50.000 Euro Strafe für Seenotretter: Wer will da noch nach Italien?

Wer jetzt noch Urlaub in Italien macht, ist entweder Rassist oder ignorant. 50.000 Euro Strafe für Seenotretter will die italienische Regierung verhängen.
Die Vereinten Nationen (UNO) haben die italienische Regierung vor diesem Gesetz gewarnt. Ohne jeden Zweifel verstößt es gegen internationales Recht und die UN-Menschenrechtskonvention. Eine Bestrafung von Seenotrettern ist zutiefst inhuman.
Jede Touristin, die nach Italien aufbricht, sollte sich einmal vorstellen, bei einer Bootsfahrt erlitte sie Schiffbruch und hoffte nun auf Rettung. Doch die Retter, die sich in der Nähe des Boots befinden, dürfen ihr nicht zu Hilfe eilen, weil sie sonst 50.000 Euro Strafe zahlen müssten. Würde sie dann überhaupt noch in solch ein Land reisen, dem ihr Leben nichts wert ist?
Jeder Tourist, der nicht am Meer weilt, kann seine Augen vor diesem Szenario verschließen. Doch tut er dann genau das Gleiche, was Hunderttausende in Deutschland vor 85 Jahren getan haben: Sie haben die Drangsalierung der Juden „übersehen“ oder geflissentlich ignoriert, aber natürlich nicht mitgemacht.
Am Todestag von Anne Frank ist die Quintessenz ihres Tagebuchs wichtig: Adolf Hitler konnte sein faschistisches Terrorregime nicht ohne Helfer und die stillschweigende Duldung Hunderttausender errichten. Der Schwur „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ verlangt heute entschiedenes Handeln gegen jede Form von Rassismus, Faschismus und gegen das geflissentliche Wegsehen.
Unterlassen kommt einem Handeln gleich, wenn es ernsthafte Auswirkungen für die möglichen Opfer hat. Unterlassene Hilfeleistung ist nicht ohne Grund strafbar. Unterlassene Hilfeleistung ist auch im Mittelmeer und auch gegenüber schiffbrüchigen Geflüchteten eine Mordtat.
Das gilt für Politiker wie den Bundesinnenminister Horst Seehofer und seinen italienischen Amtskolegen Matteo Salvini. Beide machen sich – zumindest moralisch – des massenhaften Mordes schuldig. Auch strafrechtlich wäre Salvini nach deutschem Recht sicherlich nicht auf der sicheren Seite.
Die Nazi-Diktatur lehrt jedoch, dass die Menschen die Humanität nicht den Politikern überlassen dürfen. Alle sind verantwortlich dafür, dass Demokratie, Meinungsfreiheit und das Recht auf Leben für alle gelten. Das gilt für Italiener wie für Bürger aller anderen Länder.
Einstehen für Humanität ist eine Bürgerpflicht. Sie verlangt, bei Wahlen keine Parteien oder Politiker zu wählen, die Mitmenschlichkeit und das Recht mit Füßen treten. Sie verlangt, aufzustehen, wenn Freiheit und Demokratie bedroht sind oder Rassismus und Faschismus um sich greifen.
Wer also zum Urlaub nach Italien reist, nimmt das massenhafte Sterben auf dem Mittelmeer achselzuckend in Kauf. Wer nicht gegen diese grausame Unmenschlichkeit aufsteht, der ist letztlich ein Rassist: Er bewertet das Leben von Geflüchtten geringer als das anderer Menschen.
Glücklicherweise gibt es auch in Italien viele aufrechte Persönlichkeiten, die sich dem entgegenstellen. Einer von ihnen ist Leoluca Orlando. IN Palermo zeigt er, wie ein menschlicher Umgang mit Geflüchteten aussieht.
Wer nach Palermo oder in andere italienische Städte reist, deren Bürgerschaft und Bürgermeister dem rassistischen italienischen Innenminister Salvini die Stirn bieten, der unterstützt damit die Humanität und den Widerstand gegen die rassistische Regierung. Wer aber einfach nur Ferien machen möchte, der muss sich klar machen, dass sein Urlaub die Schiffbrüchigen einen sehr hohen tödlichen Blutzoll kostet, weil er damit letztlich die mörderische Politik von Salvini stärkt.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “50.000 Euro Strafe für Seenotretter: Wer will da noch nach Italien?

  1. Pingback: Rassismus tötet: Lehren aus dem Mord an Walter Lübke | Franz-Josef Hanke

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.