Solidarität mit Opfern von Rassismus: Gegen das mörderische Klima der Hetze

 

Mir ist zum Weinen zumute oder zum Schreien. Ein junger Mann wurde in Wächtersbach in den Bauch geschossen, weil seine Haut dunkler war als meine.
Einige Freunde und Bekannte von mir kommen ebenso wie der 26-jährige Mann aus Eritrea. Ich möchte mir lieber nicht vorstellen, es hätte einen von ihnen getroffen.
Vor dem Anschlag hat der 55-jährige Täter in seiner Stammkneipe mit seinem Mordplan geprahlt. Hinterher kam er zurück und brüstete sich mit seiner Tat. Bei einem Telefonat mit der Polizei kündigte er einen weiteren Mord und dann seinen eigenen Suizid an.
Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken habe der Verdächtige nicht gehabt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Immerhin möchte sie dem aber noch genauer nachgehen.
Fünf legale Waffen hat der Mann besessen. Warum darf ein einziger Mensch legal fünf Waffen besitzen?
Schon das bereitet mir Sorge. Auch die sogenannten „sozialen Netzwerke“ beunruhigen mich. Immer offener zirkulieren dort Hass, Hetze, Rassismus und offen faschistische Ideologien.
Nicht erst der Mord an Walter Lübcke war ein wichtiger Weckruf. Bereits vorher sind zahlreiche Menschen Opfer rassistischer Gewalt geworden. Doch immer noch faseln einige beim sogenannten „Verfassungsschutz“ von „linker Gewalt“ und verharmlosen oder begünstigen Neonazis.
Die Atmosphäre ist nachhaltig vergiftet. Respekt als oberste Tugend im demokratischen Miteinander ist mehr und mehr durch Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohen verdrängt worden.
Nach und nach haben sich die Grenzen des Sagbaren verschoben. Begonnen damit haben einst zahlreiche Talkshow-Auftritte des einstigen SPD-Politikers und Bundesbankers Thilo Sarazin. Dann folgten offene Hetze von Pegida und schließlich der AfD.
Hinterhergelaufen sind diesen Hetzern und Rassisten etliche Politiker verschiedenster Parteien von CDU und CSU über SPD und Grüne bis hin zur Linkspartei. Sie haben das Gerede von der angeblichen „Flüchtlingskrise“ aufgegriffen und für „schnelle Abschiebungen“ oder einen wirksameren „Schutz der Grenzen“ Europas plädiert. So gossen Sie Öl in die Flammen eines brandschatzenden Rassismus.
All diejenigen, die nach wie vor „Härte“ gegen Geflüchtete propagieren, machen sich – ob gewollt oder unfreiwillig – zu Handlangern des Rassismus. In dieser Zeit unbegrenzter Hetze gegen Flüchtlinge ist jede Debatte über Abschiebungen gleichbedeutend mit einem ermutigenden Schulterklopfer für Rassisten. Wer dabei mitmacht, der macht sich mitschuldig für das mörderische Klima xenophober Mordlust.
Dabei gibt es wahrlich Wichtigeres: Nur wenn der Klimawandel schnell aufgehalten wird, werden die Menschen nicht gezwungen sein, in noch viel größerer Zahl ihre Heimat zu verlassen. Die Klimakatastrophe wird zwar in Europa verursacht, wirkt sich aber überall auf der Welt und vor Allem gerade in den benachteiligten Ländern des globalen Südens besonders stark aus.
Rassismus besteht auch darin, die Opfer der kolonialen Wirtschaftsweise Europas sich selbst zu überlassen. Nur gemeinsam werden wir die Klimakatastrophe aufhalten können. Dafür brauchen wir alle Menschen ohne Ansehen ihrer Herkunft und Hautfarbe.

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