Bei Onkel Pö: Happy Birthday, Rentnerband!

„Der Greis ist heiß.“ Despektierlich bewundernd besingt das heutige Geburtstagskind auf einer Jubiläums-CD seinen zehn Jahre älteren Mentor. Der meinte dazu nur: „Der Udo darf das!“
Bereits am 12. Mai 2016 wurde Klaus Doldinger 80 Jahre alt. Fünf Tage später wird Udo Lindenberg nun 70.
Die zwei vereint ein Musikstück, das wahrscheinlich jeder Deutsche kennt, der hören und sehen kann. Komponiert hat es Doldinger, in dessen Jazzrock-Band Lindenberg auf der Einspielung am Schlagzeug saß. Das Stück ist die Titelmelodie der Fernseh-Krimiserie „Tatort“.
Beide Musiker sind mir seit meiner Jugend ein Begriff. Beide habe ich später dann persönlich getroffen.
Doldinger spielte bei der Verleihung des Marburger Kamerapreises 2010 an Jost Vacano in der Aula der Alten Universität die – ebenfalls von ihm komponierte – Filmmelodie zu „Das Boot“. Vacano hatte in diesem Film nach dem Buch von Lothar Günter Buchheim die Kamera geführt.
Im Foyer der Alten Uni sprach ich einige Minuten lang mit dem Jazz-Saxofonisten und Filmkomponisten. Seine fast 74 Jahre merkte man ihm damals nicht an. Begeistert schwärmte Doldinger mir damals von blinden Musiker-Kollegen vor, die er für ihr Einfühlungsvermögen bewunderte.
Jahre vorher hatte ich Lindenberg bei einer Friedensdemonstration erlebt. Auf der Hofgartenwiese stellte er seinen Song „Wozu sind Kriege da?“ vor.
Wie meist bei Friedensdemos war ich direkt bei der Bühne. Die Zigtausendköpfige Menge stand neben und vor allem hinter mir, denn ich stand direkt in der ersten Reihe.
Als Lindenberg die Bühne betrat, brandete Applaus auf. Als er den ersten Ton sang, war die Menge mucksmäuschenstill. Udo sang sein Lied in einer Eindringlichkeit, die nicht nur mich bewegte.
Bewegt hat mich später auch sein „Sonderzug nach Pankow“ und die darin geäußerte Aufforderung, in Ost-Berlin singen zu dürfen. Kaum vorstellen konnte ich mir damals, dass nicht nur dieser Wunsch Wirklichkeit werden würde, sondern wir schon 1989 den Fall der Mauer erleben würden.
Kennengelernt hatte ich Lindenbergs Musik und sein Panik-Orchester durch Vermittlung von Knut Kiesewetter schon in den 70er Jahren. Damals sang er „Sie spielte Cello“ noch mit einem echten Cello und „Alles klar auf der Andrea Doria“ jazzig im Ragtime-Sound.
Schön fand ich auch „Hinter dem Horizont geht´s weiter“ oder seine Übertragung der „Penny-Lane“ der Beatles auf die Hamburger Reeperbahn. In St. Pauli habe ich vor 40 Jahren als Student auf Lindenbergs Spuren die Kneipen erkundet und zwei ganze Nächte in einer Kneipe verbracht, deren Boden Zigarettenkippen bedeckten und deren Wirtin das Startkapital für das Lokal allem Anschein nach im horizontalen Gewerbe erworben hatte.
In einer Kneipe auf der Reeperbahn habe ich mit ihm und Gottfried vom Panik-Orchester Bier getrunken. Im Bonner Hofgarten hat er mich anscheinend wiedererkannt und mir im Vorbeigehen auf die Schulter geklopft. Aber vielleicht bilde ich mir das ja auch nur ein.
In jedem Fall möchte ich Klaus und seinem „Trommler“ Udo zum Geburtstag gratulieren. Macht weiter so und beschenkt uns mit Musik, mit der wir weiterhin gemeinsam mit Euch alt werden können, ohne dabei alt auszusehen!

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Ein Kommentar zu “Bei Onkel Pö: Happy Birthday, Rentnerband!

  1. Hey Alter, Franz-Josef ! Danke für den schönen Text. Ich habe ihn ausgedruckt und an meine Zimmer hier im Atlantic genagelt. Halt die Ohren Steif du alter Sack. lieber Gruss von Udo

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