Zum Geburtstag von Erich Kästner: Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?

Seine Bücher begleiten mich seit meiner Kindheit. Die Nazis haben sie verbrannt, doch Erich Kästner blieb im Land. Text
„Emil und die Detektive“ besaßen meine Brüder und ich als Schallplatte. „Das doppelte Lottchen“ oder „Pünktchen und Anton“ kannte in meiner Schulklasse fast jeder. In meiner Kindheit war Kästner der König der Kinderbuchautoren.
Michael Ende und Paul Maar sowie Christine Nöstlinger und Gudrun Pausewang kamen erst später zur Rige der prominenten Kinderbuchautoren hinzu. Nur Astrid Lindgren und Ottfried Preußler konnten es mit dem Journalisten, Lyriker und Romancier aus München in den 50er und 60er Jahren halbwegs aufnehmen.
Geboren wurde Kästner am 23. Februar 1899 in Dresden. Er starb am 29. Juli 1974 in München.
Seine Kinderbücher haben mich nachhaltig geprägt. Schon mein Vater war mit ihnen groß geworden und legte sie uns auf den weihnachtlichen Gabentisch oder schenkte sie uns zum Geburtstag. Wichtig waren ihm und meiner Mutter dabei die soziale Haltung seiner Geschichten.
Konsequent erzog Kästner seine junge Leserschaft zu Solidarität und Mitgefühl. Mitunter merkte man dabei den „erhobenen Zeigefinger“, doch waren seine Geschichten für uns spannend und einfach nur schön. Gerne las ich Kästners Kinderbücher in meiner Schulzeit.
Sppäter entdeckte ich dann seine politischen und literarischen Gedichte. „Kennt Ihr das Land, wo die Kanonen blühn?“, fragte er mit bedrohlichem Unterton und beschrieb sehr eindringlich das Deutschland der Untertanen und Militaristen, die vor der Obrigkeit strammstehen. „Die Entwicklung der Menschheit“ karrikiert die Zivilisation durch immer mehr Technik, die am Ende doch wenig Kultur verheißt.
Seine „Sachliche Romanze“ hingegen ist von völlig anderer Art. Hier beschreibt er in ergreifender Weise eine Liebe, die „abhanden gekommen“ ist wie „ein Schirm oder Hut“.
Kästners Roman „Fabian“ hat mich gefesselt und zugleich berührt. Er schildert eine Liebesgeschichte und beschreibt – wie nebenbei – den aufzihenden Faschismus. Am Ende zählt die Liebe hier weniger als Geld und Ruhm.
Berühmt sind auch seine „Drei Männer im Schnee“, die als Film weltbekannt wurden. Weniger bekannt ist sein „Kleiner Grenzverkehr“, der – wiederum ganz nebenbei – die Probleme eines Deutschen während des Hitler-Faschismus bei der Ausreise ins damals noch nicht besetzte Österreich schildert. Beide Geschichten sind Verwechslungskomödien mit einer entzückenden Liebesgeschichte.
Die Liebe zu seiner Mutter war wahrscheinlich Kästners größtes Problem. Ihretwegen wollte er Deutschland nicht verlassen, obwohl er dabeiwar, als seine Bücher am 10. Mai 1933 verbrannt wurden.
Nach Kriegsende kämpfte Kästner in München gegen das Wiedererstarken obrigkeitsstaatlicher Tendenzen. Der überzeugte Pazifist setzte sich gegen die „Wiederbewaffnung“ und die Atompolitik des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer ein. Während seine Bücher eine riesige Verbreitung erfuhren, konne sich seine klare antifaschistische Haltung aber leider nur wenig durchsetzen in der Bundesrepublik.
„Das fliegende Klassenzimmer“ wurde genauso verfilmt wie seine alten Kinderbuh-Klassiker. In den Verfilmungen der 50er Jahre sitzt der Autor noch selbst als Erzähler oben am Bildrand auf einem Lehnstuhl und liest den Zuschauenden mit seinem leichten sächsischen Einschlag seine weltberühmten Geschichten vor. Alle späteren Verfilmungen kommen für mich nicht an diese wunderbaren Filme heran, die den Geist des großen Dichters und Erzählers atmen und seine Stimme der Nachwelt überliefern.

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