Weichenstellung Anfang der 60er Jahre: Der Bach wurde begradigt

Das Dorf war längst zur Stadtrandsiedlung geworden. Doch Kirche, Schule und Feuerwehrhaus sowie der „Gasthof zur Linde“ bildeten immer noch den kulturellen Mittelpunkt.
Im Herbst und im Frühjahr trat der Bach gelegentlich über die Ufer. Dann rückte die Freiwillige Feuerwehr an und pumpte die Straße leer und die Keller der benachbarten Häuser trocken. Einige Häuser konnte man dann nicht mehr erreichen, denn sie waren nur durch schmale Brücken über den bach mit der Straße verbunden.
Später wurde der Bach kanalisiert. Auf gut 150 Metern Länge verschwand er in einer Betonröhre. Sie führte quer unter der Straße hinweg.
Vorher war der Bach erst auf die Straße zugelaufen und dann in einer scharfen Kurve parallel zu ihr weitergeflossen, bevor er eine weitere Kurve unter der Straße hindurch und dann am Pfarrgarten entlang nahm. Auf dem Stück entlang der Straße standen zwischem dem Bach und der schmalen Straße alte Pappeln. Das war ein malerischer Anblick gewesen.
Doch mit dem offenen Bach verschwanden zugleich auch die Bäume. Die jährlichen Hochwasser verschwanden allerdings auch.
Nun war alles ordentlich in Beton gegossen. Nach und nach wurde das freie Feld auf der anderen Straßenseite bebaut. Allmählich wucherte die Landschaft zwischen Lessenich und Duisdorf ganz zu mit Reihenhäusern.
Die Natur verschwand. Die Menschen machten sich Bäche und Felder oder Wiesen so zurecht, wie sie sie brauchten. Wege wurden geteert und allmählich breiter ausgebaut.
Die Feder wurden weniger. Die verbliebenen Flächen mussten nun mehr Ertrag erbringen. Die Bauern spritzten Gift auf die Äcker und hackten die Büsche am Feldrand weg.
Schmetterlinge und Regenwürmer verschwanden. Das Grün war nun immer kurzgeschoren und gepflegt. Der stinkende Bauernhof am Ortsrand wich einer Siedlung uniformer Mehrfamilienhäuser.
Wer hätte damals geglaubt, dass diese schöne neue Kulturlandschaft am Rande der Bundeshauptstadt Bonn gute 50 Jahre später zum Sinnbild eines Problems werden könnte? Der „vernichtende“ Umgang mit der Natur zerstört die Lebensgrundlagen der Menschen im 21. Jahrhundert. Die Klimakatastrophe hat damals bereits begonnen.

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