Konjunktur im Konjunktiv: Was wäre, wenn Wirtschaft wirklich menschlich wird

Die Wirtschaft schrumpft weltweit. Auch in Deutschland sehen viele traditionelle Ökonomen „unseren Wohlstand“ bedroht.
„Unser Wohlstand“ mag vielleicht der einiger Wirtschaftsvertreter und Politiker sein, aber längst nicht aller Menschen in Deutschland. Außerdem ist dieser „Wohlstand“ von den Menschen in benachteiligten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas geraubt worden. Strukturen des Kolonialismus wirken immer noch fort in der Weltwirtschaft, die sie inzwischen allerdings mit dem freundlicheren Wort „Globalisierung“ verbrämt.
Angesichts der drohenden Klimakatastrophe könnte eine geringfügige Rezession durchaus helfen, die andauernde Überhitzung zu reduzieren. Ständiges Wachstum ist ein unrealistischer Traum weniger reicher Menschen, der in den letzten Jahren immer mehr zum Alptraum vieler anderer in aller Welt geworden ist. Die einseitige Fixierung der deutschen Wirtschaft auf den Export verursacht eine gefährliche Schräglage, die nur durch unökologische Transportwege und die dramatische Ausweitung des Niedriglohnsektors aufrechterhalten wurde.
„Wirtschaft ist das planmäßige a href=“https://fjhmr.wordpress.com/2019/08/19/fifties-for-future-nachbarschaftshilfe-statt-kapitalistischem-gewinnstreben/„>Handeln zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung.“ Diese Definition aus meiner Schulzeit wurde inzwischen längst durch eine andere ersetzt: „Wirtschaften ist das planmäßige Handeln zum Zwecke der Profitmaximierung.“
Spätestens seit Dieselgate und Gammelfleisch könnte man dem Adjektiv „planmäßig“ noch eines der Wörter „rücksichtslos“, „skrupellos“ oder „kriminell“ voranstellen. Jedenfalls ist der Raubbau an Mensch und Natur immer unverhohlener zutage getreten, wenngleich er dem kapitalistischen Wirtschaftssystem bereits seit seinen Anfängen im frühen 19. Jahrhundert innewohnt. Doch immer mehr korrumpiert er Politik und Medien, die seine Wachstumspropaganda kritiklos weiterverbreiten.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre hat der sogenannte „Shareholdervalue“ in Deutschland den „Rheinischen Kapitalismus“ verdrängt. Die renditeorientierte Profitmaximierung ging einher mit der neoliberalen Propaganda von den „Märkten“, die angeblich „alles richten“ und in die der Staat nicht eingreifen dürfe.
Dabei hatten sich in der Bundesrepublik gerade erst Alternativen zur kapitalistischen Wirtschaftsweise verbreitet. Sogenannte „Selbstverwaltete Betriebe“ griffen auf genossenschaftliche Gesellschaftsformen innerbetrieblicher Demokratie zurück. Bereits seit gut 100 Jahren haben Genossenschaften vor allem im Wohnungswesen und bei Kreditanstalten ihre Stärken und Schwächen innerhalb eines kapitalistischen Systems gezeigt und sich dabei großenteils gegen widrige Rahmenbedingungen behauptet.
Mit dem Aufkommen der Grünen kam zusätzlich das Modell einer „Kreislaufwirtschaft“ in die Diskussion. Sein Wirtschaften beschränken Eingriffe in die Natur und deren Kreisläufe, die unumstößliche Grenzen wirtschaftlichen Handelns setzen. Der neoliberalen Propaganda von den „freien Märkten“ stand dieses Modell unversöhnlich gegenüber.
Allerdings hatte der „Club of Rome“ bereits 1972 „Die Grenzen des Wachstums“ aufgezeigt. Doch seine Warnungen schrieben die Profiteure des Raubbaukapitalismus ebenso in den Wind wie die vieler anderer Umweltschützer und Wissenschaftler. Spätestens seit Mitte der 80er Jahre war das Menetekel der Klimakatastrophe überdeutlich erkennbar, das Ende der 70er Jahre bereits die Gründung der Grünen ausgelöst hatte.
„Die Grünen“ wurden jedoch korrumpiert und mit einer Beteiligung an der Macht in Ländern und Bund ruhiggestellt. Einige grüne Zierpflänzchen schmückten fortan die Fassaden von Ministerien und Unternehmen. Bioprodukte und Ökolandbau traten ihren Weg in die Regale klassischer Supermärkte an.
Die Zerstörung der Natur wurde und wird jedoch weiterhin fortgesetzt. Braunkohletagebau im Osten und Westen von Deutschland oder das Abbrennen des Regenwalds im Amazonas bedrohen das Überleben der Menschheit, während deren Profiteure die Gefahren leugnen und über den Erhalt von Arbeitsplätzen diskutieren.
Eine Umstellung der Wirtschaftsweise auf nachhaltigere Produktionsverfahren ist zwingend. Dazu bedarf es allerdings auch einer Änderung der Strukturen. Multinationale Großkonzerne müssen in ihrer Macht beschnitten und notfalls zerschlagen werden.
Unternehmen müssen einer strengen Regulation durch eine umweltorientierte Gesetzgebung unterliegen. Infrastruktur und Daseinsvorsorge gehören in öffentliche Hand. Wohnungswesen und Kreditinstitute müssen genossenschaftlich organisiert werden.
Spekulation mit ‚Grund und Boden, Lebensmitteln und mit der Natur ist zu unterbinden. Privateigentum muss auf eine Größenordnung beschränkt werden, die ein einzelner Mensch überblicken kann. Dreistellige Millionenbeträge können kein zulässiges Privateigentum sein, da sie kaum auf ethisch vertretbare Weise selbst erworben worden sein können.
Wirtschaft muss der Befriedigung von Bedürfnissen dienen. Sie muss die Natur und die Menschen respektieren. Das Primat von Mensch und Natur sowie der Politik vor der Wirtschaft muss sichergestellt werden.
Diese Forderungen klingen revolutionär. Man könnte sie teilweise auch im „Kapital“ von Karl Marx vermuten. Einige davon findet man jedoch auch in den Ausführungen von Ludwig Erhard über die „Soziale Marktwirtschaft“.
Ihre rasche Umsetzung ist unverzichtbar, wenn die Menschheit auf der Erde überleben will. Das ist leider keine Panikmache, sondern eine realistische Sicht auf die Dinge. Wer weiterhin am neoliberalen Turbokapitalismus mit seinem Wachstumszwang und seiner religiösen Marktideologie festhält, der hat jeden tragfähigen Grund unter den Füßen verloren.

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3 Kommentare zu “Konjunktur im Konjunktiv: Was wäre, wenn Wirtschaft wirklich menschlich wird

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