Hektik am Handy: Flucht vor dem Leben

Viele Leute rennen vor ihrem Leben davon. Bis zum Überquellen beladen sie es mit Nichtigkeiten und Stress.
Unentwegt starren sie auf ihr Handy in der Hoffnung, nur ja nichts zu verpassen. Dabei verpassen sie jedoch das Allerwichtigste: Mitgefühl und echte Freundschaft finden sie auf dem Bildschirm eher nicht.
Zwar behauptet Facebook, man könne dort „Freunde“ finden, aber der Tonfall auf diesem angeblichen „Sozialen Netzwerk“ ist alles andere als sozial. Angeberei, Hass und Hetze oder Neid prägen viele Profile und Postings dort.
Eine Dreiviertelstunde still auf dem Balkon zu sitzen und dabei dem Zwitschern der Vögel zuzuhören, betrachten viele als „Zeitverschwendung“. Sich an der Sonne im Frühling zu freuen und einmal zu schweigen, fällt vielen vverdammt schwer. Als das größte Glück betrachten viele Geld und Ruhm, dem sie hastig hinterherrennen aus lauter Gier.
Freundschaft und Gesundheit als Glück zu erkennen, bedarf einer gelasseneren Haltung und weniger Hektik. Wer weiß, was Armut ist und Einsamkeit, der kann sich vielleicht schon mit weniger begnügen als einem prall gefüllten Portemonnaie. Wer Flucht und Vertreibung erfahren hat, weiß wirklich, wie wichtig ein Dach über dem Kopf und vier Wände zum Schutz vor Kälte und Regen sind.
Viele vergessen vielleicht, dass sie irgendwann sterben müssen und ihre Zeit davor nicht unendlich ist. Das Leben mit lieben Menschen gemeinsam zu genießen, wäre wohl der klügste Umgang mit der knappen Lebenszeit. Stattdessen versäumen manche aber ihr eigenes Leben, weil sie den Zerrbildern von Werbung und Wahnvorstellungen folgen.
Demut ist aus der Mode gekommen. Wehmut wird nurnoch als „Schwäche“ abgetan. Doch Mut entsteht zwischen Demut und Übermut, wie einst der Dichter Theodor Fontane schrieb.