#Hambibleibt brutal: Trauer um einen jungen Journalisten

Journalismus ist ein gefährlicher Beruf. Im Hambacher Forst ist ein junger Journalist am Mittwoch (19. September)bei der Ausübung seines Berufs ums leben gekommen.
berichten der Polizei zufolge brach der junge Mann auf einem hölzernen Steg in der Nähe eines Baumhauses durch und stürzte rund 20 Meter in die Tiefe. Zum Zeitpunkt dieses Unfalls haben der Polizei zufolge in der Nähe keine Räumungsmaßnahmen stattgefunden. Desungeachtet ließ NRW-Innenminister Herbert Reul den Polizeieinsatz im Hambacher Forst noch am Mittwoch vorläufig stoppen.
Weitere Quellen berichten, der Journalist habe das Leben der Protestierenden in den Baumhäusern über längere Zeit hinweg dokumentiert. Offenbar war er allen Beteiligten deswegen recht gut bekannt. Umso tiefer sitzt wohl auch der Schock auf allen Seiten.
Ein schönes Zeichen des Respekts vor ihm und seinem journalistischen Engagement wäre vielleicht eine gemeinsame Trauerfeier von Umweltschutz-Aktiven, Polizeibeamten und Journalisten. Genausogut wie den Journalisten hätte es möglicherweise auch jede oder jeden anderen aus diesen drei Gruppen treffen können. Bei aller Konfrontation sollte niemand vergessen, dass alle Anwesenden im Hambacher Forst verletzliche Menschen sind, deren Leben und Gesundheit bei allen Aktionen immer an erster Stelle stehen muss!
Mitunter beschlich mich bei den Berichten aus dem Hambacher Forst ein mulmiges Gefühl. Sie erinnerten mich an Schilderungen über das Hüttendorf gen die Startbahn West Anfang der 80er Jahre bei Frankfurt. So sehr ich gewaltfreien Protest auch in konsequenten Formen mitunter für nötig halte, so wenig gefallen mir Konfrontationen, bei denen die Gesundheit von Protestierenden oder Polizisten bedroht sind.
Gefallen hat mir dagegen eine Polizeimeldung aus Marburg, wonach gefälschte Flugblätter der RWE verteilt wurden, die einen Braunkohletagebau im Stadtteil Cappel und die baldige Räumung der dortigen Häuser ankündigen. Ich empfand sie als eine gelungene Kunstaktion, mit der die Lesenden zu Mitgefühl mit der Bevölkerung im rheinischen Braunkohlegebiet angeregt wurden. Angesichts gelegentlicher Erfolge des Enkeltricks mögen manche Menschen dergleichen zwar ernst nehmen, doch den allermeisten müsste sofort klar sein, dass diese Hauswurfsendung nicht echt sein kann.
Auch wenn der Widerstand vor Ort im Hambacher Forst nun durch ein Todesopfer getrübt ist, sollte aber niemand vergessen, dass die Abholzung eines größeren Waldgebiets und vor allem die Verfeuerung von Kohle in großem Stil ebenfalls Todesopfer fordern. Die Europäische Union (EU) macht den Klimawandel verantwortlich für 200.000 Todesfälle jährlich im Gebiet der EU.
Insofern ist der gierig gefräßige Konzern RWE spätestens jetzt in der Pflicht, seine verantwortungslosen Pläne zur Fortsetzung des Braunkohleabbaus unverzütlich aufzugeben. Eine Zukunft haben Mensch und Natur in Europa nur, wenn sie die Fehler der Vergangenheit nicht mehr weiter fortsetzen, sondern sofort beendigen.

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