Krank: Die Bertelsmann-Stiftung sägt am Gesundheitssystem

Die Bertelsmann-Stiftung hat wieder zugeschlagen. In einer – im wahrsten Sinne des Wortes – vernichtenden Studie stellt der neoliberale Propaganda-Thinktank den Fortbestand von 800 Krankenhäusern in Deutschland in Frage.
Dabei richtet die Stiftung ihren Blick nur auf wirtschaftliche Gesichtspunkte. Doch selbst diese Kriterien betrachtet die Studie nicht umfassend, sondern allein aus dem Blickwinkel von Effizienz und aus der althergebrachten und längst überkommenen Wachstumslogik heraus. Wenn nicht genügend Personal für Krankenhäuser zu finden ist, dann sieht die Bertelsmann-Studie die Lösung in einer Zusammenballung des vorhandenen Personals und weiterer Arbeitsverdichtung anstatt in besserer Bezahlung.
Ganz außen vor bleiben bei dieser Studie offenbar die Bedürfnisse der Betroffenen. Lange Wege zum Arbeitsplatz wurden zumindest in der Berichterstattung nur selten thematisiert. Gleiches gilt in noch stärkerem Maße für die Wege ins Krankenhaus für Krankenbesuche, die für die Heilung meist von enormer Bedeutung sind.
Das kann man nicht mit nachttauglichen Rettungshubschraubern lösen, wie es Verfasser der Studie vorschlugen. Die Ausdünnung der Fläche ist längst zu einem Politikum geworden. Das Grundgesetz fordert „gleiche Lebensbedingungen“ nicht ohne Grund, weil sie die Bedingung für den demokratischen Zusammenhalt in der Gesellschaft bilden.
Die Bertelsmann-Stiftung jedoch betrachtet Kranke als Kostenfaktor und Gesundheit als Ware, mit der man Gewinne erwirtschaften kann. Wenn es zu Engpässen in der Personalrekrutierung kommt, dann ist diese neoliberale Propagandamaschine sogar bereit, das ansonsten immer als Mantra wiederholte Credo von der Konkurrenz, die „das Geschäft belebt“ und „den Märkten“, die „es schon richten“ aufzugeben. Was bei der weiteren Schließung von Krankenhäusern herauskommen könnte, wäre jedoch ein Versorgungssystem, das weder Krisen gewachsen ist noch den Anforderungen der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen an eine menschliche Betreuung und Pflege gerecht würde.
Am besten wäre, die Bertelsmann-Stiftung selbst unterzöge sich einmal einer nachhaltigen Therapie. Behandlungsziel müsste dabei die Ausrichtung des Denkens und Handelns am Gemeinwohl, an Humanität und Solidarität sein.

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