Fifties for Future: Sparsamkeit statt Wegwerfmentalität

Sparsamkeit war die wohl wichtigste Tugend der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Ihre Auswirkungen im Alltag der 50er und 60er Jahre stehen im Mittelpunkt der zweiten Folge meiner kleinen Serie zu Strategien von gestern gegen den Klimawandel von heute und morgen.
Hunger und Mangel haben sich tief ins Bewusstsein der Menschen eingegraben, die Krieg und Not noch miterlebt haben. Nichts warfen sie deshalb unüberlegt auf den Müll. „Man weiß ja nie, wozu man es noch brauchen kann“, sagte meine Mutter immer.
Sparen war Vorsorge für schlechtere Zeiten. Die meisten Menschen rechneten damit, dass sie durchaus noch einmal eine Hungersnot oder einen Krieg erleben könnten.
Pullover und Strümpfe strickten viele Leute selbst. Meist waren das Frauen, die dieser Tätigkeit abends beim Radiohören oder Fernsehen nachgingen.
Beim Kauf größerer Gegenstände wurde genau überlegt, was man wozu braucht. Preis und Nutzwert mussten in einem guten Verhältnis zueinander stehen.
Die erste Sofa-Garnitur meiner Eltern vom Jahr 1951 diente meiner Mutter mehr als 50 Jahre lang als ihr wichtigstes Sitz- und Schlafmöbel. Zweimal wurden die beiden Sofas aufgepolstert. Dadurch merkte man ihnen ihr Alter nicht an.
„Unsere Möbel waren so robust, dass unsere Qualität zwar einen hervorragenden Ruf genießt, wir aber nichts mehr verkaufen“ sagte der Vertreter der Herstellerfirma „Himolla“ 1972 dazu. Also baute das bayerische Unternehmen in den Kippmechanismus seiner Fernsehsessel billige Bleche ein, die nach zehn oder zwölf Jahren verbogen und dann einen Austausch nötig machten. Da keine Ersatzteile angeboten wurden, kauften die meisten Kunden daraufhin neue Möbel.
Haltbarkeit war in den 50er und 60er Jahre Bedingung für den Kauf von Gütern. Die Wegwerfmentalität setzte die Industrie erst in den 70er Jahren durch.
Auch eine Wiederverwendung zu völlig anderen Zwecken als dem ursprünglichen war durchaus üblich. Aus Stoffresten entstand Spielzeug für Kinder, oder sie wurden als Putzlappen weiterverwandt. Behältnisse aus Glas oder Holz dienten nach ihrer Entleerung der Aufbewahrung von Lebensmitteln oder anderen Gegenständen.
Das Zimmer meiner Mutter war allerdings vollgestopft mit Sachen, die sie nie wieder benötigen würde. Ihr Trauma vom Hunger, an dem ihre Mutter Anfang der 50er Jahre gestorben war, verfolgte Gudula Hanke bis in den Tod.
Die heutige Wegwerfmentalität könnte vielleicht einer genügsameren Nutzung und der Wiederverwendung wichtiger Rohstoffe weichen. Plastiktaschen oder Verpackungen aus Kunststoff gab es bis in die 70er Jahre hinein kaum. Glas, Keramik oder Holz dienten zum Transport von Lebensmitteln und vielen anderen Gegenständen.
Die Vermüllung der Landschaft war damals sehr gering. Allerdings sahen die Müllhalden grauenhaft aus, weil auch Giftstoffe ohne besondere Vorsicht dorthin gelangten.
Diese Sparsamkeit ist Ausdruck von Bescheidenheit. Ihr hat die jahrzehntelange neoliberale Gehirnwäsche größenwahnsinniger Gier in den letzten 30 Jahren mehr und mehr den Garaus gemacht. Das „ich, ich, ich“ ist letztlich der entscheidendde Grund für den fatalen Zustand der Welt.
Letztlich waren wir froh mit dem, was wir hatten. Genügsam begnügten wir uns mit einem Spielzeugauto und den Kleidungsstücken, die unsere älteren Brüder schon vor uns getragen hatten. Mit meinem zukunftsorientierten Rückblick auf meine Kindheit und Jugend möchte ich zeigen, dass die notwendige Einschränkung alltäglicher Lebensgewohnheiten für den Klimaschutz die Lebensqualität durchaus nicht unangenehm einschränken muss.

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