Sprache ist Ausdruck des Geistes: Armut der Sprache bringt geistige Armut

Früher waren „das Selbe“ und „das Gleiche“ nicht das Selbe. Neurdings darf man „das Selbe“ und „das Gleiche“ aber gleichsetzen. So verarmt die Sprache immer mehr.
„Hinaus“ und „heraus“ kennzeichneten zwei verschiedene Richtungen. Gleiches galt für „hinauf“ und „herauf“. Heute heißt es vielfach aber nur noch „raus“ und „rauf“.
„Anmut“ und „Schönheit“ steckten in dieser Sprache ebenso wie „Eleganz“ und „Eloquenz“. Viele verschiedene Sach- und Tatbestände ließen sich auf Deutsch sehr vielfältig ausdrücken. Doch immer mehr verkümmert diese sprachliche Vielfalt zu einer intellektuellen Armut.
Gerade die Differenziertheit der deutschen Sprache war ihr Reichtum. Sie verlangte den Sprechenden viel Differenzierungsvermögen ab. Deutsch war wirklich eine schwere Sprache.
Doch genau das Differenzierungsvermögen wurde beim Sprechen und Schreiben immer wieder trainiert. Differenziertes Denken ist deswegen eng verknüpft mit der guten Bewältigung der deutschen Sprache.
Deutschland als „Volk der Dichter und Denker“ verdankte seine Geistesgrößen der differenzierten Sprache. Philosophie und Wissenschaften gediehen gut auf Deutsch.
Angriffe auf das differenzierte Denken begannen indes schon früh. Zwei Weltkriege beraubten die deutsche Sprache ebenso wie der mörderische Kolonialismus und die industrielle Mordmaschinerie der Shoa ihrer Unschuld. Die „Lingua tertii Imperii“ (LTI) benutzte sublime Gleichsetzungen zur Propaganda gegen Juden, Roma und Sinti oder Kommunisten.
Nach dem Holocaust schworen die Deutschen voller Reue und Entsetzen: „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ Doch mit immer größerem Abstand von den Greueltaten wurde die Vernebelung durch Sprache wieder zur alltäglichen Gepflogenheit von Werbund un Politik, die „Deutschland am Hindukusch verteidigt“ hat.
Aus Trägheit und Kurzatmigkeit verkürzen viele die alltägliche Sprache. Die Hektik des Internetzeitalters und die Verkürzung der Nachrichten führt auch zu einer Verkürzung der Sprache und ihrer vielen verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten.
Wer aber die Sprache verkürzt und ihrer Differenzierungsvarianten beraubt, der stiehlt den Menschen damit intellektuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Mit der Vereinfachung der Sprache droht am Ende auch die Vereinfachung des Geistes. Dem sollte jede kluge Sprachanwendung vorausschauend entgegentreten.

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