Spanische Polizeigewalt: Franco kehrt zurück nach Katalonien

Zur Förderung von Verdruss an der Europäischen Union tut die EU-Kommission Alles, was sie kann: Sie huldigt dem Lobbyismus und mimt bei Konflikten die sprichwörtlichen drei Affen. Es lebe der Nationalismus!
Am Tag der Deutschen Einheit blicken viele nach Spanien. Die dortige Einheit ist zwar als eherner Grundsatz in der spanischen Verfassung verankert, aber vom konservativen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont i Casamajo mit nationalistischer Verblendung störrisch missachtet worden. Der gewaltsame Polizeieinsatz gegen das unselige Referendum der Katalanen war jedoch nicht nur geradezu sträflich dumm, sondern eine Steilvorlage für die katalanischen Nationalisten.
Spanischer Nationalismus kämpfte am Sonntag (1. Oktober) mit verblendetem Nationalismus gegen katalanischen Nationalismus. Die EU hat tatenlos zugeschaut, obwohl sie im Vorfeld um Vermittlung gebeten worden war. Selbst jetzt nach dem Kampf der spanischen Regierungsmacht gegen den berechtigten katalanischen Volkszorn hält sie sich Mund, Augen und Ohren zu, damit sie es sich nicht mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy verdirbt.
Rajoy macht den harten Mann. So hofft er, seine Wahlschlappe vom Juni wettzumachen und eine bessere Ausgangslage für eine künftige Abstimmung zu schaffen. Doch allem Anschein nach ist dieser Versuch nach hinten losgegangen.
Aller Welt hat die spanische Polizei bei ihrem Vorgehen gegen das Referendum die hässliche Fratze des Polizeistaats gezeigt. Offenbar sind die Zeiten des Diktators Francisco Franco auch 42 Jahre nach seinem Tod immer noch nicht vergessen in der Guardia Civil.
Nach dieser Erfahrung kann keiner den Katalanen verdenken, dass sie nicht länger in einem solchen Spanien bleiben wollen. Für Jahrzehnte hat Rajoy mit seiner harten Linie die Chancen für ein friedliches Zusammenleben von Katalanen und Spaniern beschädigt. Längst hätte die EU eingreifen müssen, um Schlimmeres zu verhindern.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schwafelt zwar – ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz – bei Sonntagsreden gern über „die europäischen Werte“, doch die Menschen in Katalonien sind ihm offenbar egal. Eine solche EU, die die Menschenrechte ihrer Bürger nicht vehement verteidigt, braucht Europa ebensowenig wie Separatismus und Nationalismus auf allen Seiten und in allen Ländern.
Wenn die beteiligten Ministerpräsidenten nicht schnell einlenken und am besten bald beide zurücktreten, dann droht nicht nur Spanien ein Bürgerkrieg, sondern der EU ein weiterer Ansehensverlust bei der Bevölkerung und vor Allem auch weiterer Zerfall. Die EU könnte den Nationalismus überwinden, wenn ihre Vertreter konsequent für Bürgerrehchte und Demokratie einträten.
Doch stillschweigend nehmen Juncker, Merkel und die anderen europäischen „Führer“ die Polizeigewalt Rajoys in Kauf. Konservative halten eben zusammen wie Pecch und Schwefel; und da ist ihnen offenbar auch der faulige Schwefelgeruch des drohenden Bürgerkriegs egal.
Eine EU, die ihre Bürger selbst hinterher nicht vor gewalttätigen Polizisten in Schutz nimmt, darf das Wort „Demokratie“ allerhöchstens voller Scham im Mund führen. In einem Land, dessen Polizei mit Gummigeschossen auf wehrlose Menschen schießt, möchte ich keinen Urlaub machen. [end]

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Ein Kommentar zu “Spanische Polizeigewalt: Franco kehrt zurück nach Katalonien

  1. Sehe ich genauso. In einer Zeit, in der Konzerne immer größer werden und multinational agieren , ist Separatismus der vollkommen falsche Ansatz. Scheinbar ist es Demagogen immer ein Leichtes die nationalistische Karte zu zücken und große Teile der Bevölkerung dabei mitzunehmen. Das Feuer der Separatisten mit roher Gewalt zu löschen ist schon dämlich, denn genau wie Du es beschreibst ,stärkt das nur die Spalter und gibt ihnen neue ideologische Munution. In Abwandlung der polnischen Nationalhymne hoffe ich aber trotzdem : Noch ist Spanien nicht verloren .
    Grüße aus dem Vogtland
    Ronald

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