Fifties for Future: Fleisch nur sonntags und freitags manchmal Fisch

Fleisch war teuer in den frühen 60er Jahren. Viele Familien konnten sich nur sonntags einen Braten leisten.
Das Fleisch kaufte man damals beim Metzger. Der hatte im Dorf ebenso ein eigenes Geschäft wie der Bäcker und der milchmann. Das Sortiment war bei ihnen allen zwar begrenzt, genügte jedoch zur Versorgung mit allem Lebensnotwendigen.
Unter der Woche lebten wir vegetarisch. Auf die Idee, das so zu bezeichnen, kamen wir allerdings nie. Fleischlose Kost an Werktagen war für uns völlig normal.
Fisch gab es alle drei oder vier Wochen an einem Freitag. Ansonsten aßen wir freitags Reibekuchen oder – wie sonst oft auch – die übrig gebliebenen Reste vom Vortag.
Obst und Gemüse kaufte meinem Mutter meist direkt beim Bauern am Ende der Straße. So bekamen wir immer das, was gerade geerntet worden war. Der kleine Bauernhof bewirtschaftete mehrere Felder mit unterschiedlichstem Gemüse von Kartoffeln und Kohlrabi über Weißkohl bis zu Bohnen sowie Obstplantagen mit Kirschen, Äpfeln, Birnen und Pflaumen.
Monokulturen kamen im Rheinland erst in den 70er Jahren auf. Der Erste, der sich ausschließlich auf den Anbau von Erdbeeren konzentrierte, war der Schwiegervater meines Onkels. In den 70er Jahren verkaufte er seine Felder nach und nach sehr gewinnbringend als Bauland und wurde dadurch stinkreich.
Stark angekurbelt wurde die großflächige Landwirtschaft Ende der 60er Jahre mit der sogenannten Flurbereinigung. Bäume und Hecken am Feldrand mussten großflächigerem Anbau weichen. Selbst Straßen wurden begradigt, um die landwirtschaftlichen Flächen besser für den Einsatz großer Traktoren und Mähdrescher nutzbar zu machen.
Der Bauer am Endde unserer Straße besaß einen einachsigen Trecker der Marke „Holder“ mit einem einachsigen Anhänger. Er bewirtschaftete seinen Hof allein. Sein Sohn wollte diese harte Arbeit nicht übernehmen und verkaufte das Anwesen nach dem Tod des Vaters.
Auch in der Landwirtschaft hat die jahrzehntelange Gehirnwäsche von „den Märkten“ allmählich die gesunden Strukturen bäuerlichen Wirtschaftens im Einklang mit der Natur durch größenwahnsinnige Gier ersetzt. Hinzu kamen die immer nachfragestärkeren Supermarktketten, die die Preise für Lebensmittel auf immer niedrigere Niveaus hinunterdiktieren konnten.
In den 60er Jahre gab es zwar auch Supermärkte und Ketten wie „EdeKa“, aber darin empfingen meist selbständige Kaufleute ihre Kundschaft. Mit dem Siegeszug von „Aldi“ Ende der 60er und vor allem in den 70er Jahren ersetzte dann die „Selbstbedienung“ beim Einkauf von – in Plastik verpackter – Ware aus dem Regal die zuvor meist in Papier eingeschlagenen Lebensmittel. Personal wurde abgebaut, nachdem die Kundschaft ihre Ware selbst aus den Regalen nahm und in einen Einkaufswagen legte.
So wurde die verbreitete Sparsamkeit der Kundschaft zum Auslöser für Preisdumping. Das Einkaufsnetz und die Milchkanne verschwanden aus dem Alltag. Milch wurde in Flaschen und später in Tüten verkauft statt aus einem ank unter der Theke, aus dem der Milchmann es in die Blechkanne pumpte.
Natürlich gab es mitunter hygienische Probleme beim Verkauf unverpackter Lebensmittel. Heute jedoch sind die Verpackungen oft gesundheitsschädlich wie beispielsweise PET-Flaschen und Weichmacher in Plastikpackungen. So wäre wohl ein gesunder Mittelweg am günstigsten für Mensch und Natur.
Nicht alles war damals gut, aber auch nicht alles schlecht. Mit diesem zukunftsorientierten Rückblick auf meine Kindheit und Jugend möchte ich zeigen, dass die notwendige Einschränkung alltäglicher Lebensgewohnheiten für den Klimaschutz die Lebensqualität durchaus nicht unangenehm einschränken muss. Fangen wir also an, die Industrialisierung unserer Ernährung zurückzudrängen zugunsten eines Lebbens im Einklang mit Umwelt, Klima und anderen Lebewesen!

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2 Kommentare zu “Fifties for Future: Fleisch nur sonntags und freitags manchmal Fisch

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