Alaaf: Heute ist Weiberfastnacht

Heute ist Weiberfastnacht. Die 5. Jahreszeit kocht ihrem Höhepunkt entgegen.
Zentren der Weiberfastnacht sind Beuel und Düsseldorf. Aber auch in anderen Gegenden des Rheinlands beginnt mit dem Weiberfastnacht der Straßenkarneval. Die Jecken gehen auf die Straße und lassen ihrer Lebensfreude freien Lauf.
In Beuel regieren heute die „Möhne“. Das ist das rheinische Wort für „Waschweiber“. In Bonns größtem rechtsrheinischen Stadtteil werden sie angeführt von der „Obermöhn“ und der „Wäscherprinzessin“.
Sie haben am Weiberfastnacht das Sagen. Männer müssen den Anweisungen der Frauen folgen. Damit werden die traditionellen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern wenigstens an einem Tag im Jahr einmal umgekehrt.
Zurück geht die Weiberfastnacht auf die traditionelle Rolle Beuels als Wohnort der Wäscherinnen. Sie besorgten den feinen Herrschaften in der linksrheinischen Universitätsstadt Bonn die Wäsche. Dafür mussten sie den Rhein überqueren, über den damals noch keine große Brücke führte.
Unter der französischen Besatzung durch die Truppen Napoleon Bonapartes kam im Rheinland der Karneval auf. Die Rheinländer zogen sich Phantasieuniformen an und parodierten das verhasste Militär. Sie machten sich lustig über militärischen Drill und das stundenlange Exerzieren, indem sie selber Garden aufstellten und die militaristischen Rituale nachäfften.
Vor allem nach dem Abzug der Franzosen und der Übernahme des Rheinlands durch preußische Truppen bekam das parodistische Exerzieren immer mehr satirische Schärfe. „Seid so gut und tut das“, forderten die Kommandeure der Garden in gemächlichem Sprechtempo ihre Gardisten auf, die sich danach ann erst langsam rührten. „Passt aber auf den Säbel auf, damit nur ja nix passiert!“
Leisten konnten sich die schicken Gardeuniformen freilich nur wohlhabende Bürger, die sich dann auch in den Karnevalsgarden zusammentaten. Für das Karnevalswochenende und den darauffolgenden „rosendde Moondaach“ – heute als „Rosenmontag bekannt – und den Karnevalsdienstag wurden die Uniformen aus der Truhe geholt, gereinigt und dann angezogen. Erledigen mussten die Reinigung der verstaubten Kostüme die Wäscherinnen rechtzeitig zu Beginn des Karnevals.
Um selber in Ruhe Fastnacht zu feiern, trafen sie sich am Donnerstag vorher in ihrem Wohnort Beuel. Dort ließen die Wäscherinnen so richtig die Sau raus. Auf die Schippe nahmen sie dabei vor Allem die arroganten Männer, unter denen sie wohl oft einiges zu leiden hatten.
Allerdings ist die Herrschaft der Frauen an Weiberfastnacht eher eine sanfte und zugewandte als eine gewalttätige. Wenn sich die männer ergeben oder die Weiber ihnen die Krawatte abschneiden, geben sie ihnen jedesmal ein Küsschen auf die wange. Doch Widerspruch dulden die Beuelerinnen an Weiberfastnacht nicht.
Längst ist das närrische Treiben der Möhne in Beuel und Düsseldorf fester Bestrandteil des rheinischen Karnevals. Allerdings ist diese Tradition ebenso bunt wie die Verkleidungen, die im Rheinland zu Karneval obligatorisch sind. Dem „kölschen Jrundjesetz“ nach ist ohnehin klar: „Jeder Jeck is anders.“