Respekt: Rezo hat mehr drauf als CDU und SPD zusammen

Morgen ist Europawahl. Vorher zeigen die meisten Parteien noch eindrucksvoll, für wie blöd sie die Wahlberechtigten halten.
Die CDU unterstellt dem Youtuber Rezo, sein – inzwischen mehr als 5 Millionen mal angeklicktes – Video sei „Üble Propaganda“. Nachdem sie tagelang nicht in die Puschen kam, versucht die Partei nun mit „eigenen Fakten“, die kritischen Aussagen des 26-jährigen Youtubers zu widerlegen. Leider verbreitet sie dabei mehr Falschinformationen als der junge Mann in seinem gut gemachten Video.
Hilflos bietet die CDU dem Youtube-Star einen „Dialog“ an. Den Dialog auf Augenhöhe hätte sie aber am besten in der Öffentlichkeit vor mindestens 5 Millionen Zuschauenden führen sollen statt hinter den Mauern ihres Konrad-Adenauer-Hauses in Berlin.
Rezo kritisiert zwar schwerpunktmäßig die CDU, lässt aber an der Politik der Großen Koalition in Berlin instesamt kaum ein gutes Haar. Die Unterstützung des Drohnenkriegs von der US-Airbase in Ramstein benennt er ebenso wie das offenkundige Versagen der GroKo bei der Klimapolitik Überwachung und Uploadfilter sind ein Zeichen der Inkompetenz etablierter Politik, die Zukunft angemessen in ihre Überlegungen einzubauen.
Die SPD lässt Popstars und sogenannte „Intellektuelle“ antreten, die zur Europawahl Werbung für die gute alte Tante mit dem rosafarbenen Hemdchen machen. Dergleichen lässt bei mir den Eindruck aufkommen, die Partei respektiere die Wahlberechtigten nicht in ihrer eigenen Entscheidung, sondern hoffe auf deren Gefolgschaft gegenüber gewissen „Vorbildern“. Bei mir kommt das an wie ein Rezept aus dem letzten Jahrhundert.
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner riet der Schülerbewegung „Fridays for Future“, die Klimapolitik doch „Profis“ zu überlassen. Diese Aussage war selbst nicht nur in höchstem Maße unprofessionell, sondern zugleich auch ein Schuss ins eigene Knie. Schnell sprangen die Profis aus Wissenschaft und Klimaforschung den Jugendlichen bei, die Lindner so dämlich von oben herab abgekanzelt hatte.
Greta Thunberg und Luise Neubauer haben Recht, wenn sie fordern, dass die Politik die Verantwortung für den Klimaschutz nicht den Schülerinnen und Schülern überlassen darf. Die Parteien, die in den letzten Jahren mitregiert haben, tragen die Verantwortung dafür, dass der Klimaschutz bislang nicht mit der nötigen Konsequenz vorangetrieben wurde. Sie sind nun in der Pflicht, sofort und nachhaltig umzusteuern auf zukunftsweisende Systeme in Verkehr, Werkstoffnutzung, Energiegewinnung, Schadstoffausstoß und zur Begrenzung überbordender Konzernmacht.
Dem JuSo-Vorsitzenden Kevin Künert und Rezo gebührt Dank dafür, dass sie Finger in Wunden gelegt und so eine notwendige Debatte über die derzeit vorherrschende Politik angestoßen haben. Diese Jugend ist wesentlich vorbildlicher als die alten Seilschaften in Politik, Wirtschaft und in manchen Medien. Dank dieser jungen Leute sieht Europa vor dem Wahltag nicht wirklich alt aus.
In vielen Bereichen der etablierten Politik mangelt es hingegen an Respekt gegenüber den Wahlberechtigten. Arrogant treten viele Politiker an, wenn sie Jugendlichen die nötige Erfahrung und Wahlberechtigten das ausreichende Verständnis komplexer Sachverhalte absprechen. Das ist kein Beleg für ein wahrhaft demokratisches Verständnis.
Sicherlich ist Politik das ausdauernde Bohren dicker Bretter. Sicherlich sind viele Zusammenhänge komplexer, als manche Menschen meinen. Das darf aber kein Grund sein, den Stimmberechtigten ihre vom Grundgesetz garantierte Kompetenz abzusprechen.
Vielmehr müssen politisch Verantwortliche Sachverhalten transparent machen. Die Berichterstattung über Politik muss weg von der Hofierung eitler Selbstdarsteller in Berlin und hin zu der Erklärung der Entscheidungsgrundlagen.
Außerdem müssen Politiker aufhören, Arbeitsplätze in den zum Aussterben bestimmten Branchen des Braunkohletagebaus und der Autoindustrie vor der Zukunft zu bewahren, sondern die Natur und die Menschen vor diesen giftigen und zerstörerischen Gierhälsen zu schützen. Jobs wird es in Europa nur geben, wenn sie zukunftsfähig sind. Je früher die Industrie ihre Produktion auf nachhaltige Technologien umstellt, desto konkurrenzfähiger ist sie am Ende.

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Ein Kommentar zu “Respekt: Rezo hat mehr drauf als CDU und SPD zusammen

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