Vorbild für aufrechten Humanismus und Journalismus: Eckartt Spoo lebt in seinen Texten weiter

Bei älteren Kollegen besaß er einen legendären Ruf. Jüngere hingegen kannten ihn kaum. Der Journalist, Publizist, Gewerkschafter und Friedensaktivist Eckart Spoo ist am Donnerstag (15. Dezember) im Alter von 79 Jahren in Berlin gestorben.
Mit ihm verliere ich einen Menschen, mit dem mich viele ähnliche Gedanken ebenso über Jahre hinweg verbanden wie das gemeinsame Engagement in gleich zwei Organisationen. Von 1970 bis 1986 war Spoo Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju). Auch ich habe auf verschiedenen Ebenen Funktionen in der DJU ausgeübt und bin meinem dort hoch geachteten Kollegen dabei immer wieder mal begegnet.
Außerdem engagierte sich Spoo in der Humanistischen Union (HU). Auch dort traf ich ihn gelegentlich. Immer, wenn wir aufeinandertrafen, begrüßte er mich erfreut und kam spontan auf mich zu.
Nicht nur meine Achtung und geradezu Bewunderung hat sich Spoo mit seiner konsequenten Haltung und seiner Geradlinigkeit erworben. Er formulierte und handelte auch danach. Neben Medienkritik und dem Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit wandte er sich vor allem gegen Krieg und die oft unredliche Haltung der Medien in vielen Konflikten.
Von 1962 bis 1997 war Spoo Redakteur der Frankfurter Rundschau (FR). Seine kritischen Beiträge aus einer humanistisch-sozialistischen Perspektive heraus begeisterten oder erregten die Leserschaft. 1972 entließ FR-Herausgeber Karl Gerold ihn wegen Kritik an der FR in einem Buch, woraufhin der Journalist erfolgreich seine Wiedereinstellung einklagte.
Nach seinem Ausscheiden aus der FR-Redaktion gründete Spoo 1997 gemeinsam mit anderen die Zwei-Wochen-Zeitschrift Ossietzky. Bis zu seinem Tod fungierte er als ihr Herausgeber und Chefredakteur. Mit unermüdlichem Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit pflegte er dort die humanistische Tradition des antifaschistischen Widerstandskämpfers und Friedensnobelpreisträgers Karl von Ossietzky.
Legendär war auch seine „Republikanische Vesper“ im Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin. Zu seinen meist vormittäglichen Diskussionsrunden bei Bretzeln und Wein kamen prominente Diskutanten nicht nur auf Einladung, sondern oft wegen der interessanten Themen auch als Zuhörende.
Immer wieder prangerte Spoo Medienkonzentration und die Gefahren einer Monopolisierung der Berichterstattung an. Sein Gegenkonzept dagegen war konsequente Innere Pressefreiheit in den Redaktionen.
Mit der Berichterstattung mancher Medien ging er oft scharf ins Gericht. Dabei belegte er seine Vorwürfe aber stets sehr kenntnisreich und detailliert.
Zahlreiche Bücher vor allem zu Journalismus, Medien, Politik und Frieden hat er veröffentlicht. Zur Seite standen ihm dabei mitunter Mitherausgeber wie Arno Klönne, Reinhard Kühnl, Jürgen Holtfort oder Rainer Butenschön, die auch ich persönlich kenne.
Meine Ehefrau Erdmuthe Sturz las mir begeistert einen Artikel von ihm in der FR vor, worin er seine Arbeit als Zeitungskorrespondent in Hannover schilderte. Dazu benötige er kein eigenes Auto, schrieb er. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder notfalls gelegentlich auch einmal einem Taxi sei er schneller, zuverlässiger, billiger und vor allem ökologischer bei seinen Terminen.
Bei einer Debatte über das Bundeswehr-Weißbuch im Bundesvorstand der HU waren Eckart Spoo und Martin Kutscha neben mir die einzigen, die das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) zur Bündnistreue mit der NATO kritisierten. Alle anderen Diskutanten bezogen die rechtspositivistische Haltung, dass man Entscheidungen des höchsten deutschen Gerichts eben schlucken müsse. Kutscha und Spoo hingegen meinten, man müsse versuchen, die Rechtsprechung zu ändern.
Extra für mich machte er noch einmal eine Ausnahme von seinem kurz zuvor gefassten Entschluss, künftig nicht mehr zu Vorträgen zu verreisen, und kam im Juni 2011 nach Marburg. Er wohnte bei mir und verbrachte einige Zeit gemeinsam mit mir. Seinen Vortrag zur Frage Wie humanitär sind unsere Kriege? kann man auf Youtube ansehen.
Schon damals musste Eckart ein allmähliches Nachlassen seiner Kräfte feststellen und deshalb kürzer treten. Aber noch 2014 hielt er in Berlin eine inzwischen schon legendäre Rede gegen Kriegseinsätze der Bundeswehr.
Ein Highlight war 2011 auch die Jubiläumsfeier der DJU zu ihrem 60-jährigen Bestehen. Als Ehrengast saß Spoo neben mir. Nacheinander betraten verschiedene Kollegen die Bühne und erklärten durchgehend, dass Spoo sie als Vorbild zum Eintritt in die DJU bewegt habe.
Selbst Jutta Limbach bezog sich in ihrer Festrede auf ihn. Ihm war das eher peinlich, weil er doch nur gemacht hatte, was man machen musste.
Seine aufrechte und konsequente Haltung wird nun fehlen. Noch mehr fehlen wird mir ein lieber Kollege, mit dem mich vor allem seine Ablehnung von Militarismus und Krieg verband. Bleiben werden aber seine vielen Texte in Büchern und im Ossietzky sowie der FR, mit denen er zahlreichen Menschen Mut gemacht hat zu innerer Unabhängigkeit und Humanität.

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