Fifties for Future: Aus der Vergangenheit für die Zukunft

Der Klimawandel fordert die Menschheit heraus wie kaum ein anderes Ereignis zuvor. Mit einer kleinen Serie in meinem Blog möchte ich auf alltägliche Kleinigkeiten aus der Vergangenheit verweisen, die heute bei der Bewältigung der Zukunft helfen könnten.
Dabei sollte niemand meine Rückblicke auf das Leben in den 50er, 60er und 70er oder gar 80er Jahren als larmoyantes Gejammer nach dem „otto „Früher war alles besser“ missverstehen. Einiges war früher wirklich besser; vieles aber haben wir in den letzten 50 Jahren erreicht, was wir gerade mit einer Rückbesinnung auf Werte wie Solidarität, Gemeinsinn und Bescheidenheit bewahren können.
Diese Werte stehen im Mittelpunkt der ersten Folge meiner kleinen Blogserie. Anschließend will ich einzelne Gepflogenheiten aus dem Alltag meiner Kindheit und Jugend hervorholen, die heute möglicherweise hilfreich sein könnten für ein Umsteuern zugunsten von mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
„Solidarität“ war wohl überlebenswichtig in Zeiten des Kriegs und der darauffolgenden Jahre des Mangels. Sicherlich gab es auch in den 40er und 50er Jahren zahlreiche Egoisten, aber viele teilten auch, was sie hatten, um bei nächster Gelegenheit von der Solidarität der anderen zu profitieren.
Wie sich Solidarität im Alltag zeigte, werde ich an einigen Beispielen in den folgenden Beiträgen berichten. Notwendig ist allerdings der Hinweis darauf, dass sie in den Jahren meiner Kindheit und Jugend häufig auch mit sozialer Kontrolle verbunden war. Der Blick über den Zaun in Nachbars Garten war mitunter gepaart mit Einmischung und Bevormundung, eröffnete aber zugleich auch die Möglichkeit zu Unterstützung und Anteilnahme.
„Gemeinsinn“ war das Gefühl der Verantwortung für die gesamte Gemeinschaft. Diese Haltung war die Grundlage für Solidarität. Sie veranlasste die Menschen dazu, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.
Das begann mit dem Achten auf den Zustand von Straßenbäumen und Gehsteigen und endete wieder mit sozialer Kontrolle. Auch hier ist die Grenze wichtig, wie weit das Engagement für die Gemeinschaft und ihre Infrastruktur gehen soll und wo die Privatsphäre beginnt. Doch war es damals vielen Menschen klar, dass ein blühendes Gemeinwesen und ein prosperierender Staat nicht ohne ihr Zutun zustandekommen kann.
„Bescheidenheit“ war die wichtigste Tugend der Generation meiner Eltern und Großeltern. Sie hatten einen oder gar zwei Welttkriege miterlebt und wussten aus eigener Erfahrung um die eigene Machtlosigkeit angesichts der Grausamkeiten in der Welt. Zugleich prahlten sie selten mit ihren Taten zugunsten anderer Menschen, weil Solidarität damals selbstverständlich war.
Beinahe beiläufig berichtete mir mein Vater davon, dass sein Vater zwei Juden vor den Nazis versteckt hat. Näheres darüber erzählte er nie. Das hatte damals geheim bleiben müssen und musste später auch nicht an die große Glocke gehängt werden.
Gelegentlich berichtete er von seinen eigenen Schwierigkeiten mit der Hitler-Jugend. Sein Schulkamerad Horst Ehmke als oberster Hitler-Junge von Danzig verprügelte meinen Vater nach dem Schulunterricht, weil Günter Hanke als Einziger an der Schule nicht bei der Nazi-Jugendorganisation war. „Ich wäre ja gerne dorthin gegangen, aber mein Vater hat es mir verboten“, erklärte er seine Zugehörigkeit zu den katholischen Pfadfindern St. Georg ehrlich.
Ehrlichkeit war während meiner Schulzeit ebenso ein häufig gepriesener Wert wie Verlässlichkeit. Mituntr traf man damals auf zur Schau gestellte Bescheidenheit. Sie gipfelte in der Formulierung „Meine Wenigkeit“, die schon wegen ihrer Länge mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als das kurze „ich“.
Wahre Bescheidenheit ist Ausdruck von Demut. Ihr hat die jahrzehntelange neoliberale Gehirnwäsche größenwahnsinniger Gier in den letzten 30 Jahren mehr und mehr den Garaus gemacht. Das „ich, ich, ich“ ist letztlich der entscheidendde Grund für den fatalen Zustand der Welt.
Kapitalistische Ausplünderung von Mensch und Natur und der ständige Verweis auf „Die Märkte“, die angeblich alles selber regulieren, hat die zerstörerische Privatisierung des Reichtums der Allgemeinheit erst möglich gemacht. Armut in einem reichen Land ist ebenso Ausdruck dieser neoliberalen Ideologie wie die Klimakatastrophe und die Vermüllung der Meere mit Plastik. All dem muss die Menschheit schnell und mutig entgegentreten, wenn sie noch eine bescheidene Zukunft erleben möchte.