Mit heißem Herz und kühlem Kopf: Hysterie hilft nicht gegen AfD

Die AfD wurde in den Bundestag gewählt. Lautes Wehgeschrei bricht nun allerorten aus, als wäre diese rechtspopulistische Partei plötzlich aus dem Nichts erschienen.
Dabei hat der Einzug der sogenannten „Alternative für Deutschland“ (AfD) eine lange Vorgeschichte. Die unrühmliche Rolle mancher Medien und vor allem von Talkshows hat die rechtspopulisten ebenso starkt gemacht wie das hektische Hinterherdackeln vieler Politiker hinter den menschenfeindlichen Themensetzungen dieser Rassisten. Viele haben da vieles falsch gemacht.
Dennoch dürfen Demokraten nun nicht in Sack und Asche daherkommen und „Alles anders machen“ wollen. Damit würden sie der AfD ebenso auf den Leim gehen wie durch eine vorauseilende Anpassung an deren Themensetzung. Der AfD darf man weder den Diskurs überlassen, noch die eigene Agenda.
Ohnehin ist diese Partei jetzt in aller Munde. Sie spielt sich auf in der Rolle der „Erneuerer“, obwohl sie die Geschichte eher tausend Jahre zurückdrehen möchte. Die anderen parteien im Bundestag will der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland „jagen“.
Doch die Hetzjagd hat lange schon begonnen. Was die AfD vor Allem verbal betrieb, das setzten manche „Wutbürger“ mit Angriffen auf Geflüchtete oder Flüchtlingsheime in erschreckender Weise um.
Eine Diskussion mit der AfD und ihren überzeugten Anhängern bringt darum vermutlich nicht viel. Über Themen wie Mitmenschlichkeit und Asyl kann man mit aggressiven Rassisten kaum ernsthaft diskutieren. Die Grundlagen des Zusammenlebens und vor Allem die Grund- und Menschenrechte darf man nicht zur Disposition stellen.
Notwendig ist nun vielmehr ein Nachdenken über Psychologie: Was bringt Menschen dazu, diese Partei zu wählen? Was bringt Menschen dazu, trotz gegensätzlicher Faktenlage den Parolen der AfD auf den Leim zu gehen?
Angst und Verunsicherung dürften da eine wichtige Rolle spielen. Konservative Zeitgenossen haben offenbar das Gefühl, sie verlören den Boden unter den Füßen. Vor allem im Osten Deutschlands scheintt dieses Gefühl sehr ausgeprägt zu sein.
Jetzt rächt sich bitter, dass die einstige DDR nach der Wiedervereinigung weitgehend „abgewickelt“ wurde. Jetzt rächt sich, dass der „Aufbau Ost“ von der Politik stiefmütterlich behandelt wurde und nicht als vordringliche Agenda zur Herstellung „gleicher Lebensgrundlagen“ in Ost und West. Berechtigter Neid auf „den Westen“ und Zorn über „Wessis“ führt zu einer –
eigentlich erfreulichen – Solidarisierung im Osten. Leider wenden sich die vereinten Menschen dort dann aber gegen Fremde und Flüchtlinge.
Die Angst vor Flüchtlingen ist im Übrigen dort am größten, wo es die wenigsten Flüchtlinge gibt. Wer Flüchtlinge kennt, für den sind sie nichts Fremdes mehr, wovor er Angst haben muss.
Das Suchen nach einem „Sündenbock“ ist ein altes Motiv der Faschismusforschung: Wer mit der eigenen Lage unzufrieden ist, der sucht jemanden, den er dafür verantwortlich machen kann. Das Opfer muss schwächer sein als der vermeintliche Verlierer, damit er sich ihm überlegen fühlen kann.
Hinzu kommt der Gruppendruck: Je verlorener sich jemand fühlt, umso mehr liegt ihm an der Mitgliedschaft in einer starken Gemeinschaft. Angeberische Kraftmeierei und eine zugespitzte Sprache locken viele dann in die Arme der AfD.
Die vorherrschende Position der Umgebung prägt die eigene Haltung: Wer von lauter Faschisten umgeben ist, für den sind faschistische Parolen ganz normal. Die sächsische Landesregierung wie auch die CSU in Bayern haben so Vorschub geleistet für die Stärke der dortigen AfD.
Die Mechanismen zur Herstellung eines „Wir“-Gefühls gegen „die da oben“ nutzt die AfD nicht nur in den östlichen Bundesländern. Auch im Westen gewinnt sie damit Zulauf. Vor Allem in ländlichen Regionen fühlen sich viele Bewohner ebenso abgehängt wie im Osten.
Auf den schmalen Graden zwischen Heimatliebe und Konservatismus sowie Fremdenhass und Faschismus spielt die AfD relativ gekonnt Klavier. Protestwähler spricht sie ebenso an wie überzeugte Neonazis.
Gezielte Tabubrüche sind dabei der wichtigste Faktor des AfD-Erfolgs: Mit ihren hetzerischen Zuspitzungen erregt die AfD massenhaft mediale Aufmerksamkeit. Kritik an diesen Äußerungen biegt sie dann einerseits durch halbgare Distanzierungen ab, um sich andererseits als Opfer ungerechter Kritik bemitleiden zu lassen.
Diese Strategie bringt die AfD oft gleich mehrfach in die Nachrichten: Erst berichten die Medien über den Tabubruch und dann über die Äußerungen anderer Akteure darauf sowie schließlich über die Distanzierung der angeblich „falsch verstandenen“ Provokateure. Natürlich seien ihre Zitate „aus dem Zusammenhang gerissen“ oder „böswillig verfälscht“ worden.
Mit einer solchen Situation umzugehen, ist nicht leicht. Sicherlich bedarf es da neuer Antworten der demokratischen Bürger und der aufgeklärten und aufklärerischen Medien. Intensives Nachdenken ist angesagt.
Nicht richtig ist jedoch, nun in Sack und Asche zu gehen und sich selbst zu kasteien. Damit würde man letztlich der AfD die absolute Hoheit nicht nur über den politischen Diskurs, sondern sogar über die Kritik an Rassismus und Rechtspopulismus einräumen.
Nötig ist ein Nachdenken über die Diskssionskultur und vor Allem die Sprache: Wer Menschen erreichen möchte, muss sie da abholen, wo sie sich befinden. Eine zugespitzte und verständliche Sprache hilft dabei außerordentlich.
Falsch wäre indes, die differenzierte Diskussion über komplexe Themen aufzugeben. Das differenzierte Denken ist die Stärke der Kritiker von Rassismus und Populismus. In einer überaus komplexen Welt sind allzu starke Vereinfachungen nicht nur verfälschend, sondern geradezu gefährlich.
Diese Erfahrung macht derzeit der rechtspopulistische US-Präsident Donald Trump: Seine Kritik an der Krankenversicherung „ObamaCare“ hat allein den Hass auf den ungeliebten Konkurrenten zum Ausdruck gebracht, nicht aber die Abhängigkeit der eigenen Wählerschaft von einer funktionierenden Krankenversicherung berücksichtigt. Sein undifferenziertes Poltern gegen „ObamaCare“ beschert ihm nun eine der herbesten Niederlagen seiner bisherigen präsidentschaft.
Trotz dieser tröstlichen Erfahrung dürfen Demokraten sich nun nicht entspannt zurücklegen und zuschauen, wie die AfD im Parlament scheitert. Auch wenn Frauke Petry sich bereits einen Tag nach ihrer Wahl in den Deutschen Bundestag aus der Partei und deren Bundestagsfraktion verabschiedet hat, wird der – auch in anderen Parlamenten feststellbare –
Spaltpilz die AfD zwar schwächen, aber nicht zerlegen können. Das Führungspersonal ist in rechtspopulistischen Gruppen austauschbar, solange die Grundlagen ihrer Erregung fortbestehen.
Aus diesem Grund muss eine zukunftsweisende Politik verstärkt darauf achten, dass eine sozial gerechte Politik verwirklicht wird. Niemand darf verlorengehen und sich abgehängt fühlen, solange Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört. Eine gerechtere Armuts- und Reichtumsverteilung steht deswegen ganz oben auf der Agenda.
Mehr Transparenz ist eine weitere wichtige Forderung zur Begrenzung populistischer Positionen in der Politik. Hinzu kommt auch die Beendigung der anlasslosen Massenüberwachung. Willy Brandts Motto „Mehr Demokratie wagen“ ist das beste Mittel gegen Angriffe auf die Demokratie.
Demokratie bedarf unbedingt auch des Respekts vor Andersdenkenden. Darum ist es wichtig, die AfD und ihre Politiker nicht als „Pack“, „Brut“ oder „Ratten“ zu beschimpfen. Eine Nazi-Terminoloogie verbietet sich gerade auch in der Auseinandersetzung mit Nazis.
Hass und Hetze hängen eng zusammen mit Hysterie. Hysterische Reaktionen prägen die Debatten über den Wahlerfolg der AfD vielerorts. Sie sind nicht hilfreich.
Einerseits verstellen sie den Blick auf die erfreuliche Tatsache, dass mehr als 87 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme demokratischen parteien gegeben haben. Selbst in Dorfchemnitz haben 53 Prozent für die Demokratie gestimmt. Diese deutliche Mehrheit dürfen Medien und Politik nun nicht vernachlässigen.
Die Politik muss sich jetzt vor Allem auch um die demokratische Wählerschaft bemühen. Demokratie kann nur überleben, wenn sie den Demokraten die nötigen Freiräume gewährt. Deswegen sollten die demokratisch gesinnten Menschen in Deutschland jetzt verstärkt auf die Einhaltung des Grundgesetzes und mehr Demokratie pochen.

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4 Kommentare zu “Mit heißem Herz und kühlem Kopf: Hysterie hilft nicht gegen AfD

  1. Ach kukk… das passt ja auch zu Ihrer angesprochenen Psychologie. Sonst haette ich es dem Kollegen vom Grill gepostet.
    Werden Sie das wieder loeschen? Es wurde doch im ZDF gesendet:
    „““
    Psychiater im ZDF: „Heutige Migranten sind nicht integrierbar“ – Politiker ignorieren Angst der Bürger 5/5 (1)
    Politiker nehmen die Angst der Bürger nicht ernst – das sagte der Psychiater Christian Dogs in einer ZDF-Sendung. Jeder, der die deutsche Asylpolitik kritisiere, werde als „krank“ und „rechts“ tituliert. Dabei seien die Migranten mit ihrem „irren Gewaltpotential“ eine „Zeitbombe, die wir in uns haben“, so der Psychiater.

    Der Spruch „Wir haben keine Angst!“ nach jedem Terroranschlag ist nichts anderes als eine „Worthülse“, meinte der Psychiater Christian Peter Dogs. Er war langjähriger Leiter der Panorama-Klinik in Scheidegg und ist momentan ärztlicher Leiter der Max-Grundig-Klinik auf der Bühler Höhe.
    […]
    Man versuche das Volk mit der Parole zu beeinflussen, erklärte der Journalist Reitz. Dadurch würde keiner nachfragen, wie die Lösungen der Politiker für dieses Problem aussehen.
    „Wenn ein Terroranschlag passiert in einer der europäischen Hauptstädte, dann steht die Politik ja meistens ratlos da und das ist ihre große Furcht. Die Politik selber hat ja Angst“, betonte Reitz.
    […]
    Reitz: Politiker haben Angst, missbrauchen diese aber auch
    Die Politik habe nicht nur selber Angst, sondern missbrauche diese auch, erläuterte Reitz weiter. „Wenn Frau Merkel sich selber präsentiert als die Verkörperung von Sicherheit an sich, dann ist es der Reflex genau dadrauf, dass die Menschen sehr verunsichert sind […]. Und Frau Merkel sagt, ich bin Sicherheit. Feierabend. Sie ist die größte Profiteurin der Angstpolitik“, so der Journalist.
    […]
    Diskussionen sind heute unerwünscht – Kritiker werden in rechte Ecke gedrängt
    Reitz führt dieses Problem darauf zurück, dass der Diskursspielraum in den letzten Jahren verengt worden sei. „Derjenige, der sagt, wir müssten vielleicht nachdenken, ob wir ein individuelles Asylrecht uns noch leisten können, der wird sofort pathologisiert oder in eine rechte Ecke gestellt, in die er nicht reingehört, weil diese Diskussion ist eigentlich angebracht“, so der Journalist.
    Die Menschen seien „weder rechts, noch irgendwas anderes“, fügte Dogs hinzu. Die Menschen hätten „wirklich Angst und sind sehr verunsichert. Und das ist das Wesentliche: Ich muss ihnen Sicherheit vermitteln“, erklärt der Psychiater.
    […]
    Masseneinwanderung: Migranten verstehen unsere Werte nicht – sind nicht integrierbar
    Auch sei die Masseneinwanderung nach Deutschland sehr fragwürdig, denn es würden junge Männer mit einem „irren Gewaltpotential“ in die Bundesrepublik kommen, so Dogs.
    In der Psychologie werde angenommen, dass die Persönlichkeit eines Menschen spätestens bis zum 20 Lebensjahr, aber eigentlich schon bis zum 12 Lebensjahr ausdifferenziert sei, erklärte der Psychiater. Charakter, Temperament und Persönlichkeit seien danach kaum noch zu verändern.
    Es würden Menschen mit anderen Wertvorstellungen kommen. „Das ist eine Zeitbombe, die wir in uns haben, weil die gar nicht unsere Werte verstehen können, wir können sie ihnen auch gar nicht mehr beibringen“, erläuterte Dogs. Eine Flüchtlingstherapie könnte da auch nicht viel ändern und „das muss man akzeptieren“, fügte er hinzu.
    Deswegen seien Forderungen nach Integrationskursen nur Naivität:
    Du kannst sie nicht integrieren. Da ist nichts zu integrieren in vielen Bereichen. Du kannst die Sprache lernen, aber nicht den Kulturkreis, nicht die Religiosität, nicht die Überzeugung und schon gar nicht das Gewaltpotential.“ (Dr. med. Christian Peter Dogs)
    „Es kommen Menschen, die haben ein irres aggressives Potential, weil die in Kriegen aufgewachsen sind. Die haben gelernt zu kämpfen, wissen gar nicht, wie Harmonie geht. Und das umzutrainieren, ist eine Irrsinnsaufgabe“, so Dogs.
    […]
    „““
    Vollstaendiger Text und Videos hier:
    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/psychiater-im-zdf-heutige-migranten-sind-nicht-integrierbar-politiker-ignorieren-angst-der-buerger-a2227192.html

    • Wie FJH sagt: kühler Kopf. Dazu gehören auch coole Cops und eine gewisse Härte in der Durchsetzung unseres Rechts. Da können wir noch eine Schippe drauflegen. Aber mit Pauschalierung und Hysterie erreichen wir gar nichts.

  2. Wer nennt denn andere pauschal und permanent, von morgens bis abends auf allen Kanaelen „Rechtsradikale“, „Nazis“ und dergleichen und unterstellt ihnen Hass?
    Es braucht auch keine 100% der Faelle bezueglich des im Epochtimes bzw. ZDF beschriebenen um ein massives Problem darzustellen.
    Begeht ein „Rechter“ (sofern es tatsaechlich ueberhaupt einer ist) ein Verbrechen, wird wochenlang ueber alle Kanaele ein Aufriss sondersgleichen gemacht.
    Begeht dagegen die Bereicherung alltaeglich Verbrechen, steht es, jedenfalls bislang, bestenfalls in einer Ausgabe der Lokalpresse oder ist vielleicht mal ein Minutenbeitrag im lokalen TV/Radio und das konzentriert seit mindestens 3 Jahren. Und dann ist nicht mehr so ganz neuerdings immer die Rede von „einem Mann“, wogegen bei deutschen Taetern immer von „einem Deutschen“ die Rede ist, gerne auch mit Name, solange der „Deutsche“ nicht Achmed oder aehnlich heisst jedenfalls – Hans ist da weniger ein Problem, beispielsweise.

    • Hallo, ich hatte Sie schon mehrfach aufgefordert, mein Blog nicht mit Ihrem Unsinn zu belästigen und Ihre Nazi-Postings gefälligst im eigenen Blog zu posten! Wer Menschen „jagen“ oder wie Müll „entsorgen“ will, der bedient sich nicht nur der Sprache der Nazis; er teilt auch ihre Ideologie. Die AfD ist eine Partei, die Nazis an ihre Spitze befördert hat und sie ungestört ihre Hassparolen verbreiten lässt. Offenbar haben es diese Neonazis nötig, sich als harmlose „besorgte Bürger“ aufzuspielen und ihre Neonazi-Kollegen, die verrückte Berufe üben, als Argument für ihre kruden Ansichten heranzuziehen. Ich empfehle allen, sich die deutsche Geschichte zu vergegenwärtigen und sich bewusst zu machen, dass die Verbrechen von Adolf Hitler und Tausenden, die ihm gefolgt sind, auch mit einer Verkennung dieses Mannes begannen, den man glaubte, „an die Wand“ quetschen zu können, „bis er quiekt“. Das hier ist das private Blog von fjh und nicht die Kotztüte für Nazis! fjh

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