„I intend to live forever“: So long, Leonard Cohen!

„Ich bin bereit, zu sterben“, sang Leonard Cohen auf seinem neuesten Album „You want it darker“ vom Oktober 2016. „Das ist übertrieben“, bemerkte er dazu augenzwinkernd in einem Interview. „Ich beabsichtige, ewig zu leben.“
Im Alter von 82 Jahren ist der singende Poet mit der tiefen Stimme am Montag (7. November) gestorben. Erinnerungen an ihn sind für mich zugleich auch Erinnerungen an meinen ältesten Schulfreund Willi Vehreschild, durch den ich vor mehr als 40 Jahren die Lider von Cohen kennengelernt habe.
Gemeinsam mit Willi wurde ich zu Ostern 1961 in die Sankt-Laurentius-Schule in Lessenich eingeschult. Gemeinsam mit ihm habe ich 1974 am Helmholtz-Gymnasium in Bonn das abitur abgelegt. Jahrelang war Willi mein bester Freund.
In der Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn trafen wir uns häufig mit verschiedenen Freunden. Einer von ihnen war ein begeisterter Fan von Leonard Cohen. Sein Lieblingslied war „Sometimes I need You naked, sometimes I need You wild.“
Von den kämpferischen Liedern des DDR-Dissidenten Wolf Biermann über Knut Kiesewetter und Udo Lindenberg bis hin zu Freejazz von Keith Jarret reichte das musikalische Repertoire, das wir uns im Freundeskreis gemeinsam anhörten. Cohen stand für uns auf einer Stufe mit Bob Dylan, seiner Entdeckerin Joan Baez und Donovan Leach. Cohens poetische Texte gefielen uns allen ausnehmend gut.
„Suzanne“ und „So long Marianne“ vermitteln die melancholische Grundstimmung, die Cohen in fast allen seinen Songs ausgedrückt hat. Sie traf bei Willi auf fruchtbaren Boden.
Schon mit 17 hat er Dramen geschrieben. Gleichzeitig hat er mir von seinen Suizidgedanken berichtet. Als er eine Prüfung für sein Studium nicht bestand, warf er sich nahe seiner WG-Wohnung im Bonner Stadtteil Tannenbusch vor einen Zug.
Cohen hingegen war ein überaus erfolgreiches langes Leben vergönnt. Berühmte Musiker wie Judy Collins, Joe Cocker, Jennifer Warnes, Rufus Wainwright, Bon Jovi und Johnny Cash haben seine Songs nachgesungen. Lebensgefährtinnen von ihm waren neben der Norwegerin Marianne Ihlen auch die legendäre Blues-Röhre Janis Joplin und die Kanadierin Joni Mitchell.
Cohens Song „The Partisan“ war während des Kriegsrechts der frühen 80er Jahre in Polen die inoffizielle Hymne der Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosz“. „First we take Manhattan, then we take Berlin“ wurde von verschiedenen Künstlern gecastet. Herman van Veen übertrug seine Texte ins Niederländische, Wolfgang Niedecken in meine heimische Kölsche Mundart.
„Hallelujah“ ist wahrscheinlich Cohens berühmtestes Lied. Ebenso wie viele andere drückt es seine Suche nach dem Sinn des Lebens aus, der er vor allem im Alter aber auch durchaus mit Humor begegnete.
Mit seinen verschlüsselten Texten hat Cohen sich leise, nachdenklich und meist melancholisch in die Herzen ganzer Generationen eingebrannt. Tatsächlich wird sich seine letzte Ankündigung wohl erfüllen: „I intend to live forever.“

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