Fifteen for Future: Für ein Klima der Humanität

Die Liste der Maßnahmen für einen wirksamen Klimaschutz möchte ich noch um einige Punkte ergänzen. Abschließen möchte ich meine Serie mit einem Ausblick auf eine Ethik nachhaltiger Humanität.
Geeignete Mittel einer umfassenden staatlichen Klimapolitik sind neben Steuern auch Verbote. Dazu zählt ein sofortiges Verbot aller Inlandsflüge ebenso wie ein Verbot der Produktion von Kriegswaffen und nichtmedizinisch genutzter Giftstoffe. Auch Kriege müssen geächtet und die Beteiligung an ihrer Ausbreitung ebenso wie bisher schon Kriegsverbrechen durch internationale Gerichte geahndet werden.
Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotoren dürfen nicht mehr zugelassen werden. Hunderttausende sterben in Europa jedes Jahr an den Folgen des Einatmens von Feinstaub und Mikrofeinstaub. Arbeitsplätze können kein Argument sein, das Sterben von Mensch und Natur weiterhin tatenlos hinzunehmen.
Geschäftemacherei auf Kosten von Natur und Gesundheit muss aufhören. Korruption von Politikern ist hart zu bestrafen. Übermäßiger Reichtum ist gefährlich für die demokratische Gleichheitsvermutung sowie den Zusammenhalt der Gesellschaft und muss deswegen stark besteuert werden.
Kreditinstitute sollten nur noch auf kommunaler oder genossenschaftlicher Ebene und nicht mehr privatwirtschaftlich zur Profitmaximierung betrieben werden. Auch beim Wohnungsbau und in der Lebensmittelproduktion sowie anderen Bereichen sollten Genossenschaften unter Beteiligung der Bewohner und Kunden oder Nutzer an die Stelle privater Gesellschaften treten. Spekulation mit Grund und Boden, der Natur und ihren Produkten, mit Lebensmitteln oder der Gesundheit von Menschen muss unterbunden werden.
Infrastruktur und Daseinsvorsorge gehören in den Besitz der Öffentlichen Hand oder zumindest unter ihre Kontrolle. Privatisierung und Deregulierung sind maßgeblich mit verantwortlich für die Klimakatastrophe. Werbung in Form von Gehirnwäsche gehört ebenso verpönt wie heimtückische Propaganda für neoliberale Positionen der leistungszentrierten Menschenverachtung.
Jeder einzelne Mensch kann seine Marktmacht für den Umweltschutz in die Wagschale werfen. Niemand muss Getränke in gesundheitsschädlichen PET-Flaschen oder Waren in Plastikpackungen kaufen. Der angblich so beliebte „Coffee to Go“ ist letztlich nur die laufende Anpassung an ein ungesundes Diktat von Zeitnot und Hektik.
An der Ladentheke können wir alle uns für klimafreundliche Produkte entscheiden und klimaschädliche Erzeugnisse so aus den Regalen verdrängen. Der Verzehr von Fleisch nur ein- oder zweimal die Woche reicht für die meisten Menschen völlig, um ihren Proteinbedarf zu decken. Wichtig ist jedoch, vegane oder vegetarische Ernährung niemandem aufzuzwingen.
Allerdings muss keiner mit dem Flugzeug Urlaubsreisen in entfernte Länder unternehmen. Zur „Flugscham“ müssen „Kreuzfahrtscham“ und andere Formen gesellschaftlicher Diskreditierung grob umweltfeindlichen Verhaltens hinzukommen. Solche „Freizeitvergnügen“ sind angesichts des Abschmelzens von Gletschern und immer häufiger werdender extremer Wetterereignisse einfach total „uncool“.
Die sogenannten „Märkte“ bedürfen strenger staatlicher Regulation. Meinungsfreiheit und Demokratie bedürfen einer kritischen Auseinandersetzung mit Überwachung durch Großkonzerne und staatliche Stellen. Die ständige Verschärfung der Polizeigesetze in fast allen Bundesländern sowie ihre Anwendung gegen „Klimaretter“ bei den Protesten am Hambacher Forst deuten darauf hin, dass mächtige Kreise überlebenswichtige Proteste mit repressiver Gewalt unterdrücken wollen.
Auch der Umgang mit dem Internet bedarf einer kritischen Reflexion. Gerade die hochgejubelten Systeme Maschinellen Lernens – oft falsch als „Künstliche Intelligenz“ (KI) bezeichnet – verbrauchen gigantische Mengen von Energie. „Seltene Erden“ in elektronischen Geräten werden oft unter sehr problematischen Bedingungen für Mensch und Natur abgebaut. Ein bewusster Umgang mit Handy und dem Worldwide Web wäre wünschenswert.
Ein ganzheitlicher Blick auf die Welt ist unerlässlich, um den Klimaschutz wirksam voranzutreiben. Dazu zählt Empathie mit den Ländern des sogenannten „Globalen Südens“ und ihren Menschen ebensso wie das Eingeständnis, dass die Klimakatastrophe dort seit den Tagen des Kolonialismus fast vollständig in den Ländern des Nordens verursaccht wurde. Die Aufnahme geflüchteter Menschen sollte unabhängig davon eine humane Selbstverständlichkeit sein.
Überlegenheitsphantasien erweisen sich bei kritischer Betrachtung der Klimakatastrophe als überaus irrsinnig. Gerade diejenigen, die ihr Wirtschaftsmodell immer als „überlegen“ preisen, haben die derzeitige misere maßgeblich mit verbockt. Der Kapitalismus ist der kapitalste Fehler der zigtausendjährigen Menschheitsgeschichte.
An die Stelle der Wachstumsideologie und ihrer schier grenzenlosen Gier muss eine Ethik der Selbstbeschränkung treten. Der Respekt vor der Natur ist dabei die Voraussetzung für das gemeinsame Überleben der Menschheit. Wichtig ist dabei das Engagemeent möglichst vieler Menschen für eine lebenswerte Zukunft.
Meine Anregungen sind nur ein Tropfen auf den – leider wahrlich – heißen Stein. Am besten fangen wir jetzt sofort an mit dem Umdenken. Der größte Reichtum jedes Menschen sind letztlich seine Freundschaften, seine Gesundheit und ein glückliches Leben im Einklang mit der Umwelt.

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu “Fifteen for Future: Für ein Klima der Humanität

  1. Pingback: 26,2 zu 23,5 und 32,1 zu 27,5: Brandenburg und Sachsen haben gewählt | Franz-Josef Hanke

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.