Stolpern über Stottern: Dieter Thomas Heckt schweigt nun für immer

„Dieter Thomas Hecktisch“ nannten wir ihn wegen seiner schnellen Spreche. Gerade sie aber war das Markenzeichen von Dieter Thomas Heck.
Im Alter von 80 Jahren ist der Showmaster und Schauspieler am Donnerstag (23. August) gestorben. Vor 40 Jahren hätte ich wohl kaum geglaubt, dass ich ihm einmal einen trauernden Nachruf widmen werde. Seine „ZDF-Hitparade“ habe ich immer als „Schnulzenparade“ schmalziger Schlagerkrähen abgetan und dennoch immer wieder angeguckt.
Richtig gut gefallen hat mir Hecker, der ursprünglich den Nachnamen „Heckscher“ trug, aber in seiner Rolle als Moderator im „Millionenspiel“ von Wolfgang Menge. Dort spielte er gewissermaßen sich selbst. Er moderierte eine mörderische Live-Show, bei der der Teilnehmer sich seinen Millionengewinn dadurch verdienen musste, dass er sich der „Köhler-Bande“ unter ihrem Boss Köhler alias Dieter Hallervorden zum tödlichen Abschuss freigab.
Noch besser gefallen hat mir Heck dann bei einer persönlichen Begegnung. In der Berliner „Urania“ feierte die „Aktion Mensch“ (AM) das Gleichstellungsgebot in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes. Heck saß am Nebentisch.
Nach dem Abschluss des Programms war er umlagert von Fans, die ihn um ein Autogramm baten. Freundlich und geduldig redete er mit allen und erfüllte ihre Wünsche. Mit der größten Selbstverständlichkeit und Herzlichkeit sprach er lange und lebendig auch mit seinen Fans mit einer Geistigen Behinderung.
Mein Schulkamerad Roger Willemsen moderierte den Abend. Auf dem Weg zu ihm kam ich auch an Hecks Tisch vorbei. Im Vorübergehen drückte er mir freundlich die Hand, auch wenn ich ihn nicht um ein Autogramm gebeten hatte.
Später hörte ich ein Interview mit Heck im Radio. Er berichtete von seinen Kriegserlebnissen, die ihn als Kind traumatisiert hatten.
Nach einem Bombeneinschlag war er verschüttet. Danach stotterte der kleine Dieter.
Mit riesiger Willenskraft und hartem Training hat er sich das Stottern durch Schnellsprechen abgewöhnt. Darin entwickelte er eine solche Meisterschaft, dass der bald zum schnellsten Sprecher im Deutschen Fernsehen avancierte.
Seine Behinderung indes hat er zeitlebens nie vergessen. Auch wenn er eher konservativ eingestellt war, prägten Mitmenschlichkeit, Humanität und eine liberale Grundhaltung seine Einstellung gegenüber anderen Menschen. So bin ich heute dankbar dafür, wenn auch nur im Vorübergehen die Bekanntschaft dieses großartigen Behinderungsbezwingers gemacht zu haben.

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