Das Kapitel: Persönliches und Versöhnliches zum Geburtstag von Karl Marx

Er hat die Welt polarisiert wie kein Anderer. Auch für mich ist Karl Marx weder eine göttergleiche Ikone, noch ein teuflischer Verführer. Sein Geburtstag ist mir aber willkommener Anlass zur Darlegung eines gemischten Verhältnisses zu ihm.
Genau genommen ist es gar nicht so sehr mein Verhältnis zu Marx als das zu seinen Verehrern und seinen Feinden. Letzteres lässt sich aber relativ kurz abhandeln, indem ich den Hass auf Marx meist als Ausdruck des Interesses derjenigen erkenne, deren interessengeleitetes Handeln er anprangert. Mitunter ist der Hass auf Marx aber auch eher eine Feindschaft gegenüber denjenigen, die sich auf ihn berufen.
„Marxisten“ sind auch mir ein Dorn im Auge. Zum einen sehe ich „Marxismus“ als Ideologie an, die im Extremfall jedes Wort des Philosophen für unangreifbar erklärt und Kritik daran als reaktionär abtut; zum Anderen habe ich vor Allem im jungen Erwachsenenalter extrem unter der Verbohrtheit der unterschiedlichen Richtungen angeblicher „Marxisten“ gelitten.
Ende der 70er machte ein Witz in zwei Versionen die Runde: „Zwei Kommunisten, drei Meinungen“, lautete die erste Variante. „Da stehen drei Marxisten beieinander; da ist schon wieder eine Spaltung fällig“, war die andere Version.
Als ich 1974 an die Uni kam, war dieser Streit der verschiedenen „K-Gruppen“ in vollem Gange. Vom „KbW“ über den „KB“ und die „KPD“ bis hin zur „KPDML“ und der „KPDAO“ reichten die Abkürzungen, deren ausgeschriebene Namen alle mit dem Wort „kommunistisch“ begannen. Wer sich worin von wem unterschied, bedurfte gründlicher Auseinandersetzung.
Da gab es die Maoisten, die China für den wahren Hort des Sozialismus hielten. Ihnen gegenüber standen die Anhänger der DKP, die die DDR und Russland für die Heimat des wahren Sozialismus hielten. Der KB war wohl keiner dieser beiden Richtungen zuzuordnen.
Alle schwafelten von der „Arbeiterklasse“. Untter Verwendung möglichst vieler Fremdwörter erkölärten sie sich zur „Vorhut der Arbeiterklasse“. Sahen sie einen echten Arbeiter, fanden sie das Klasse, bis sie den Mund aufmachten und er ihr theorielastiges selbstdarstellerisches Geblubber nicht verstand.
Dabei hatte die Bewegung in den frühen 60er Jahren so gut angefangen. 1968 erreichte die Außerparlamentarische Opposition (APO) ihren Höhepunkt mit der großen Notstandsdemo am 11. Mai in Bonn. Mich bewegte sie dazu, meinen eigenen STandpunkt jenseits vorgefertigter Parolen der Kalten Krieger zu suchen.
In der Schule nahmen wir Marx durch. Dort lernte ich, seine kluge Analyse zu schätzen. Gleichzeitig arbeiteten wir dort aber auch Ansätze zur Kritik an seinem Hauptwerk „Das Kapital“ und dem „Kommunistischen Manifest“ heraus.
Später habe ich diese Kritikpunkte für mich selbst weiterentwickelt. Marx maschinenkritischen Ansatz konnte ich für mein Engagement im Umweltschutz sehr gut nachvollziehen, seine Vorstellungen von einer gesetzmäßigen Entwicklung hin zum Sozialismus kann ich jedoch bis heute nicht nachvollziehen.
Vor Allem die von Marx propagierte „Diktatur des Proletariats“ halte ich für gefährlich. In der Massenstreikdebatte zwischen Wladimir Iljitsch Uljanow „Lenin“ und Rosa Luxemburg schlage ich mich klar auf die Seite der basisdemokratischen Position. „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“, ist die klügste Parole, die den Missbrauch Marxscher Ideologie für eine Unterdrückung von Menschen verbietet.
Vieles, was aus Marx in den Ländern des sogenannten „real existierenden Sozialismus“ gemacht wurde, hat mit wahrem sozialismus nichts zu tun. Vielmehr handelte es sich um diktatorische Regimes, die in einem Bezug auf Marx eine willkommene Rechtfertigung für die Unterdrückung der „Massen“ im Namen der „massen“ fanden.
Ohnehin sind mir „Die Massen“ eher suspekt. Zwar müssen politische Bewegungen Unterstützung und am besten auch Mehrheiten gewinnen, aber dabei dürfen sie die Einzelnen nicht zugunsten der „Massen“ unterdrücken. Der größte Widerspruch innerhalb der Werke von Marx war seine Sprache, die den Kampf für „Die Massen“ in einer wenig massentauglichen Form anpries.
Zugrund leigt seinem Werk jedoch ein zutiefst unterstützungswürdiger Humanismus. Marx sah die Lage der Arbeiterschaft im 19. Jahrhundert und erkannte ihre Misere sehr deutlich. Ihm war klar, dass diese Verhältnisse ungerecht und zerstörerisch waren.
Dem Raubbau an Menschen und der Natur setzte er die Utopie des Kommunismus entgegen. Als Übergangsstufe dorthin benannte er den Sozialismus. Damit strebt er eine gerechtere Verteilung des Reichtums und der Wertschöpfung an.
Diese Gerechtigkeit ist ferner denn je. Umso aktueller sind viele Vorstellungen, die marx formuliert hat. Lesen sollte man seine Abhandlungen aber nicht als eine Art „Bibel“, sondern als Anregung zu eigenen Gedanken und Aufforderung zur Verbesserung der Lebensbedingungen für alle Menschen.

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12 Kommentare zu “Das Kapitel: Persönliches und Versöhnliches zum Geburtstag von Karl Marx

  1. Das „Kapital“ war mir zu dick und auch zu anstrengend, wobei Ökonomen damit sicher viel anfangen können. Meine Lieblingslektüre ist das „Manifest“. Eine klare Absage an den Kapitalismus. Ich glaube, dass der Grund für den Hass der Eliten auf Marx wohl daher rührt, dass Karl das System der Ausbeutung klar benennt und die Verursacher des Elends demaskiert. Das müssen die Ausbeuter ihm übel nehmen, alles andere wäre merkwürdig. Natürlich war Marx ein Philosoph in seiner Zeit. Gewisse Dinge konnte er noch nicht wissen. Allwissend ist kein Mensch und auch Wissenschaftler können irren. Aber für seine Möglichkeiten war er schon ein genialer Kopf. Was die Arbeiterklasse betrifft hat er sich geirrt. Sie ist nicht revolutionär und keine Revolution wird die Welt verändern. Auch das die Ausbeuter den Untergang der Welt für 300%Profit riskieren würden ist ein kleiner Fehler, sie tun es für viel weniger.
    Hinterher klug daher reden mit dem Wissen unserer Zeit ist aber unfair, also lasse ich es lieber.
    Über Deine Haltung zu den kommunistischen Staaten müssen wir mal tatsächlich eine längere Diskussion führen. Jeden Tag bekomme ich von den Medien gesagt, in was für einer schlimmen Diktatur ich in der DDR gelebt habe. Aber bitte entschuldige, wir leben hier auch in einer Diktatur. Da gibt es schöne Beispiele, die erspare ich mir jetzt, denn Du kennst die auch alle. Auch wir hatten ein wunderbares Leben und die Maßregelungen staatlicher Seite waren auch nicht viel anders als im Westen. Vereinzelte Negativbeispiele wurden so hochgepuscht, dass unsere Brüder und Schwestern im Westen noch heute glauben es ging uns schlecht und wir haben in einem KZ gelebt. Die Idee des Kommunismus wurde von Anfang an von den kapitalistischen Eliten und Medien verdammt und bekämpft. Diskutiere ich manchmal mit Westdeutschen glaube ich so ein Überlegenheitsgefühl zu bemerken, sogar im Bezug auf Sozialismusefahrungen, da wird meine persönliche Erfahrung als falsch oder dämlich hingestellt. Aber mal im Ernst, jeder Mensch hat eigene Erfahrungen und Gedanken zum Leben. Bei der Dauerdiffamierung des Kommunismus wird so etwas natürlich ignoriert. Das hat die gute Idee und Karl nicht verdient, auch nicht die vielen Streiter und Kämpfer für eine bessere Welt.
    Ups, es ging doch eigentlich um Marx….wie konnte ich so weit abschweifen ?
    Grüße aus dem Vogtland

    • Lieber Ronald, meine Erfahrungen mit der DDR sind die eines „Wessis“ im Osten Berlins oder in Eisenach. Dort besuchte ich die Umweltbibliothek. Wir waren eine Gruppe aus dem Arbeitskreis „Internationales“ der Grünen Hessen. „Wir haben einen Stasi-Spitzel unter uns“,berichteten die Eisenacher. „Aber wir wollen uns nicht gegenseitig verdächtigen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Stasi ohnehin alles erfährt, was wir tun und planen.“ Als die Akten der Stasi geöffnet wurden, waren 8 der 24 Mitglieder IMs. Ein Drittel der Gruppe bespitzelte nicht nur den rest, sondern auch einander. Die Stasi hat selbst ihren eigenen Spitzeln misstraut. Nun sollte man nicht glauben, dass der sogenannte „Verfassungsschutz“ im westen gänzlich anders arbeitete als die Stasi. Vielleicht treibt er nicht ganz so viel Aufwand; aber bei der NPD im Landesverband Berlin hatte der Verfassungsschutz kurzzeitig de satzungsändernde mehrheit und hätte den Verband satzungsgemäß auflösen können. Das hat er aus nachvollziehbarem Eigeninteresse allerdings nicht getan. Von einer „Diktatur“ mag ich hierzulande dennoch nicht reden. Die vielen Freiheiten, die ich hier genieße, gehen über die Möglichkeiten freilaufender Hühner weit hinaus. Ich kann Dinge anprangern und verändern. Ich kann mit Politikern reden und höre hinterher bei ihren Reden, dass sie meine Anregungen aufgegriffen haben. Eine Diktatur sieht dann doch anders aus. Man sollte nicht durch eine allzu harsche Wortwahl die schlimmen Dinge verharmlosen und die weniger schlimmen Mißstände dramatisieren, finde ich. Wir leben in einer Demokratie mit Mängeln. Dabei kommt es auf jede und jeden von uns an, ob diese Mängel besetitigt werden und die Demokratie aus- oder abgebaut wird. Derzeit steht der Abbau von Freiheitsrechten auf der Agenda, wogegen wir deswegen gerade jetzt entschieden angehen müssen. Das bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG), das bayerische Polizeiaufgabengesetz und ähnliche Gesetze in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hessen sowie der Entwurf eines neuen Hessischen Verfassungsschutzgesetzes bedrohen die Demokratie. Lassen wir sie uns nicht von Schnüfflern und rückgratlosen Polit-Abnickern klauen! fjh

    • „. . . Die Idee des Kommunismus wurde von Anfang an von den kapitalistischen Eliten und Medien verdammt und bekämpft. . . .“ Und warum, sieht man ja heute. Ich kann Herrn Wolf nur zustimmen: Es war keineswegs eine Diktatur oder KZ. Was für ein Blödsinn. Heute stelle ich fest, wie der Westen mit seiner Demokratie meine Befürchtungen bei Weitem übertroffen hat. Plan übererfüllt sozusagen:-) Denn die Lausitz war kein tal der Ahnungslosen, da gab es Westfernsehen und -rundfunk und was ich da so hörte und sah, begeisterte mich keinesfalls oder regte mich keineswegs zu einem Besuch oder gar Auswandern nach dort an. Bis hin zu einer Hörerin, die interviewt wurde und meinte: „Ich bin schon froh, dass es keinen Krieg gibt.“ Nun ja, nach diesem Kalten Krieg geht es jetzt und hier weiter: Nur statt Bomben eben mit Baggern und wieder Ruinen, in denen aber nicht mehr Kinder spielen, sondern Obdachlose nächtigen. Ja, damals wurden Faulpelze sogar mit „Polizeieskorte“ auf Arbeit geschafft, bis sie nach dem 3. oder 5. Mal von alleine gingen. Heute kann man nicht mal mehr im Park joggen, ohne Angst vor Vergewaltigung zu haben. Klar schlich uns auch im Finstern durch den Großen Garten nach Hause mal ein „Entblößer“ nach. Aber als wir – zu dritt -zum Telefonhäuschen rannten, war er weg Vorsichtig waren wir auch. Aber ein Mord oder Vergewaltigung hätte sich herumgesprochen. Kurz nach der Mauerfall(€) hörte man ja auch, dass einer aus dem Fenster gesprungen war.
      Und was man in Staatsbürgerkunde über den Kapitalismus lernte, ist heute auch nicht von der Hand zu weisen. Wir hatten jedenfall eine wunderschöne Kindheit, Jugend, Erwachsenenleben und !immer Arbeit. Und die VEB hatten keine Arbeitsämter, Job-Center und Private Arbeitsvermittlungen mit Gutschein-Lotterie nötig. Die schulten Vertretungen zur rechten Zeit, welche Springer-Geld bekamen für diese Zeit und dann ihren Arbeitsplatz wie die Mutti nach dem Baby-Urlaub wieder hatten. Auch Heimarbeit war kein Problem in einem nicht mal so großen Betrieb wie Kosora. Dagegen ist dieser Flickenteppich von Arbeitsmarkt nur noch MENSCHENUNWÜRDIG und macht die Reichen reicher mit ihren Arbeitsvermittlungen, die doch schon an Sklavenhandel grenzen: Wenn man nicht mehr gebraucht wird, fliegt man raus = weil befristet oder arbeitsbedingt.
      Und wenn von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgehen darf, dann wenigstens Rüstung – wie jetzt wieder für „Unterwasser“, damit’s niemand sieht, wenn Erdogan in Syrien mit deutschen Waffen die Kurden jagt. Hauptsache, Deutschland kann sich über Fachkräfte freuen, nicht wahr?

  2. Lieber F.-J. H. !
    Danke für Deine Antwort. Die Stasikeule kommt bei meinen westdeutschen Freunden auch immer als Erstes, wenn es um die DDR geht. Meistens kommen dann noch die unfreundlichen Zöllner und Grenzer dazu. Natürlich gab es das und die Mehrheit hat damit gelebt und sich arrangiert. Manche haben sogar Informationen an die Stasi lanciert um Dinge zu verändern. Ein Thema für sich. Aber diese natürlich unschönen Dinge haben doch das Leben und das System nicht ausgemacht. Zumindest nicht für mich, meine Bekannten und Verwandten und mein Umfeld. Schon komisch das heute alle Opfer waren und Staatsgegner. Den Zahn muss ich mal irgendwann meinen Freunden in der Alt-BRD ziehen. Wieder ein extra Thema. Die Ossis sind von mir in ihrem Opportunismus leicht zu durchschauen, weil Selbstdarstellung die eine Sache ist, Leben und Wirklichkeit eine andere. Bei der letzten Antinazidemo in unserer Stadt habe ich nicht einen Bürgerrechtler oder Umweltaktivist aus früheren Zeiten gesehen. Die genießen scheinbar in Behörden u.ä. ihre Belohnungen für den „Widerstand“.
    Um über Demokratie zu reden müssen wir erstmal unsere unterschiedlichen Auffassungen aufdröseln. Meine Abgeordnete sind arrogante Schnösel und nicht interessiert mit dem Bürger Ronald W. zu reden, zuletzt erlebt bei Anti-TTip-Aktivitäten. Und wenn wir heute keine Diktatur sind, warum kämpfen dann deutsche junge Menschen sonst irgendwo in der Welt, obwohl dies die Mehrheit der Deutschen nicht will. Komme mir bitte nicht mit der Mandatsübertragung durch Wahlen, das wäre hier zu einfach , die Verantwortung gegenüber dem Volk wird beim „Marsch durch die Diäten“ einfach ignoriert oder vergessen. Wir sind eine Diktatur der geldgeilen Ausbeuter, der Karrieristen und Kriegsgewinnler. Der Krieg der NATO gegen Russland wird politisch, ideologisch und materiell vorbereitet, obwohl das kein normaler Bürger will – und da glaubst Du an Demokratie ? Die Eliten machen ihr Ding und Demokratie interessiert die nur als Propagandainstrument.
    Oh, das ist wohl etwas heftig geworden ?!? Sorry, musste raus. Nimm es mir bitte nicht übel.
    Grüße aus dem Vogtland

    • Lieber Ronald, die Kritik an vielen Abgeordneten ist sicherlich berechtigt. Hier sind sie noch eher greifbar, zumindest für mich. Manche verstecken sich hinter Terminen oder Büros, aber die meisten sind durchaus ansprechbar. Etwas Anderes ist dann, wie sie kritische Anmerkungen oder Anregungen aufgreifen und was sie aus dem Bürgerwillen machen. Von „Diktatur“ spreche ich aber nicht. Ich finde, dieses Wort sollte man für Umstände benutzen, in denen abweichendes Verhalten mit existenziellen Folgen für Leib und Leben verbunden ist. Wenn man derartige Begriffe leichtfertigt benutzt, entwertet man sie und beschädigt damit die Chancen einer Gegenwehr in denjenigen Fällen, wo wirklich eine Diktatur herrscht. Dass man sich in durchaus auch problematischen Zuständen arrangieren kann, ist keine Entschuldigung der jeweiligen Umstände. Ich glaube auch, Ihr im Osten versteht jede Kritik aus dem Westen an bestimmten Zuständen in der DDR als persönlichen Angriff. Mag sein, dass manche das auch implizieren; ich aber weiß ja nicht, wie ich mich in der DDR oder unter der Nazi-Diktatur verhalten hätte. Meinem Vater vor Allem bin ich dankbar dafür, dass er mir ein ehrliches Bild der damaligen Zeit überliefert hat. Es bestand aus Prügeln nach Schulschluss für ihn als Pfadfinder seitens des Führers der Hitler-Jugend und Sommern am Strand mit der ersten Freundin trotz der Kriegszeiten. Das Leben ist niemals Schwwarz-Weiß. Aber man muss sich entscheiden, ob man für ein besseres Leben kämpft oder sich im Mauseloch verkriecht, bis der gierige Kater kommt. fjh

    • Die Wahrheit ist immer heftig, vor allem wenn sie stimmt.
      „. . . Und wenn wir heute keine Diktatur sind, warum kämpfen dann deutsche junge Menschen sonst irgendwo in der Welt, obwohl dies die Mehrheit der Deutschen nicht will. . . .“ Weil diese angebliche Demokratie nichts tut für ORDENTLICHE Arbeit im eigenen Land und es sich statt dessen leistet, unsere Jungs in fremden Kriegen zu „verheizen“! Wie sonst muss man das sehen, wenn man im eigenen Land gemütlich zusieht, wie der Arbeitsmarkt zu einem Flickenteppich gemacht wird mit Kurz-, Teilzeit-, befristeten usw. Jobs. Was ist besser an dieser Scheindemokratie, wenn unsere Kinder jetzt um ihre Renten bangen müssen, wenn schon die jetzigen Rentner noch Beiträge zahlen müssen? Wo bzw. wozu ist eine Regierung da? Jawohl „. . . Wir sind eine Diktatur der geldgeilen Ausbeuter, der Karrieristen und Kriegsgewinnler. . . .“ Auf meine Frage, wie sich die RüstungsINDUSTRIE und heute ja auch noch zuzüglich SPI€LZ€UGWAFFEN-INDUSTRIE an der Unterbringung und Verpflegung bis hin zur Reinigung der Asylunterkünfte der Flüchtlinge beteiligen, bekam ich auch keine Antwort.
      Von der „Diktatur des Geldes“ im Westen war schon lange VOR 1989 die Rede. Allerdings ist das viel einfacher ohne DDR – die beste Opposition bis ’89, so lange man nämlich beweisen musste, wie besser man angeblich ist. Oder wo sind heute die vielgerühmten Sozialwohnungen u. A.?: Die werden einfach weggebaggert wie hier zwei ganze Wohnblocks. Na ja, das Unterrichtsfach „Sanieren“ fällt heute sowieso unter „Bildungsmisere“ gleich ganz weg, denn heute heißt es „Bagger statt Bomben“. 1950 konnte man zusehen, wie aus Ruinen wieder Wohnungen und Betriebe wurden, heute können unsere Kinder und Enkel WIEDER in Ruinen spielen und sprayen. Schlimmer noch: Heute ist es wieder Unterkunft für Banden und Obdachlose.

  3. Oh je. Du schreibst “ wie ich mich in der DDR oder unter der Nazidiktatur verhalten hätte“. Genau das ist das Problem der Geschichtsschreibung aus westdeutscher Sicht. Ihr könnt da keinen Unterschied machen, weil für Euch beides gleich schlimm ist und sorry, ich glaube die DDR fanden viele Westdeutsche noch schlimmer. Aber jetzt kommt es, da sind wir nämlich wieder bei Marx, die Wut auf den Kommunismus hängt nur zusammen mit den Eigentumsverhältnissen. Das ist eines der Hauptgründe für das Feuer der Hasspropaganda. Mit Diktaturen haben die westlichen Eliten keine Probleme,nehmen wir mal ein schönes aktuelles Beispiel, Saudi-Arabien. Da werden Dieben die Hand abgehackt und unliebsame Gegner ausgepeitscht. Interessiert hier keinen Politiker und Journalisten. Nimm es mir nicht übel, das ist aber in der DDR nicht passiert. Wieso diesen Hass auf ein Land das es schon fast 30 Jahre nicht mehr gibt ? Ich wollte es eigentlich nicht schreiben, weil es mir nur wenige glauben werden, immerhin gibt es noch lebende Zeugen – meine Eltern. In den 70ern habe ich bei einer Wahl alle Kandidaten durchgestrichen (auf Empfehlung vom RIAS) weil dann nur das als Gegenstimme gewertet wird. Das habe ich nicht in der Wahlkabine gemacht (ja die gab es auch bei uns), sondern am Tisch der Wahlkommission. Ich war an dem Tag der erste Wähler, alle konnten es sehen. Vor Schreck vergaßen sie mir den Blumenstrauß zu geben, den der erste Wähler immer erhalten hat. Diese Provokation machte in unserem Stadtviertel schnell die Runde und meine Eltern erfuhren es in ihrer Gaststätte. Jetzt kommt aber das für Dich und viele Leute Unerwartete, mir ist nichts passiert. Keine Vorladung sonstwohin, keine Gespräche von meinem Betrieb, war damals die HO. Nix passiert. Auch im gleichen Jahr äußerte ich mich bei der Einberufungsüberprüfung jungen Leuten nicht in den Rücken schießen zu wollen. Ich sollte an die Grenze. Das waren Stundendiskussionen. „Mein Land verteidige ich, aber vom Westfernsehen verführte junge Menschen erschließe ich nicht“ war mein Grundtenor. Und jetzt kommt wieder das Unerwartete. Nichts ist mir passiert. Vielleicht Schikanen dann bei der Fahne, aber ich kam in die Küche – das Beste was einem beim Bund oder der Fahne passieren konnte. Warum diese langen persönlichen Beispiele, weil genau diese Erlebnisse meine DDR Erfahrungen ausmachen. Ich war mutiger und provokativer als Andere, aber das Land hat reagiert wie es sich gehört, nämlich gar nicht. Und jetzt soll ich Leuten glauben, dass ich ein angepasster DDRler war, die nicht mal in meinem Land gelebt haben.
    Natürlich erzählen heute viele wahnsinnige Widerstandsgeschichten, ist halt der Mainstream. Meine beiden Beispiele aber sind wirklich war und haben mich dann später zu einem überzeugten DDR-Bürger gemacht. Dafür schäme ich mich nicht, erwarte auch nicht (das ist jetzt wirklich nicht bös gemeint) das Außenstehende das Leben in einem Land richtig beurteilen können, in dem sie nicht gelebt haben.
    Oh ist das wieder lang geworden. Aber bei unserer Diskussion kamen so viele Erinnerungen wieder. T’schuldigung wenn ich Dich verärgert habe. Aber Du bist ein kluger und vor allem toleranter Mann, mit wem soll man sich denn sonst über solche Themen unterhalten.
    Grüße aus dem Vogtland
    PS: zur Zeit geht das I-Pad gerade mal wieder. Deswegen die Länge.

    • Ja wirklich, wieso wollen uns Wessis immer den Osten, das Leben in der DDR erklären? Ich hatte – durch deren eigene westdeutsche Medien wie DLF – auch meine Meinung über den Westen. Und alles, ich ich heute so hören und sehen muss in den Medien, bestätigt nur alle meine Befürchtungen – so ist es bis heute. Was ist denn besser? Wie sagte man damals: Diktatur des Proletariats im Osten – Diktatur des Geldes im Westen. Was ist denn daran nun besser, wenn es sogar im Raubtierkapitalismus mit Sklavenhandel (Private Arbeitsvermittlungen) handelt mit Kurz-, Teilzeit-, befristeter Arbeit und dann ab in Hartz IV?
      Ich hatte mich auch mal empört über die Ausbürgerung Biermanns: Nämlich als ich feststellte, dass alles schon passiert war und er schon drüben, aber an der Uni, bei der ich in der Verwaltung arbeitete, immer noch darüber diskutiert wurde auf dem Weg zur Mensa, als Dr. Sch. plötzlich den Finger auf den Mund legte, ich solle mich nicht weiter und so laut wundern. Passiert ist mir auch nichts. Aber wie mir eine Freundin später erzählte, wurden wir auch ausspioniert: Vom Westen. Zunächst befreundete er sich mit ihr und plötzlich wollte er mich nach Hause bringen, als er erfuhr, dass ich in der Geodäsie und Karthographie, später Photogrammetrie, arbeitete. Nach der Wende, erfuhr ich später, ist er rüber zu seinem Vater in den Westen. Noch Fragen?

    • Lieber Ronald, ich maße mir nicht an, die DDR zu kennen. Ob es sich dort um eine Diktatur gehandelt hat, mag man diskutieren. Ich persönlich glaube, dass es ein Regime mit diktatorischen Zügen war; aber das ist nur die Außenansicht von jemandem, der relativ selten und dann meist auch nur sehr kurz dort war. Dass Saudi-Arabien sicherlich eine schlimmere Regierung hat als die DDR in ihren schlimmsten Zeiten, würde ich sofort unterschreiben. Ich glaube zudem auch, dass der Stalinismus in Russland das eigentliche Übel war und schon unter Chrustschow eine vorsichtige „Demokratisierung“ eingesetzt hat. Sicherlich ist meine Sicht geprägt von jahrzehntelanger West-Propaganda; das bestreite ich nicht. Wenn ich heute noch einmal den RIAS höre – „Aus den Archiven“ – und nachvollziehe, was da in den 50er und 60er Jahren über den Äther ging, dann war das „Kalter Krieg“ pur. Vorsicht möchte ich vor Allem im Umgang mit Zuschreibungen wie „Diktatur“ anmahnen; und vielleicht sollte ich künftig über die DDR als ein System sprechen, das den Anspruch von „Sozialismus“, wie ich ihn verstehe, in keinster Weise verwirklicht hat. Allerdings gab es dort soziale Errungenschaften, die man sich heute in der Bundesrepublik nur wünschen kann. So viel – und in jedem Fall kein Angriff – zum Außenbild der DDR. fjh

  4. Es gibt wahrscheinlich 17 Millionen Innenansichten zur DDR. Einer der in Bautzen im Gefängnis saß, von der Stasi oder Behörden drangsaliert wurde hat natürlich eine andere Sicht als ich. Da sind mir auch einige glaubwürdige Beispiele bekannt. Der Mehrheit ging es wohl ganz gut. Viele haben Freiräume genutzt und Träume verwirklichen können. Da wären wir übrigens wieder bei Marx : „Der Mensch ist das Ensemble seiner gesellschaftlichen Verhältnisse“. Ich liebe diesen klugen Satz, er erklärt so viel. Auch meine Haltung zum untergegangen Land.
    Die sozialen Errungenschaften und Leistungen sind leider von vielen Bürgern nicht als Wert empfunden worden.
    Klar muss ich gelten lassen, dass die Sieger der Geschichte nur ihre Wahrheit als letzten Schluss gelten lassen, also sollen sie es halt Diktatur nennen. Aber mit so einem klugen Mann wie Dir muss ich schon darüber diskutieren. Habe vielen Dank für Deine Geduld und Argumente. Es gibt halt immer mehrere Wahrheiten.
    Viele Grüße aus dem Vogtland
    Ronald

    • Lieber Ronald, nihct nur jede Einzelne hat angesichts ihres Lebens ihre eigene Erfahrung und damit auch ihre eigene Wirklichkeit – kommt von „Wirkung“ – oder „Wahrheit“ angsichts eigener Wahrnehmung, sondern oft sogar selbst mehrere unterschiedliche Wahrnehmungen, die zu durchaus widersprüchlichen Schlussfolgerungen führen können. So war die DDR vermutlich für viele „halb so schlimm“, weil sie sich mit ihr arrangieren konnten und mussten, wohingegen einige wenige andere Erfahrungen machen mussten. Das Gleiche mag genauso für die Bundesrepublik vor und nach der „Wiedervereinigung“ gelten. Allerdings ist meine persönliche Wahrhnehmung, dass zwar vieles verbesserungsbedürftig ist und manches kaum erträglich, dass ich aber durchaus gute Möglichkeiten habe, meine Kritik einzubringen und mitunter auch umzusetzen. Letztlich würde ich die derzeitige Struktur als „erkaltete“ oder „erstarrte“ Demokratie bezeichnen, die zunehmend unterwandert wird von Populisten und Rassisten auf der einen Seite und leider häufig zu wenig verteidigt wird beispielsweise von egoistischen Politikern ohne Rückgrat oder Bürgerinnen und Bürgern, die zu träge und zu wenig aufgeweckt sind, um zu erkennen, dass Demokratie immer wieder von Neuem erkämpft werden muss. Hoffnungsfroh stimmt mich die Demonstration gegen das Bayerische Polizeiaufgabengesetz (PAG) am 10. Mai, zu der gut 40.000 Menschen auf deie Straße gegangen sind. An ihren Reaktionen merkt man, dass die CSU nun mit dem Rücken zur Wand steht angesichts ihrer Anbiederei bei der AfD und der tatsache, dass ihr nun „die Mitte“ davonläuft auf den Marienplatz, den Odeonsplatz und zu einem Kreuz auf dem Wahlzettel bei wirklich demokratischen Parteien. Möge die SPD daraus lernen, dass Soziale Gerechtigkeit, das Engagement für Freiheitsrechte und Demokratie sowie die Kritik an Überwachung und Repression untrennbar zusammengehören! fjh

  5. Ja ! Genauso ist es. Eigentlich wollte ich sogar zur Münchner Demo fahren, habe es aber zeitlich nicht geschafft. Man kann schon mal in die Vergangenheit schauen, das Wichtige aber findet im Heute statt. Dein Vertrauen in die Demokratie und Politiker ehren Dich und Du hast da halt Deine Erfahrungen. Natürlich ist es toll das man viele Dinge sagen und schreiben kann, die einem früher Ärger eingebracht hätten. Das ist schon ein großer Wert der erhalten und verteidigt werden muss. In den systemrelavanten Fragen glaube ich aber, lassen sich Eliten und Konzerne nicht hineindemokratisieren. Schönes Beispiel der Euro. Den wollten.damals die Wenigsten haben. Oder Auslandseinsätze, da ist die Mehrheit der Deutschen (trotz medialen Dauerfeuers) immer noch dagegen.
    Die gegenwärtige Gefahr die von Populisten und Blendern ausgeht sehe ich auch.
    Die Tendenz zu rechten Ideologien sehe ich auch. Eine große Gefahr für die Welt.
    Vielen Dank für Deine Gedanken und viele Grüße aus dem Vogtland.
    Ronald

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