Die letzte Frist: Sofort das Klima schützen oder langsam krepieren?

Keiner kann behaupten, er hätte es nicht gewusst: Wer nicht unverzüglich drastische Maßnahmen zum Klimaschutz ergreift, macht sich schuldig am Tod tausender Menschen. Abwarten wirkt hier tödlich.
Im Sommer 2003 starben in Deutschland 10.000 Menschen aufgrund der Hitze. Frankreich verbuchte sogar 15.000 zusätzliche Hitzetote. Das besagen statistische Daten zum Vergleich der Sterberaten in „normalen“ Sommern und dem Sommer des überdurchschnittlich heißen Jahres 2003.
Insbesondere alte, kranke und pflegebedürftige Menschen leiden überdurchschnittlich unter den hohen Temperaturen. Sie trocknen aus und erleiden Beeinträchtigungen bis hin zum Tod. Nichts gegen die Hitze zu unternehmen, kommt einer unterlassenen Hilfeleistung gleich.
Wie laut wäre der Aufschrei, ließe die Bundesregierung Tausende irgendwo auf der Straße sterben? Doch die Hitzetoten sind meist einsame Menschen in Heimen, die oft schon länger krank sind. Oft sind die Pflegenden damit überfordert, ihnen ständig genug Flüssigkeit zukommen zu lassen.
Doch nicht nur menschen, sondern auch Blumen und Bäume sterben im Rekordtempo ab. Ausgedörrte Felder und vertrocknete Wälder geraten in Brand.
Wissenschaftler haben das Pflanzen von Bäumen als geeignete Maßnahme gegen den Klimawandel genannt. Wie aber sollen junge Bäume bei dieser Hitze wachsen? Wie lange wird es dauern, bis genügend Bäume herangewachsen sind, um das Kohlendioxid (CO2) aus der Luft zu binden.
Drastische Maßnahmen zum Klimaschutz sind jetzt unverzüglich vonnöten. Fahrverbote für Autos, das Verbot von Inlandsflügen, die Entlastung der Bahn von der Mehrwertsteuer sowie eine deutliche Steuer auf CO2 sind unverzichtbar.
Lange Debatten über „Freiwilligkeit“ oder angebliche „Vorteile“ eines Handels mit Zertifikaten sind dabei ebenso sträfliche Verzögerungstaktik wie larmoyante Verweise auf mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Die Entscheidung lautet kurz und knapp: Sofort handeln oder bald krepieren?
Mancher mag mir nun eine „überzogene Dramatisierung“ des Problems oder Einseitigkeit vorwerfen. Darauf kann ich nur antworten, dass all diejenigen, die nach wie vor nur diskutieren und immer noch nicht handeln, mehr als 30 Jahre mit genau diesen Debatten verschwendet haben. Als ich vor fast 40 Jahren den Grünen beitrat, war bereits damals die Notwendigkeit raschen Handelns für den Umweltschutz mein Motiv.
Leider haben Karrieristen wie Joschka Fischer den ökologisch orientierten „Fundis“ die Partei entwendet, die auch heute noch den Namen „Die Grünen“ trägt. Als „Realos“ haben sie sich angepasst an eine Politik, die Umweltzerstörung in Kauf nimmt, solange sie mit der „Sicherung“ oder „Schaffung“ von Arbeitsplätzen begründet wird.
Neoliberaler Marktradikalismus und Lobbyismus sind maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass mehr als 30 Jahre nahezu ohne nachhaltige Lösungen ins Land gestrichen sind. Deshalb fehlt mir jetzt wirklich die Geduld, noch länger auf eine zukunftsorientierte Umweltpolitik zu warten. Die Bewegung „Fridays for Future“ hat Recht mit ihrem ungeduldigen Drängen auf umgehende Maßnahmen zum Klimaschutz.
Natürlich muss Klimaschutz weltweit voranschreiten. Doch möglich wird das nur, wenn alle vor Ort dort beginnen, wo sie Einfluss haben. Dazukommen muss dann allerdings auch noch die Solidarität mit denjenigen, die als Opfer kolonialistischer Politik vom Klimawandel betroffen sind, ohne für ihn verantwortlich zu sein.
Einst genoss Angela Merkel den Ruf einer „Klimakanzlerin“. In den nächsten Wochen kann sie beweisen, ob sie als zukunftsorientierte Politikerin in die Geschichte eingehen wird oder wir alle an der Klimakatastrophe eingehen werden.

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