Was ich mir zu Weihnachten wünsche: Frieden und seriöse Berichterstattung

Allen Lesenden wünsche ich eine frohe Weihnacht. Was ich mir selber zu Weihnachten wünsche, das verrate ich hier.
Mein größter Wunsch ist Frieden. Wie furchtbar Krieg sein kann, das haben mir mein Großvater vom 1. Weltkrieg und mein Vater vom 2. Weltkrieg eindringlich geschildert. Noch schockierender aber war der Bericht eines Bekannten aus Syrien, der trotz eines Kopfschusses keine medizinische Versorgung erhielt und mit blutender Wunde auf den Knien durch einen Stollen unter der Stadtautobahn hindurchkriechen musste, die von der regierungstreuen Armee streng bewacht wurde.
Gemeinsam mit ihm und anderen Menschen aus Syrien sowie rund 60 Marburgerinnen und Marburgern habe ich am Samstag (17. Dezember) bei der Mahnwache gegen das Trauma von Krieg, Vertreibung und Flucht auf dem Marburger Marktplatz gestanden. Für 2017 wünsche ich mir, mehr tun zu können für Frieden, Menschlichkeit und Solidarität als im leider ziemlich furchtbaren Jahr 2016. Zudem wünsche ich mir, meinen blinden Bekannten aus Syrien zur Seite stehen zu können und vielleicht mit ihm Freundschaft zu schließen.
Weiterhin wünsche ich mir ein Ende des Terrors. Anschläge wie der vom 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin dürfen aber kein Grund sein, das freiheitliche Leben in Frage zu stellen.
Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Empathie sind Wünsche, die ich vor allem an Politiker richte. Aber auch Medien müssen hier besser werden. Dass das durchaus möglich ist, hat die phänomenale Entwicklung des „New Yorker“ unmittelbar nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gezeigt.
Mit sorgfältigen Faktenchecks und einem peinlich genauen sprachlichen Korrektorat steht der „New Yorker“ in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) wie kein anderes Medium für seriösen Qualitätsjournalismus. Dafür haben ihn viele demokratisch gesinnte Menschen dort mit einer sprunghaften Zunahme der Lese- und Abonnementszahlen belohnt.
Angeesichts der Furcht vor „Fakenews“ braucht Deutschland keine staatliche Kontrollstelle und auch kein freiwilliges Gütesiegel, sondern einfach nur eine professionelle Berichterstattung. Seriöse Medien müssen das „Vier-Augen-Prinzip“ ernst nehmen und nicht meinen, sie müssten mit einer Nachricht immer der Erste sein. Gerade die bekannten Medienhäuser müssen sich jetzt entscheiden, ob sie mit mehr Personal und gründlicher Recherche gegen „Fakenews“ antreten oder ob sie selber dabei mitmachen möchten.
Journalisten müssen sich als „Wächter“ der Wahrheit und Hüter der Demokratie verstehen. Dafür benötigen sie mehr innere Distanz zu Politikern. Politik sollte nicht in erster Linie als Schach-Spiel vermeintlich wichtiger Politiker dargestellt werden, sondern als Entscheidungsfindung des Deutschen Bundestags und der Länderparlamente mit möglicherweise drastischen Folgen für die bevölkerung.
Berichte über die „ganz normalen“ Menschen von Nebenan müssen mehr Gewicht bekommen. Die Wirkung von Gesetzen und Gesetzesvorhaben muss wichtiger werden als die mögliche Verstimmung eines Spitzenpolitikers bei der Annahme oder Ablehnung eines Gesetzesvorhabens. Keinesfalls sollten Medien sofort über jede mediale Sau berichten, die irgendein wildgewordener Populist gerade durch´s Dorf oder irgendeine Landes- oder Bundeshauptstadt treibt.
Medien dürfen sich nicht an Hetze und Panikmache beteiligen. Der Schutz des Grundgesetzes muss bei der Berichterstattung immer an vorderster Stelle stehen. Mehr Überwachung hilft nicht gegen Terrorismus, sondern erzeugt nur Terror und Angst.
Geheimdienste sind nicht sakrosankt. Ihre undemokratischen und möglicherweise sogar mörderischen Machenschaften müssen die Medien offenlegen, soweit ihnen das nur irgend möglich ist.
Investigativer Journalismus kostet Zeit und Geld. Wenn wir die Demokratie schützen wollen, müssen wir bereit sein, dafür zu zahlen. Anderenfalls zahlen wir später vielleicht mit unserer Freiheit.
Was ich mir zu Weihnachten wünsche, das mag mitunter etwas idealistisch klingen. Wünsche sind Kinder der Utopie. Utopien sind notwendig, damit Dystopien nicht Wirklichkeit werden.
Deshalb wünsche ich mir zu Weihnachten Mut und vorausschauenden Verstand. Möglichst vielen Menschen wünsche ich das. Allen Menschen wünsche ich frohe Weihnachten in Frieden und der Freiheit, zu sagen, was sie denken und zu leben, wie sie wollen.

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6 Kommentare zu “Was ich mir zu Weihnachten wünsche: Frieden und seriöse Berichterstattung

  1. Lieber Franz Josef, ich wünsche Dir frohe Weihnachten! Ja, investigativer Journalismus, dass wäre auch mein Wunsch! Leider findet dieser auch beim ÖR in keinster Weise mehr statt. Es ist beängstigend, wie gleichgeschaltet die ÖR Medien sind, auch im Internet muss man aufpassen, was man da so liest. Der ganze Journalismus ist irgendwie aus dem Ruder gelaufen und deshalb habe ich auch beschlossen, da nicht mehr mit zu machen….. Ich lebe und blende jegliche Nachrichten einfach aus, denn die Grenze zu den FAKE-NEWS ist leider fließend und selbst renommierte Medien verkommen zum Propaganda – Instrument.

  2. Beste Wünsche und Grüße aus dem Vogtland. Wunderbar lieber fjh wie du deine ideale auch lebst. Wahrscheinlich die einzige Chance in dieser Welt nicht durchzudrehen.

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