Ein schlimmer Jahrestag: 9/11 war der Anfang vom Ende

Heute ist der Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. „9/11 – nicht schon wieder!“, war meine erste Reaktion. Doch dann habe ich kurz darüber nachgedacht, wie diese Anschläge die Welt verändert haben.
Sie und vor Allem die beklemmenden Bilder der Flugzeuge, die in die „Twin Towers“ hineinfliegen, haben die Welt verändert. Sie habben eine Spirale von Gewalt und Hass, von Angst und Aufgabe von Demokratie in Gang gesetzt. Ohne „9/11“ wäre weder Donald Trump im Weißen Haus noch die AfD in Deutschland denkbar.
Vor den Anschlägen lebten Türken in Deutschland völlig unbeachtet ihr Leben und gingen in ihre Moscheen. Kaum einen kümmerte das. Sie waren da, aber nicht wirklich wichtig.
Seither wurde der Islam mehr und mehr zum Thema. Mohammed war nun nicht mehr ein Prophet aus einem alten Buch, sondern entweder die willkommene Begründung für Terror oder für für Terrorverdacht. Der Islam wurde zu einer Quelle von Propaganda oder Gegenpropaganda.
Der Krieg in Afghanistan hat die deutsche Bundeswehr zu einer Kampftruppe gemacht. Aus der Verteidigungsarmee zum Schutz der Grenzen Deutschlands wurde eine Kriegsarmee, die „Deutschland am Hindukusch verteidigt“, wie es der damalige Minister Peter Struck zur Begründung des Militäreinsatzes sagte.
In rascher Folge jagte ein „Otto-Katalog“ den nächsten. All diesen Gesetzesvorhaben des Bundesinnenministers Otto Schily war die Einschränkung von Bürgerrechten zugunsten einer angeblichen „Sicherheit vor Terror“ gemein. Doch sie alle reichten ihren Urhebern nicht aus, um nicht schon wenig später noch schärfere Überwachungsgesetze zu erlassen.
Bürger- und Freiheitsrechte waren weniger wert als zuvor. Die Angst vor dem Terror regierte. Die Reaktion kochte darauf ihr undemokratisches Süppchen und rückte dabei immer weiter in die „Mitte der Gesellschaft“ hinein.
Am Ende der Entwicklung steht ein Erstarken rechtsradikaler Bewegungen in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Rechte Gruppierungen und Parteien in Deutschland wie die „Republikaner“ können sich nach vorherigem Schwächeln wieder berappeln.
Auf den Krieg in Afghanistan folgen weitere „Kriegge gegen den Terror“ im Irak und Libyen sowie schließlich in Syrien. Sie alle vertreiben Hunderttausende aus ihren sicheren Dörfern und Städten nach Europa. Ihren vorläufigen Höhepunkt hat die Migration im Sommert 2015 erreicht.
Das anfangs hilfsbereite Klima in Deutschland schlägt allmählich um. Lügengeschichten über angebliche „Gewalttaten von Flüchtlingen“ stärken die rechtspopulistische AfD. Besonders in den östlichen Bundesländern verfügen viele Menschen icht ausreichend über positive Erfahrungen mit Menschen aus den Herkunftsländern der Geflüchteten und gehen der AfD-Hetzpropaganda auf den Leim.
All das sind Folgen von „9/11“. All das sind Folgen verfehlter Politik. All das sind aber auch Folgen unzureichender Gegenwehr gegen den Abbau von Demokratie und gegen Panikmache rechtspopulistischer Propagandisten.

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