Zum Holocaust-Gedenktag: Nie wieder Pegida, nie wieder Krieg!

Heute ist der internationale Holocaust-Gedenktag. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit.
„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, schworen die Überlebenden nach dem 2. Weltkrieg. Wie schmerzlich muss es für die letzten Überlebenden nun sein, die Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland miterleben zu müssen!
Die Abkürzungen AfD, Pegida, NPD und NSU stehen für das Erstarken von Rechtspopulismus, Faschismus und rechter Gewalt in Deutschland während der letzten Monate und Jahre. Sie stehen für ein Versagen der Politik, die mit populistischen Parolen immer noch fleißig Öl ins Feuer der „besorgten“ Brandstifter gießt und deren Gewaltbereitschaft dadurch noch fördert. Sie stehen für ein Versagen der Strafverfolgungsbehörden und insbesondere der Polizei, die nur die allerwenigsten der rechten Straftäter vor Gericht gebracht und einer angemessenen Bestrafung zugeführt hat.
Auch die Gesellschaft kann sich nicht zufrieden zurücklehnen und behaupten, sie hätte genug getan. Rechte Gesinnungen gedeihen in einem Umfeld, das ihnen nicht früh genug und entschieden genug entgegentritt. Brandstifter werden die, die sich im Recht wähnen, weil ihre rechten Wahnvorstellungen nicht auf genügende Gegenwehr gestoßen sind.
Medien und Journalisten müssen sich die Frage stellen, ob sie die täglich hinausgeblasenen populistischen Parolen profilierungssüchtiger Politiker nicht zu eilfertig verbreitet haben und damit mit dazu beigetragen haben, die rechte Stimmung anzuheizen. Zudem müssen sie sich fragen, ob sie nicht vielleicht mehr Druck machen müssten auf die Polizei, dem Terror allnächtlicher Brandstiftungen endlich entschieden entgegenzutreten.
Diese Fragen werden nicht nur diejenigen stellen, die die Shoa überlebt haben. Diese Fragen müssen auch diejenigen stellen, die nie wieder Faschismus und nie wieder Krieg erleben wollen. Die Demokratie gerät in Gefahr, wenn sie leichtfertig den Populisten und Propagandisten überlassen wird.
Scheibchenweise wurde die Bundeswehr erst überhaupt gegründet und dann immer weiter zu einer weltweit agierenden Armee ausgebaut. Die Amtsbezeichnung „Verteidigungsministerin“ ist absolut unangemessen für das, was Ursula von der Leyen der Bundeswehr derzeit an Auslandseinsätzen zumutet.
Deutsche Düsenjäger, Betankungs- und Radarflugzeuge über Syrien und den benachbarten Regionen rund ums Mittelmeer tragen kaum dazu bei, Frieden zu schaffen und dem Terrorismus des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) den Garaus zu machen. Terror kann man nicht mit Terror bekämpfen; Terror muss man mit Klugheit und Gelassenheit entgegentreten.
Deutsche Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien tragen kaum dazu bei, radikalen Islamisten den Boden zu entziehen. Deutsche Deals mit der Türkei tragen nicht dazu bei, Fluchtbewegungen zu stoppen, solange die türkische Armee kurdische Städte und Stadtviertel bombardiert und Menschen so in die Flucht treibt.
Haben die Deutschen aus dem Holocaust nichts gelernt oder haben sie alles wieder vergessen, was sie einmal gelernt hatten? Haben die Deutschen die eigenen Erfahrungen von Flucht und Vertreibung einfach aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen oder erinnern sie sich noch daran, wie es ist, heimatlos zu sein und überall auf Misstrauen und Ablehnung zu stoßen, wo man hinkommt?
Das Asylrecht war eine konsequente Antwort auf die Erfahrungen der Deutschen, die von der NS-Diktatur verfolgt wurden. Der Philosoph Walter Benjamin ist nur eines von vielen erschütternden Beispielen dafür, wie wichtig Asyl ist und wie tödlich seine Verweigerung enden kann.
Nicht vergessen sollte man, dass neben sechs Millionen Juden auch Roma und Sinti, Behinderte und Psychisch Kranke, Christen, Gewerkschafter und Kommunisten verfolgt wurden. Gerade die verfolgten Kommunisten sind bis heute noch nicht richtig rehabilitiert worden, weil der „Kalte Krieg“ und der angebliche „Kommunismus“ der Sowjetunion und ihrer Satelliten derartige Gesinnungen gründlich diskreditiert haben, wofür die Kommunisten freilich nur wenig können.
Auch Roma und Sinti werden nach wie vor benachteiligt und ausgegrenzt. Roma und Sinti im Balkan leben nicht in „sicheren Herkunftsstaaten“, sondern in einem Umfeld rassistischer Verfolgung und Hetze.
Aus der Geschichte Lernen heißt, Niederlagen in kluge Konzepte für die Zukunft umzuwandeln. Gerade das geschieht in jüngster Zeit leider viel zu wenig. Der Hitler-Faschismus verblasst in grauenhaftem Gedenken erstarrter Rituale, während der braune Mob wieder wütet auf den Straßen nicht nur in Sachsen.
Demokratie muss immer wieder von Neuem erarbeitet und erkämpft werden. Es gibt viel zu tun gerade zur Zeit. Setzen wir uns also ein für die weitere Verwirklichung des Versprechens der Überlebenden der Nazi-Diktatur „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“!

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Ein Kommentar zu “Zum Holocaust-Gedenktag: Nie wieder Pegida, nie wieder Krieg!

  1. Donnerwetter ! Alles drin ! Danke. Genauso ist es !
    In einem Beitrag des D-Funk zur Auschwitzbefreiung ging es heute 5 Minuten um diesen Aspekt und 15 Minuten über den „Unrechtstaat DDR und Doping“. In einem Beitrag ! Was hat das miteinander zu tun ? Die Medien haben einen höheren Hass auf die Leiche Kommunismus als auf die rechten Massenmörder. Wieso ? Kann es sein, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit doch nicht so gut gelungen ist, auch nicht und besonders bei den Eliten ?
    Die Massenvernichtung von Millionen durch die Deutschen bleibt eingebrannt in die Weltgeschichte. Auch wenn es einige Deutsche nicht mehr wissen wollen.
    Ich werde auch keine Ruhe geben und dem braunen Gedankengut entgegen treten. Das sind wir den vielen Ermordeten schuldig.!

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