Extrem ungesund: Was hat Neoliberalismus mit Hanau und Volkmarsen zu tun?

Diese Welt wird immer verrückter. Allein in Hessen gab es innerhalb von fünf Tagen zwei durchgeknallte Gewalttaten.
Fast 60 Menschen verletzte ein 29-jähriger Autofahrer am Montag (24. Februar) im nordhessischen Volkmarsen. Sie hatten den Rosenmontagszug besucht und wollten dort nur ihrer Freude am Karneval Ausdruck verleihen. Mit seinem Wagen raste der Mann an einer Absperrung vorbei gezielt in die Menschentraube am Zugweg und verletzte dabei auch 18 Kinder.
Neun Menschen und seine eigene behinderte Mutter erschoss ein durchgeknallter Rassist am Mittwoch (19. Februar) in Hanau. Sie wollten in einer Bar entspannen und nur ihren Feierabend genießen. Sie alle stammten aus Familien mit Migrationserfahrung.
„Rassismus ist ein Gift“, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz nach dem Anschlag von Hanau gesagt. Damit hat sie Recht. Allerdings ist dieses Gift auch in einer Tinktur enthalten, die den Namen „Neoliberalismus“ trägt.
Grenzenlose Gier und extremer Egoismus sind die Leidsätze dieser menschenverachtenden Ideologie. An die Stelle von Mitmenschlichkeit und Solidarität setzt sie Eigennutz und Geschäftemacherei. Prahlerei erhebt sie zu einer angeblich „wichtigen“ Tugend, während Demut aus dem neoliberalen Wörterbuch schon gestrichen wurde.
Die Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten lässt sie rücksichtslos allein. Das „Helfersyndrom“ erklärt sie zu einer Krankheit, weil angeblich jeder sich selbst helfen solle.

Neoliberalismus ist die neue Erscheinungsform von Ausbeutung und Kapitalismus. Mensch und Natur werden zu „Kostenfaktoren“ oder „Wertschöpfungsquellen“ Das „Humankapital“ wird durch andauernde Gehirnwäsche dazu überlistet, ohne Gegenwehr bereitwillig mitzumachen bei der eigenen Vernichtung.
Klimawandel und Insektensterben, Umweltvergiftung und Kolonialismus sind die Folgen dieser neoliberalen Wirtschaftsweise. Kapitalismus tötet nicht nur mit Waffenproduktion und Krieg, sondern auch mit Naturzerstörung und Umweltkatastrophen sowie Giften und dadurch ausgelösten Krankheiten. Allmählich können selbst die Begriffsstutzigsten erkennen, dass es so nicht mehr weitergehen kann.
Doch die Profiteure der neoliberalen Ausplünderung bestechen Politiker und Parteien, trotzdem weiterzumachen im Interesse der gierigen Geschäftemacher. Klimaleuggner und Rechtspopulisten erhalten viel Kohle von ihnen. Geld regiert die Welt und dirigiert sie in den Abgrund hinein.
Was einst mit dem faschistischen Etikett „lebensunwertes Leben“ herabgewürdigt wurde, taucht nun im rassistischen „wir“ und „die da“ wieder auf. „Deutsche“ und „Ausländer“ zu unterscheiden, ist ebenso gefährlich wie die gebetsmühlenartige Wiederholung von „Leistung“ als angebliche Wertbestimmung von Menschen. Wer in Thüringen den Parlamentarismus mit zerstörerischen Intrigen an die Wand fährt, der hat als Partei nichts in demokratischen Parlamenten verloren!
Gesund ist die Ausgrenzung von Menschen nie. Demokratie als die beste aller bekannten Regierungsformen geht von der Gleichheitsvermutung aus, wonach alle Menschenmit den selben unveräußerlichen Menschenrechten geboren werden. Diesen Menschenrechten steht der zügellose Turbokapitalismus unvereinbar entgegen.
Darum ist nun Solidarität wichtiger denn je. Das ist sowohl die Verantwortung für Mitmenschen in der direkten Nachbarschaft als auch die Sorge um eine gerechtere Verteilung der Güter weltweit. Die Menschheit muss sich rasch auf den Weg machen hin zu einer friedlichen, gewaltfreienund gerechteren Weltordnung.