Wahlen: Schlappe für Albig, aber fast zwei Drittel für Macron

Krachend verloren hat die SPD die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Der vielbeschworene „Schulz-Effekt“ war wohl eher ein peinlicher Rohrkrepierer als ein nachhaltiger Aufwind für Soziale Gerechtigkeit.
Bei gut 26 Prozent sehen die ersten Hochrechnungen die SPD. Die CDU dagegen steht bei gut 33 Prozent. Ihr Wahlergebnis etwa gehalten haben Die Grünen mit gut 12,5 Prozent.
Ebenfalls gut abgeschnitten hat auch die FDP unter ihrem medial ubiquitären Landesvorsitzenden Wolfgang Kubicki mit gut 11 Prozent. Neu in den Kieler Landtag einziehen wird mit 5,5 Prozent wohl die AfD, wobei dieses Ergebnis allerdings deutlich hinter ihren letzten Wahlerfolgen und ihren Erwartungen zurückbleibt.
Einen Achtungserfolg verbuchen die Piraten mit rund 1,5 Prozent. Das ist vor allem der guten Arbeit ihres Spitzenkandidaten Dr. Patrick Breyer geschuldet, der die anderen parteien unentwegt herausgefordert und vorgeführt hat. Vielleicht hätten die Piraten sogar noch besser abgeschnitten, wenn sie nicht auf Twitter so insiderisch im eigenen Saft geschmort hätten, weil sie ihren Followern die Timeline mit tausendfach wiederholtem Selbstlob vollgeknallt haben.
Wahlkampfzeiten sind aber ohnehin nichts für blinde Follower: Wer jeden Tweet in synthetischer Sprache vorgelesen bekommt, den nerven allzu viele Wiederholungen. Aber auch alle anderen nervt das selbstbeweihräuchernde Schulterklopfen vieler Politiker bei fast allen Parteien.
Sachinformationen wären wohl hilfreicher. Aber Wahlkampf ist halt auch meist Krampf und dient wohl eher der Selbstermutigung nach dem Motto „lautes Pfeifen im Walde“ als aufklärender Überzeugungsarbeit.
Peinlich ist auch, wie der SPD-Ministerpräsident Torsten Albig in einer Homestory seine Scheidung begründete, indem er seine Ehefrau arrogant herabwürdigte und ein Frauenbild vertrat, das jedes Sozialdemokraten unwürdig sein sollte. Aber die SPD führt die Namensbestandtteile „sozial“ und „Demokrat“ ohnehin zu Unrecht in ihrer Benennung, da sie sich unentwegt als Partei der Waffenlobby, der anlasslosen Massenüberwachung und der konzernfreundlichen „Freihandelsabkommen“ hervortut. Da ist es kein Wunder, wenn sie dramatisch abstürzt.
Jedenfalls wird im Kieler Landtag wahrscheinlich bald ein Regierungswechsel stattfinden. Eine allzu arrogante und wenig glaubwürdige SPD hat ihre Macht fahrlässig verspielt, weil ihre Abwendung von Hartz IV ebensowenig glaubwürdig ist wie ihre Behauptung, sie träte für die Interessen der „kleinen Leute“ ein.
Diesen Anspruch erhebt in Frankreich Marine Le Pen von der Front National (FN). Erste Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Frankreich werden kurz nach 20 Uhr veröffentlicht. Dann wird wohl klar werden, wie rechts die „Grande Nation“ inzwischen schon ist.
Bereits öffentlich gemacht wurden Tausende von e-Mails des liberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und seiner Wahlbewegung „En Marche“. Unter gestohlene Mails haben die Hacker offensichtliche Fälschungen gemischt, um Macron mit diesen dreisten Lügen zu diskreditieren. Ein solcher „Wahlkampf“ ist vermutlich diejenige Form von „Cyberwar“, die russische Geheimdiener gegen Demokraten in Westeuropa führen, um die Europäische Union (EU) zu schwächen oder gar ganz zu zerstören.
Umso dringlicher ist trotz vieler Fehler und Schwächen des einstigen Investmentbankers Macron, dass er die Wahl gewinnt. Ein Sieg der FN, die auf Deutsch weiblich ist wie ihre Spitzenkandidatin, während sie in Frankreich männlich daherkommt, wäre ein noch schlimmeres Desaster als der fatale Ausgang des Brexit-Volksentscheids in Großbritannien.
Mit 65,5 Prozent ist sein Vorsprung gegenüber Le Pen aber sehr deutlich. Macron hat die Rechtspopulistin damit erfolgreich in ihre Schranken verwiesen.

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4 Kommentare zu “Wahlen: Schlappe für Albig, aber fast zwei Drittel für Macron

  1. Ohje. Also auch Du glaubst den Mist von der russischen Wahlbeeinflussung. In einer Zeit wo NSA,CIA und wer weiß was sonst noch in unseren Computern spuken. Es sind aber natürlich die bösen Russen. Eigentlich kennt man doch dieses Vorgehen der Destabilisierung und Denunzierung sehr gut von westlichen Geheimdiensten (muss mal wieder auf mein Lieblingsbuch von Barnaise verweisen).
    Wer hat denn den Ausdruck „Geheimdiener“ erfunden ? Die Bildzeitung ?
    Das alles zum „Tag der Befreiung“ – aber den haben die Deutschen wohl nie begriffen.
    Enttäuschte Grüße aus dem Vogtland
    Ronald

    • Lieber Ronald, nicht alles Böse tun die Russen. Aber die Hacker waren offenbar aus Russland. Das jedenfalls schließen Leute, denen ich in diesem Punkt vertraue. Im Übrigen empfinde ich die Nähe mancher Rechtspopulisten zu Putin und seinen Freunden nicht gerade als aufbauend. Besonders extrem war das bei Stephen Banon, der die „Breitbart-News“ hochgeputscht hat und darüber Millionär geworden ist. Zwischenzeitlich hat Donald Trump ihn zwar kaltgestellt, aber die anderen „Berater“ des US-Präsidenten sind auch üble Ideologen. Extrem gilt das für Mike Pence, der den sogenannten „christlichen Kapitalismus“ vertritt. Schwarz-Weiß ist in der Politik häufig sehr problematisch. Aber manchmal haben selbst Schwarz-Weiß-Maler Recht, wenn sie bestimmte Vorgänge kritisieren. Letztlich wissen wird man es allerdings wohl erst viel später, wenn überhaupt, weil Spuren auch falsch gelegt werden können. fjh

  2. Vorsicht mein lieber kluger FJH. Die Informationen die wir zu Russland haben sind nicht belegt und einfach Behauptungen. Die Russen beeinflussen die Wahlen und Punkt. Keine Beweise, nichts. Fast alle westeuropäischen Medien übernehmen diese Lesart. Damit wird man in naher Zukunft missliebige Wahlausgänge anullieren können
    und ganz prima auch noch den verhassten Russen alles in die Schuhe schieben.
    Die Propagandaabteilung des Pentagon hat endlich mal für die Milliarden gute Arbeit gemacht, denn selbst linke Blätter schreiben diesen Mist ab. Für die Westdeutschen ist das sowieso klar, denn der Feind stand schon immer im Osten. Also ist die Fortführung des kalten Krieges relativ einfach gewesen.
    Zu den Wahlen: „Was ist das für eine Wahl, wo man zwischen einem Faschisten und einen Banker wählen kann“ schrieb ein griechischer Blogger. Sehe ich genauso. Der
    neoliberale Macron wird die Franzosen enttäuschen, was wird aber dann ?
    Viele Grüße aus dem Vogtland
    Ronald

  3. „… Also ist die Fortführung des kalten Krieges relativ einfach gewesen. …“ Ja, das scheint mir auch so. Fortführung des Kalten Krieges ohne DDR ist doch viel einfacher. Konnte man doch wenigstens 40 Jahre den Kalten Krieg weiter führen bis zum Mauerfall(€), nun geht die Fortsetzung wohl wieder bis zum Heißen Teil des Krieges weiter, indem man Russland so lange sanktioniert und reizt, bis es wieder in Deutschland steht und sich verteidigen muss? Ist das die Fortsetzung zum Überfall auf Russland 1933: Ständig hetzen gegen Russland, bis es wieder reicht? Was man nur an Informationen über oder zu Russland bekommt, wird gegen Russland verwendet und man vergisst sehr gerne dabei, DASS DEUTSCHLAND Russland überfiel und zur Verteidigung ZWANG. Natürlich sind heute Putins Freunde = Populisten. Es gibt in Kriegen – Kalten wie Heißen – eben immer und automatisch zwei Seiten: Eine die anfängt und eine, die sich verteidigen muss. Was dabei Recht oder Unrecht ist, bestimmt man selbst. Frage nur: Wie geht RECHTsstaat, wenn er kein RECHTSstaat sein will?

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