Der Kategorische Imperativ: Kant ist leider zu unbekannt

„Habe den Mut, Deinen Verstand zu gebrauchen!“ Wie schön wäre es, wenn alle Menschen diese Aufforderung des Philosophen Immanuel Kant befolgten!
Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg geboren. Am 12. Februar 1804 starb er auch dort. Dennoch stimmt die vielfach verbreitete Behauptung, er habe seine Heimatstadt in Ostpreußen niemals verlassen, nicht ganz.
War ist aber, dass er seine profunden Kenntnisse und Erkenntnisse über die Welt fast ausschließlich durch das Studium von Literatur, eigene Beobachtungen der Natur und vor Allem durch Nachdenken erlangte. Kant ist der bedeutendste Philosoph der Aufklärung, der gerade auch heutzutage wieder viel zu sagen hätte. Seine Erkenntnisse sind logisch und zeitlos, doch gerade dadurch immer noch modern.
Dabei war Kant durchaus ein Realist, der in jedem Menschen sowohl Stärken als auch Schwächen ausmachte. Seine Philosophie richtete er jedoch darauf aus, die Menschen zur Entfaltung ihrer Stärken aufzufordern. Deswegen war sein Pessimismus gegenüber der Macht geringer als seine optimistische Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen zum Wohle aller.
Moral und Ethik waren für Kant etwas, das jedem Menschen innewohnt. An der eigenen Vernunft der eigenen Moral sollten sich die menschen ausrichten, um so ein glückliches Lebenmiteinander zu führen.
„Behandle jeden Menschen so, wie Du selber behandelt werden willst“, lautet eine seiner Forderungen. Dieser „Kategorische Imperativ“ fußt auf der Feststellung, dass alle Menschen miteinander die größte Freiheit dann erlangen, wenn sie die Freiheit jedes Anderen respektieren und ihre eigene Freiheit selber dort beschränken, wo sie andere Menschen verletzt.
Diese Verhaltensweise empfahl Kant jedoch nicht nur den Menschen im Umgang miteinander, sondern auch den Staaten. In seiner Schrift „Vom ewigen Frieden“ formulierte er Leitsätze, die der Marburger Jurist Franz-Eduard von Liszt zu Gesetzesvorschlägen ausformulierte, die später die Grundlage der Arbeit des 1922 gegründeten „Völkerbunds“ bildeten.
Die Vereinbarung von Verträgen und die Festlegung von Gesetzen verstand Kant als notwendige Grundlage für eine größtmögliche Freiheit der Entfaltung des Einzelnen. Wer sich auf den Rechtsstaat verlassen kann, kann seine Geschicke planen und darauf bauen, dass ihm in allen Konflikten Gerechtigkeit widerfahren wird.
Gerade diese Missachtung von Gesetzen undd sogar des Grundgesetzes bildet eine der größten Gefahren der derzeitigen Entwicklung des Rechtsstaats. Wenn Behörden missliebige Gerichtsurteile einfach beiseite schieben und übergehen, dann hebeln sie damit die Grundlagen des Rechtsstaats aus.
Gleiches gilt genauso für Internationale Abkommen und Organisationen. Wer „America first“ ruft und sich nicht um andere kümmert, der wird am Ende garantiert das Nachsehen haben. Genau das hat Kant in seiner hellsichtigen Beschreibung der Welt schon vor mehr als 200 Jahren vorhergesagt.
Darum sollten möglichst viele Menschen die Schriften von Kant lesen. Humanität ist nämlich keine Gefühlsduselei angeblicher „Gutmenschen“, sondern Ausdruck kluger Überlegungen zu einer gemeinsamen Zukuft der Menschheit. Der jahrzehntelang propagierte Neoliberalismus hingegen ignoriert Kants Einsicht, dass gesetzliche Reglungen zum Schutze aller unvverzichtbar sind.
Das vermeintliche „Recht“ des Stärkeren a la „America first“ ist in Wahrheit purer Faschismus. Wer darüber nachdenkt, Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken zu lassen oder sie in Flüchtlingslager in Libyen abzuschieben, wo sie versklavt und vergewaltigt werden, ist nicht nur ein Rassist, sondern zugleich auch dumm, weil er anderen Menschen antut, was er selber niemals erdulden würde. Wenn aber Menschen anderen Menschen dergleichen antun, kann daraus Hass und am Ende Krieg entstehen, der letztlich diejenigen trifft, die sich inhuman verhalten haben.
Ohnehin ist die derzeitige „Flüchtlingswelle“ nichts anderes als die lange erwartbare Antwort auf eine ungerechte Weltordnung, auf Waffenexporte und die Ausbeutung der Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Hinzu kommen wird wohl bald noch eine Klima-Migration, die ebenfalls durch den rücksichtslosen Raubbau egoistischer Konzerne an der Natur und die mangelnde Beschränkung umweltschädlicher Wirtschaftsweise durch die Politik verursacht wurde.
Wer sich an Kant hält, der wird sich für multilaterale Regeln zur Begrenzung von Umweltzerstörung und für fairen Welthandel einsetzen. Wer sich an Kant hält, der muss die Vernunft zur Entwicklung praktischer Lösungen zum Wohle aller einsetzen. Wie wichtig wäre es gerade jetzt, Kant vom Staub der achtlos verstrichenen Bibliotheksjahre zu befreien und zur praktischen Vernunft zurückzukehren!
Habe den Mut, Deinen Verstand zu gebrauchen! Behandle jeden Menschen so, wie Du selber behandelt werden willst! Halte Dich nicht an Autoritäten, sondern an das moralische Gesetz in Dir!

Advertisements

2 Kommentare zu “Der Kategorische Imperativ: Kant ist leider zu unbekannt

  1. Pingback: Frag nicht nach Sonnenschein: Die Mondfinsternis dauert zu lange | Franz-Josef Hanke

  2. Pingback: Ekel vor dem Menetekel: Miteinander handeln statt auf dem rechten Pfade wandeln! | Franz-Josef Hanke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s