sie für mich die bedeutendste Vertreterin der Folk-Musik.
Mit 16 oder 17 versuchte auch ich mich an der Gitarre, nachdem der frühe Flötenunterricht für den Lehrer ziemlich frustrierend geendet hatte. Bald aber merkte ich, dass Zuhören und Mitsingen mir mehr liegt als Klimpern auf der Klampfe. Die Songs aus dem Repertoire von Joan Baez haben mich dabei das gesamte Leben über begleitet.
Betrübt bin ich, wenn ich heute junge Menschen auf Joan Baez anspreche: Kaum einer der Jüngeren kennt diese Vorkämpferin für das politische Protestlied heute noch. Dabei hat sie diesem Genre weltweit zum Durchbruch verholfen.
Gerade heute sind ihre Lieder aktueller denn je. Und nach wie vor ist diese große alte Dame der Bürgerrechtsbewegung immer noch aktiv für Frieden und Völkerverständigung.

Advertisements

3 Kommentare zu “Sag mir, wo die Blumen sind: Joan Baez wird 75

  1. Wir haben die großartige Joan Baez vor einigen Jahren in der Stadthalle Zwickau gesehen. Sie war ebenfalls ein Idol unserer Jugend und der lebende Beweis, dass man sich nicht dem politische Mainstream unterwerfen muss. Meine Frau und ich wollten unbedingt ein Autogramm von ihr und warteten nach der Veranstaltung am Künstlerausgang. Da standen aber etwa noch 50 andere Fans. Ich habe es nicht für
    möglich gehalten, aber dieser Weltstar hatte keinerlei Allüren und signiere alles und lies sich geduldig fotografieren. Se beantwortete kurz die Fragen der begeisterten Autogrammsammler und ging erst, als der letzte Fan zufrieden war.
    Unsere Fotowand ziert seitdem ein Bild, dass eine stolze Frau Wolf mit der wunderbaren und freundlich lächelnden Joan Baez zeigt. Um diese tolle Frau in Erinnerung zu halten spiele ich bei meinen Diskoveranstaltungen stets mindestens einen Song von ihr. Mein Generation kennt sie natürlich, manchmal kommen aber junge Leute und fragen, wer diese Sängerin ist.
    Zwei Jahre später war übrigens Bob Dylan in der Zwickauer Stadthalle. Da haben wir gar nicht erst versucht ein Autogramm zu bekommen.
    Grüße aus dem Vogtland !

  2. Pingback: Forewer young: Bob Dylan wird 75 | Franz-Josef Hanke

  3. Pingback: „I intend to live forever“: So long, Leonard Cohen! | Franz-Josef Hanke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s