Schwarz und empfänglich für Schwarzgeld: Meine Erinnerungen an Helmut Kohl

„Birne“ habe ich ihn nie genannt. Für mich war er nur „Bimbes“. So nannte Helmut Kohl den Plural seines Nachnamens, den der Schwarze durchaus auch schwarz in Empfang nahm.
Der erste Europäische Staatsakt hat inzwischen in Straßburg begonnen. Diese Auszeichnung hat „der Kanzler der Einheit“ auch verdient. Zu den bürgerfernen korrupten Lobbykraten in der EU passt Kohl durchaus.
Sicherlich hat Kohl sich auch Verdienste erworbben. Vor allem seine „anonymen Spender“ werden ihm dankbar sein dafür, dass er ihre Namen mitgenommen hat ins Grab. Ansonsten aber hinterlässt der selbstgerechte CDU-Politiker viel verbrannte Erde, hat er doch fast alle Menschen vernichtend heruntergeputzt, mit denen er im Laufe seines Lebens zu tun hatte.
Kohls Verdienste bei der Wiedervereinigung Deutschlands sind unbestreitbar. Allerdings ist sie ihm wie ein reifer Apfel in den Schoß gefallen, den er nur festhalten musste. Wegbereiter der Einheit waren Willy Brandt und seine Ostpolitik, Michael Gorbatschow und seine Perestroika sowie die Bürgerbewegung der DDR und ihre mutigen Montagsdemos.
Am Ende hat Kohl nur festgehalten, was ihm ohnehin auf dem Silbertablett präsentiert wurde. Seine vollmundig angepriesenen „blühenden Landschaften“ im Osten Deutschlands indes tragen heute angesichts der vielen enttäuschten Menschen viel zu viele braune Blüten. Die „Treuhandanstalt“ hat die DDR weitgehend abgewickelt, nachdem sich West-Konzerne und Investoren zuvor die Sahnestückchen einverleibt hatten.
Kohl hat diese Entwicklung in die Wege geleitet. Anstelle einer Wiedervereinigung auf Augenhöhe hat er den Anschluss der DDR an die Bundesrepublik durchgesetzt. Gut 25 Jahre danach rächt sich diese Vorgehensweise leider durch rechtspopulistische Parolen und einen weit verbreiteten Vertrauensverlust in demokratische Politik.
Mit Francois Mitterand hat Kohl die deutsch-französische Achse ausgebaut, die Konrad Adenauer bereits in den 50er Jahren mit Charles de Gaulle aufgebaut hatte. Wichtiges Ziel war dabei für ihn die deutsche Hegemonie in der Europäischen Union, die er angesichts der herrschenden Verhältnisse halt mit dem französischen Präsidenten teilen musste.
Behinderte verdanken Kohl den Absatz 3 Satz 2 im Artikel 3 des Grundgesetzes. Die Formulierung „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ stammt allerdings vom damaligen SPD-Vorsitzenden Jochen Vogel.
Ich selbst verdanke Kohl die unvergessliche Erinnerung an einen denkwürdigen Auftritt auf dem Marburger Marktplatz. Dort hielt er im Vorfeld der Bundestagswahl 1984 eine Wahlkampfrede. Während er noch über die roten Fahnen schimpfte, fiel sein Blick auf ein Transparent mit der Aufschrift Pfälzer gegen Helmut Kohl.
Zwei Mitstudenten von mir haten das Transparent am Vorabend gemalt. Beide stammten aus der Pfalz. Mit ihrem Spruch trafen sie offenbar jedoch einen Nerv des damaligen Kanzlers.
„Ich kann Ihnen versichern, dass ich sehr beliebt bin in der Pfalz“, fühlte sich Kohl bemüßigt, zu erklären. Daraufhin zierte ein Foto mit dem Spruchband der beiden Pfälzer am nächsten Tag die Titelseite der Oberhessischen Presse (OP).
Jahrelang besuchte Kohl regelmäßig die mittelhessische Universitätsstadt. Als Beiratsvorsitzender der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) residierte er dann in der Präsidentensuite des Vila Vita Hotels Rosenpark, die sein Freund Reinfried Kohl eigens für ihn errichtet hatte.
Bei der Ernennung Pohls zum Ehrenbürger der Stadt Marbburg saß Kohl neben seinem früheren Finanzminister Theo Weigel, seinem einstigen Kanzleramtsminister und späteren DVAG-Manager Friedrich Bohl und dem Fußballtrainer Otto Rehagel in der ersten Reihe im Historischen Saal des Marburger Rathauses. Pohl hatte auch versucht, Kohl eine Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität zuzuschanzen, scheiterte damit jedoch kläglich.
Nicht beweisbar ist, dass Pohl einer der ominösen „Spender“ kohls war. Unbestritten ist jedoch die enge Verbindung der beiden, die in Pohls Zeit bei der „Bonnfinanz“ zu Anfang der 70er Jahre zurückreicht.
Wenn die Stadt Marburg heute im Gedenken Kohls öffentliche Gebäude halbmast beflaggt, dann mag das also seiner besonderen Beziehung zu Marburg geschuldet sein. Meine Erinnerungen an Kohl jedoch legen nahe, dass viele mutige Menschen mehr Achtung verdient hätten als jener respektlose Riese.

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Ein Kommentar zu “Schwarz und empfänglich für Schwarzgeld: Meine Erinnerungen an Helmut Kohl

  1. „Ansonsten aber hinterlässt der selbstgerechte CDU-Politiker viel verbrannte Erde, hat er doch fast alle Menschen vernichtend heruntergeputzt, mit denen er im Laufe seines Lebens zu tun hatte.
    Kohls Verdienste bei der Wiedervereinigung Deutschlands sind unbestreitbar.“ Ja: Verbrannte Erde – wie in Brandenburg 2011. Weil an der Weißen Kante der Autobahnen Schluss ist für die Architekten und Ämter, weil man nicht mal an Windschutz denken kann. Was schon unsere Großeltern auf den Äckern wussten und sie Feldraine mit Bäumen, Büschen und sogar kleinen Wasserläufen unterteilten. Blühende Landschaften – welche ? Selbst die ehemals blühenden Kreisverkehre sind heute nur noch dunkle, höchstens mal noch grüne Punkte in der Stadt. Sein einziger Erfolg war die erfolgreiche Einführung von Arbeits- und Obdachlosigkeit und jede Menge Immobilien für den abgegrasten Immobilienmarkt des Westens dazu. Ansonsten heute noch Zustände wie 1961, als Ulbricht schon der Kragen platzte, weil seine – von Steuermitteln der DDR – ausgebildeten Fachkräfte ständig mit höheren Löhnen und Gehältern in den Westen abgeworben wurden. Was ist daran heute anders? Die Wiedervereinigung gilt BIS HEUTE höchstens für Banken und Immobilien, für NICHTS ANDERES. Unsere Kinder werden heute immer noch mit höheren Löhnen und Gehältern abgeworben. Leider schnallen sie nicht, dass auch die Ausgaben für Mieten, Konsum, Benzin usw. usf. ebenfalls höher sind!

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