Gleich an der Grenze abgewiesen: Der Tod des Philosophen Walter Benjamin

Walter Benjamin wurde an der französisch-spanischen Grenze zurückgewiesen. Aus Furcht vor der drohenden Auslieferung an die Nazis setzte der berühmte Philosoph am 26. September 1940 seinem Leben selbst ein Ende.
Horst Seehofer möchte Flüchtlinge direkt an der Grenze zurückweisen. Natürlich will er „nur“ sogenannte „Dublin-Fälle“ abweisen. Benjamin wäre wohl auch solch ein Fall gewesen, würde man eine vergleichbare Regelung zwischen dem besetzten Frankreich und Hitler-Deutschland mit diesem Etikett kennzeichnen.
Haben zigTausende geschichtsbewusster Menschen überall in Deutschland und auch in anderen Ländern umsonst „Stolpersteine“ verlegt? Wie war es möglich, dass die Parolen der Nazis, ihr Hass auf Fremde und ihre widerliche Respektlosigkeit gegenüber Menschenwürde und Humanität heute bis in den Deutschen Bundestag und sogar in die Bundesregierung hinein vordringen konnten? Sind Juden, Roma, Kommunisten und Sozialisten, Christen und Antifaschisten umsonst gestorben, weil die Menschen nicht lernen aus der grausamen Geschichte?
Nicht allein die sogenannte „Alternative für Deutschland“ (AfD) versucht, mit rechtspopulistischen parolen bei primitiven Wählern zu punkten. In vorauseilender Anpassung preschen Seehofer und Bayerns berühmtester AfD-Imitator Markus Söder den Hetzern mit einem gefährlichen „Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz“ (PKHG), einem ebenso verfassungswidrigen „Polizeiaufgabengesetz“ (PAG) und einem – alle christlichen Werte verhöhnenden – Kreuz-Erlass voran. Nun riskiert Seehofer sogar die Große Koalition, um unter Missachtung der im Grundgesetz verankerten Richtlinienkompetenz der Bundeskanzlerin auf Kosten geflüchteter Menschen und eines friedlichen Europas den „harten Macher“ zu geben.
Aber auch in anderen Parteien bis in die Linke hinein fehlt ein klares Bekenntnis zu Humanität und dem Respekt gegenüber dem Grundgesetz. In der politischen praxis werden Grund- und Menschenrecht missachtet, ohne dass das Folgen hätte. Die Menschenwürde – als wichtigste Grundlage im Artikel 1 des Grundgesetzes verankert – wird tagtäglich mit Füßen getreten und oft arrogang beiseite geschoben.
Vom Alltag in einem Hessischen Flüchtlingscamp berichtete eine Geflüchtete mir gestern mit erschütternden Beispielen. Nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) werden Geflüchtete von ihren Kindern getrennt und abgeschoben; das geschieht sogar behinderten Flüchtlingen in einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung.
enn ich Äußerungen wie die von Seehofer oder Hetze gegen Geflüchtete höre, werde ich wütend und traurig. Wenn dem nicht bald Einhalt geboten wird, dann wird mir Angst und Bange um die Zukunft dieses Landes und die Europas.

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4 Kommentare zu “Gleich an der Grenze abgewiesen: Der Tod des Philosophen Walter Benjamin

  1. Pingback: Ein Brandbrief an die Nation | Mein Wa(h)renhaus

  2. Der Vergleich mit der Situation Walter Benjamins ist gut gewählt. Auch die gegenwärtige politische Situation ist brillant erfasst, wie immer bei Dir!

  3. Pingback: Humanität und Empathie: Europäische Werte am Allerwertesten | Franz-Josef Hanke

  4. Pingback: Humanität und Empathie: Europäische Werte am Allerwertesten – hu-hessen.de

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