Forewer young: Bob Dylan wird 75

Seit knapp 50 Jahren begleiten mich sein näselnder bis krächzender Gesang und seine hochliterarische Poesie. Schon in meiner Jugend gehörten Songs von Bob Dylan zu meinen absoluten Favoriten. Heute wird Robert Allen Zimmerman 75 Jahre alt.
Schon als Kind von elf oder zwölf Jahren hörte ich seine Songs. Bereits in meiner frühen Jugend wurden Joan Baez und Bob Dylan zu meinen Idolen. Neben den Beatles waren sie die wichtigsten Musiker für mich.
1963 brachte die damals bereits berühmte Baez Dylan erstmals vor größerem Publikum auf die Bühne. Zeitweilig auch miteinander liiert, sangen beide auch im Duett. Mit ihrer klaren hellen Stimme intonierte Baez viele Dylan-Songs, von denen er einige auch für sie geschrieben hat.
Mehr noch als die „Fab Four“ standen Baez und Dylan für mich für Protest. Fettige lange Haare, Blue Jeans und heftige Kritik an einem kriegstreiberischen politischen Establishment kennzeichneten eine Haltung, die ich mit dem Großteil meiner Mitschülerinnen und Mitschüler teilte. Treffend auf den Punkt gebracht hat Dylan diese Protesthaltung in „The Times They Are a Changin“.
Dylans „Blowing in the Wind“ wurde zur Hymne gegen den Krieg. „A hard Rain ´s gonna fall“ machte eher Angst vor einem Atomkrieg, den damals aber alle fürchteten angesichts des Kalten Kriegs und des Vietnamkriegs.
„Mister Tambourin Man“ oder „Mister Bo Jangles“ interpretierte ich einerseits als selbstironische Auseinandersetzung Dylans mit der eigenen Rolle, andererseits als musikalische Huldigung seiner Vorbilder. Zu ihnen zählten Pete Seeger und Woody Guthrie sowie der leider fast vergessene Derell Adams ebenso wie der – mir damals eher unsympathische – Elvis Presley.
Unerhört fanden viele Dylans „Verrat“ an der Akustischen Gitarre und seine Hinwendung zur E-Gitarre. Diesen Schritt konnte ich durchaus mitvollziehen, wogegen seine Hinwendung zum Christentum mich zunächst sehr befremdete.
Baez und Dylan betrachte ich als Protestler, die gemeinsam mit der Country-Legende und Knast-Gaststar Johnny Cash gegen den Vietnamkrieg ansangen. Die Bürgerrechtsbewegung und die berühmte Rede von Martin Luther King „I have a Dream“ bewegten mich schon 1963.
Außer Zweifel stand und steht für mich seither, dass Kunst Menschen bewegen und die Welt verändern kann, wenngleich sie nur einen geringen Beitrag dazu leisten kann. Die Zweifel Dylans an seiner Rolle als Idol konnte ich verstehen, wenngleich ich sie sehr bedauerte.
Betrübt bin ich, dass Baez in Deutschland bei der jüngeren Generation heute kaum mehr bekannt ist. Erfreut hat mich, dass Dylan wegen seiner herausragenden Texte sogar schon für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde.
Immer wieder hat Dylan die Erwartungen seiner Fans enttäuscht. Aber gerade das macht seine Genialität aus. Heute kann ich auch durchaus mitgehen, wenn er auf seiner jüngsten CD Lieder singt, die Frank Sinatra bekanntgemacht hat.
„Forewer Yung“ und andere Dylan-Songs haben Wolfgang Niedecken, Andre Heller und Wolfgang Ambros auch eingedeutscht. An seinem Geburtstag drängt sich dieser Titel als mein Wunsch an Bob auf: „Stay forewer young!“ Bleib bitte weiterhin für immer jung!

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