Aus dem wahrhaftigen Wortschatz: Demut macht Mut

„Demut“ ist ein ziemlich altertümlich anmutendes Wort. Leider ist Demut in jüngster Zeit ziemlich aus der Mode gekommen. Das ist schade.
Aber was ist eigentlich „Demut“? Ist „Demut“ nicht das Schlüsselwort für den heimtückischen Versuch feister Pfaffen, die darbenden Gläubigen an den Verzicht auf ihre Teilhabe am Wohlstand zu gewöhnen, während sie selbst ihre Macht damit als „von Gott gegeben“ verbrämen konnten? Ist „Demut“ nicht der Verzicht auf Mut und deshalb zu Recht aus der Mode gekommen?
„Bescheidenheit ist eine Zier“, sagte der Volksmund früher. „Doch weiter kommt man ohne ihr“, fügt er heute hinzu, wobei er die Grammatik ob des griffigen Reims bewusst missachtet.
Diese Missachtung ist Ausdruck mangelnden Respekts. Nicht nur die Regeln der Grammatik kümmern keinen mehr, sondern auch die Regeln des Anstands und der Würde in Solidarität mit den Mitmenschen und der Natur.
„Ich, ich und ich“, sagen oder denken viele. Vorwärts preschen sie ohne Rücksicht auf Verluste. In ihrem Größenwahn glauben sie, nichts und niemand könnte sie aufhalten.
Wer irgendwann stürzt, hat Pech gehabt. Wer scheitert, ist aber selber schuld. „Glück hat immer nur der Tüchtige“, sagt der neoliberale Slogan der „Besserverdiener“.
Aber ist Glück wirklich die Ernte eigener Anstrengungen und nicht vielleicht doch auch ein erfreulicher Zufall: Ist es nicht ein Glück, in Deutschland geboren worden zu sein und nicht in Nordkorea? Ist es nicht ein Glück, als Sohn eines Angestellten aufgewachsen zu sein und nicht als Tochter eines arbeitslosen Trunkenbolds, der seine Frau schlug?
Ist es nicht Glück, das Gymnasium besucht zu haben und nicht schon als Kind zur Arbeit gezwungen worden zu sein? Ist es nicht Glück, mit einer Vernunft begabt zu sein und diesen Verstand auch benutzen zu können?
Letztlich kann man froh sein, wenn man ein Dach über dem Kopf und kein Stroh in ihm hat. Dankbarkeit ist dann eine logische Folge von beidem.
Die Egomanen tun mir ebenso leid wie die Zyniker: Egoismus verwehrt den Menschen die Erfahrung gelebter Solidarität. Zynismus ist meist die Folge enttäuschten Egoismus und verknüpft mit Neid auf all diejenigen, die ihren Idealen und sich selber trauen.
Demut gewinnt, wer offen ist für Mitmenschlichkeit. Zur Schau gestellte Demut ist Arroganz. Gelebte Demut bemerken die Mitmenschen im Handeln ihrer solidarischen Zeitgenossen.
Letztlich ist wahre Demut die Quelle für Mut. Wer der Anerkennung der anderen nicht bedarf, kann für seine Überzeugungen eintreten und genau diese Anerkennung am Ende dann vielleicht gewinnen.

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3 Kommentare zu “Aus dem wahrhaftigen Wortschatz: Demut macht Mut

  1. Im Prinzip sehe ich alles genauso wie Du. Aber eine Frage muss ich Dir dann doch stellen : “ Warst Du in Nordkorea, dass Du weißt, das dies so Schlimm ist ? “ Wir denken doch nur das nach , was uns die Medien erzählen. Vor einigen Monaten , da ging es um Afghanistan, da sagte eine Vertreterin einer NGO, das vermittelte Bild der Medien ist nur die Sicht vom Hotelzimmer in Kabul aus. Vom Leben im Land wissen die nichts.
    Vieleicht sollten wir Beide mal hin fahren und sehen, ob die Menschen dort in Nordkorea tatsächlich unglücklich sind.
    Demut ist leider bei den Menschen der Jetztzeit nicht mehr vorhanden, jedenfalls bei den meisten.Zumindest wie ich das Wort definiere. Unterschiede zwischen Ost und West gibt es da nicht. Viele haben keine Werte mehr und sind einfach nur gierig, wir Vogtländer sagen hachtig dazu. Den meisten Menschen in Mitteleuropa geht es gut, aber das erreichte Lebensniveau langt noch nicht. Noch mehr Luxus, noch fettere Autos und noch mehr Lametta ! So leben wie die rücksichtslosen Milliardäre und auf die unteren Schichten spucken, dass ist das Credo des Neoliberalismus.
    Manchmal preise ich das Wasser aus dem Hahn, den Strom aus der Leitung und meine warme Wohnung. Fast alle meiner Kollegen, Verwandten und Freunde finden mich dann merkwürdig. Ich sage dazu mehr Demut, mehr Respekt und mehr Freude am schönen Leben. Sind aber leider als Werte aus der Mode gekommen.
    Grüße aus dem Vogtland

    • Lieber Ronald, ich war noch nie in Nordkorea und werde sicherheitshalber aber auch nicht dorthin fahren. Allerdings habe ich einen Bekannten, der in Südkorea lebt. Vieles, was man hierzulande über Nordkorea hört, relativiert er. Das Verhalten von Kim Jong-Un sei „Säbelrasseln“ und nicht ernst zu nehmen. Viel mehr Sorge bereite den Menschen in Südkorea das Verhalten von Donald Trump, der mit seinen unüberlegten Statements den Konflikt anheizt und dadurch auch Südkorea massiv bedroht. Allerdings beschrieb er die für uns unvorstellbare Armut der Landebevölkerung in Nordkorea. Mangels tierischen Düngers verwenden sie menschliche Exkremente. Das führt nach Angaben meines Bekannten dazu, dass viele Menschen dort Würmer haben. Mein Bekannter ist für mich glaubwürdig, weil er eher für den Dialog zwischen den beiden koreanischen Staaten eintritt als für eine Eskalation. Zudem ist er ein ausgewiesener Kenner der südkoreanischen Befreiungstheologie. fjh

  2. Ich hatte eine lange Antwort geschrieben und jetzt wurde das vom I-Pad einfach gelöscht. Diese Dinger werde ich nie begreifen. Also versuche ich es jetzt nochmals.
    Du musst bitte nicht denken ,dass ich ein Freund durchgeknallter Diktatoren bin, aber die einseitige Medienberichterstattung bringt mich doch immer zu einer gewissen Vorsicht bei der Meinungsbildung. Was Dein Bekannter sagt habe ich genauso im D-Radio in einem glaubwürdigen Bericht gehört.. Die Südkoreaner wollen die Situation tatsächlich nicht eskalieren lassen und sind relativ realistisch, würden sie ja den hohen Preis einer militärischen Auseinandersetzung tragen. Zu den hirnrissigen provokanten Manövern werden sie sicherlich von den USA gezwungen.
    Einem Besuch Nordkoreas steht meine riesige Flugangst und mein klitzekleiner Geldbeutel entgegen. Angst vor den Nordkoreanern hätte ich nicht. Allerdings könnte man auch von einem zwei Wochen Aufenthalt nicht unbedingt viel über das Leben dort erfahren, zumal es diese Sprachbarrieren gäbe und uns die Gastgeber nicht alles zeigen und sagen würden.
    Nochmal zur Demut. Meine Frau hat heute Geburtstag und ich bin unendlich glücklich, dass sie Gesund und proper ist und wir uns in fast Allem so gut verstehen.
    Die Situation genieße ich und weiß schon dieses wunderbare Leben zu würdigen. Das kann man mit Geld nicht kaufen und eigentlich haben wir Menschen die Pflicht dieses kurze Dasein auf der schönen Erde ordentlich und in Demut zu leben.
    Merkwürdigerweise definieren sich die Menschen heute über Besitz und Geld.
    Das wäre dann wieder genau Dein Thema. Schade das viele Leute gar keinen Sinn mehr für edle (auch ein alter Begriff) Werte haben und das Leben im Zeitraffer mit der Anhäufung von materiellen Werten vergeuden.
    Grüße aus dem Vogtland und ein Dankeschön für Deine Antwort
    Ronald

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