Vor 80 Jahren: Der Sturm auf die Westerplatte beginnt den 2. Weltkrieg

Den Sturm auf die Westerplatte am 1. September 1939 hat mein Vater als zwölfjähriger Junge miterlebt. Häufig hat er mir davon erzählt.
Günter Hanke berichtete von fernem Donnergrollen frühmorgens in der Stadt und den Salven der Kanonen des deutschen Kriegsschiffs „Schleswig Holstein“ auf die Hafenanlagen. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs lebte die Familie meines Großvaters Augustinus Hermann Hanke in Danzig. 1945 forderten russische Offiziere meine Großvater mit großem bedauern auf, die Stadt zu verlassen.
Mit starker Anteilnahme las mein Vater den Roman „Die Blechtrommel“ seines Sportkameraden Günther Grass. Fasziniert sah er sich später die Verfilmung des Romans von Volker Schlöhndorff an. Die Vorgänge rund um die „Polnische Post“ in Danzig hatte auch mein Vater hautnah miterlebt.
Krieg und Vertreibung sowie das Erlebnis der Verfolgung durch die NS-Diktatur verfolgten ihn zeitlebens als Trauma. Auch wenn er selbst nie an der Front kämpfen musste, so hatte er Angriffe britischer Kampfflugzeuge auf Flüchtlingskolonnen und andere Kriegsverbrechen mit ansehen müssen.
„Kriegsverbrechen hat es auf allen Seiten gegeben“, betonte er wiederholt. „Allerdings haben die Nazis mit ihrem "Totalen Krieg" debn Anfang damit gemacht.“ Drei – aus heutiger Sicht mitunter gegensätzlich erscheinende –
Grundhaltungen haben meinen Vater zeitlebens geprägt: Er liebte seine Heimatstadt Danzig. Außerdem war er ein überzeugter Antifaschist und ein Anhänger von Völkerverständigung als gelebter Pazifismus.
Meine pazifistische Haltung verdanke ich nicht zuletzt auch intensiven Gesprächen mit meinem Vater undmit meinem Großvater mütterlicherseits. Josef Esser erzählte mir von seinen Fronterlebnissen beim 1. Weltkrieg. Daneben haben mich auch meine Lehrer Dr. Alfred Bergener und Gottfried Röber sowie viele andere Menschen nachhaltig in meiner pazifistischen Überzeugung bestärkt.
Krieg ist ein Verbrechen gegen Menschen, Natur und Kultur. Die Anstachelung oder Beteiligung daran muss ebenso unter Strafe stehen wie entsprechende Tatbeiträge bei einem Mord. Das gilt auch für die Beschaffung von Waffen.
Die Beendigung aller Kriegseinsätze weltweit ist ein wichtiger Baustein für einen wirksamen Klimaschutz. Sie ist aber auch eine moralische Pflicht zum Schutz unschuldiger Menschen. Schließlich mag sie manche auch davor bewahren, vor Kampfhandlungen, Hunger oder gefährlichen Seuchen flüchten zu müssen.
Am 80. Jahrestag des Kriegsbeginns plädiere ich deshalb für eine pazifistische Politik weltweit. Wer diese Forderung als „unrealistisch“ oder „idealistisch“ abtut, sollte sich überlegen, wie unrealistisch die Erwartung ist, mit Hilfe von Kriegen etwas zu gewinnen. Keiner kann einen Krieg gewinnen, sondern alle können dabei nur verlieren.