Von drauß´ von Husum: Zum 200. Geburtstag von Theodor Storm

Er war ein widerständiger Geist und einer der bedeutendsten Dichter deutscher Sprache. Vor Allem seine Novellen sind Perlen der Weltliteratur. Theodor Storm wurde am 14. September 1817 in Husum geboren.
Seit frühester Kindheit begleitet mich dieser Dichter. Schon vor der Einschulung hörte ich häufig eine Schallplatte mit seinem Kindermärchen „Der kleine häwelmann“. Darin bläst der Mond ins Laken an einem Kinderbett, das dem Kind als Segel für eine Reise zum Himmel dient.
Zu Weihnachten durfte Storms Gedicht „Knecht Rupprecht“ nicht fehlen: „Von drauß‘ vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!“ Oft habe ich diesen Klassiker selber bei der „Danziger Weihnachtsfeier“ aufgesagt und noch viel öfter gehört.
In der Schule nahmen wir Storms berühmteste Novelle durch. „Der Schimmelreiter“ wurde auch mehrmals verfilmt. In dieser Geschichte setzt sich Storm mit Populismus und der Ignoranz gegenüber neuen Ideen sehr eindrucksvoll auseinander.
Später dann las ich mit großem Genuss seine Novellen „Immensee“ und „Pole Poppenspäler“ sowie „Die Söhne des Senators“. Während sie eher eine behagliche Atmosphäre schaffen, die dann allerdings durch die Widrigkeiten des Schicksals durcheinandergewirbelt wird, wirkte „Ein Doppelgänger“ eher verstörend auf mich.
Nach Theodor Fontane und Gottfried Keller ist Storm der wichtigste Autor des bürgerlichen Realismus. Fasziniert hat mich seine Erzählkunst ebenso wie seine sehr eigenständige Haltung.
Storm war erklärter Atheist, was im 19. Jahrhundert durchaus mit vielen Auseinandersetzungen verbunden war. Er beteiligte sich am Widerstand gegen die dänische Herrschaft über Schleswig und der Paulskirchen-Revolution von 1848. Seine Landsleute wählten ihn nach der Befreiung von der dänischen Herrschaft zum Landvogt.
Seine Haltung kostete den Juristen einmal seine Stelle. Trotzdem gab Storm nicht nach.
Preußen kritisierte Storm wegen des „Menschenverbrauchs“ in Militär und Verwaltung. Offenbar war der preußische Drill ihm zuwider. Dennoch setzte die preußische Verwaltung ihn nach der Annektion von Schleswig als Richter ein und beließ ihn damit im Amt.
Leicht hat dieser Mann es sich nicht gemacht. Seinen berühmten „Schimmelreiter“ hat der krebskranke Storm buchstäblich dem Tod abgerungen. Er starb am 4. Juli 1888.

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