Fifties for Future: Nachbarschaftshilfe statt kapitalistischem Gewinnstreben

Nachbarschaftshilfe ist gelebte Solidarität. Sie ist die Urform der vielgepriesenen „Sharing-Ökonomie“.
Auf manchen Dörfern und in einigen Siedlungen ist es auch heute noch üblich, sich gegenseitig mit Werkzeug und anderen Alltagsgegenständen auszuhelfen. Selbst beim Hausbau packen mancherorts die Nachbarn wie selbstverständlich mit an. Allerdings erwarten sie das Gleiche, wenn sie die Unterstützung von Nachbarn benötigen.
Bis in die frühen 80er Jahre hinein besaß längst nicht jeder einen elektrischen Bohrer oder schon gar Akkuschrauber und andere technische Geräte. Dabei waren viele darauf angewiesen, kleinere Reparaturen in Haus und Garten selbst oder mit Hilfe von Nachbarn auszuführen. Doch angesichts der verbreiteten Nachbarschaftshilfe war das meist kein Problem.
Bis 1962 gab es in unserer Straße in Lessenich nur ein einziges Telefon. Nur in Notfällen gingen meine Eltern zum Nachbarn, um seinen Apparat zu benutzen. 1965 dann verdoppelte sich der Anteil von einem Fünftel der Haushalte mit Telefon in einem einzigen Jahr auf 50 Prozent.
Auch Fernsehen schauten viele Anfang der 60er Jahre gemeinsam bei demjenigen Nachbarn, der solch ein Gerät besaß. Mein Vater gehörte seit 1959 dazu. Natürlich war die Glotze bis Mitte der 70er Jahre Schwarz-Weiß.
Die Sinneseindrücke im Garten, auf Feldern und Wiesen oder im Wald waren sehr viel eindringlicher als heute. Deswegen musste auch das Fernsehen sehr viel intensiver unterhalten als heute, um sich dagegen überhaupt durchsetzen zu können. Wer heute alte Filme aus den 40er, 50er und 60er Jahren anschaut, der kann dort oft einen sehr minimalistischen und zugleich hochwirksamen Stil vieler berühmter Schauspieler bewundern.
Die heutige Reizüberflutung gab es noch nicht Unser Spielplatz waren Wiesen und Wald oder die Straße, wo nur alle fünf bis zehn Minuten einmal ein Auto durchfuhr..
Als Kinder teilten wir Regenwürmer, bestaunten Schnecken und bekamen bei Spaziergängen oft Hasen und Füchse oder Rehe und selten sogar einen kapitalen Hirsch zu Gesicht. Nur Wildschweine hielten sich damals fern von Menschen, was in den letzten Jahren immer häufiger anders wird. Wilde Eber und Sauen im Wiesbadener Kurpark, auf der Marburger Stadtautobahn oder in Ockershausen sind vermutlich eine Folge der Zerstörung ihrer angestammten Lebensräume.
53 Prozent aller bekannten Arten sind in den letzten Jahrzehnten ausgestorben. Das ist ein weiterer Weckruf neben dem Mikroplastik selbst auf Gletschern, dem Abschmelzen vieler Gletscher und dem Auftauen des Permafrosts. Die Umweltzerstörung hat dramatische Ausmaße angenommen.
Vor fast 40 Jahren habe ich mich den Grünen angeschlossen, um etwas dagegen zu unternehmen. Einiges ist seither auch geschehen; aber die drängendsten Probleme sind nach wie vor ungelöst. Ein Grund dafür ist die willfährige bis karrieristische Anpassung der Grünen an die machtstrukturen der Politik, ein anderer die korrumpierende und erpresserische Durchschlagskraft des kapitalismus.
Der Rheinische Kapitalismus der Adenauer-Ära und die „Soziale Marktwirtschaft“ von Ludwig Erhard kannten eine strenge Regulierung der Wirtschaft durch den Staat. In den 80er Jahren setzte sich jedoch mehr und mehr der neoliberale Marktradikalismus durch, der „Die Märkte“ wie eine Gottheit anbetete und Kritik am Kapitalismus verteufelte. Genau diese Haltung und die daraus hervorgegangene Politik der Deregulierung sind wesentliche Auslöser der immer weiter voranschreitenden Umweltkatastrophe.
Abschließen möchte ich diese kleine Serie in meinem persönlichen Blog deswegen in der nächsten Folge mit eiigen Überlegungen, wie dem Klimawandel und dem Raubbau an der Natur zu begegnen ist. Dabei will ich einige praktische Punkte ansprechen, die als Anregungen dienen mögen. Sie alle können aber nur dann dauerhafte Wirkung zeitigen, wenn der neoliberale Raubbaukapitalismus nachhaltig in seine Schranken verwiesen wird.
Mein Rückblick auf meine Kindheit und Jugend zeigt, dass wirksamer Klimaschutz die Lebensqualität durchaus nicht unangenehm einschränken muss. Fangen wir also an, eine umfassende Verkehrswende einzuläuten und möglichst weitgehend auf Plastik und unnötigen Müll zu verzichten!

mit mehr Elektromobilität, Rad- und Fußverkehr sowie der Vermeidung unnötiger Massentransporte einzuläuten!

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