Kriegskinder kennen den Hunger: Man weiß ja nie, wozu man´s noch braucht

Meine Mutter hat den 2. Weltkrieg und die Hungerjahre danach miterlebt. Vorratshaltung war für sie überlebenswichtig.
„Man weiß ja nie, wozu es noch gut ist“, sagte sie immer, bevor sie irgendeinen Gegenstand in die Hand nahm, um ihn wegzuwerfen. Das Allermeiste landete dann nicht im Müll, sondern in einem Schrank, auf einem Regal oder im Keller. Einen ganzen Kellerraum füllten Regale mit Lebensmittelvorräten.
Heutzutage würde man meine Mutter möglicherweise „Prepper“ nennen und rechtsradikaler Gesinnungen halten. Doch die meisten Menschen ihrr Generation verhielten sich ähnlich wie sie. Die Erfahrung von Hunger und Krieg saß traumatisch tief in ihrem Gedächtnis.
Meine Großmutter und zwei kleine Kinder meiner Tante sind damals verhungert. „Nie wieder Krieg“, schwor die Generation meiner Eltern. In ihren Handlungen hieß das auch: „Nie wieder Hunger!“ Wer – wie die Marburger Landrätin Kirsten Fründt wegen der Corona-Krise –
sogenannte „Hamsterkäufe“ gesetzlich verbietet, der stößt traumatisierten Menschen einen tiefen Stich in ihr verwundetes Herz. Wer Krieg und Hunger miterlebt hat, der „hamstert“ aus Todesangst. Wer sogenannte „Hamsterkäufe“ verbietet, setzt solche Menschen einer tiefen Verzweiflung und traumatischer Todesangst aus.
Darum ist jeder Appell richtig, alle sollten nur so viel kaufen, wie sie wirklich brauchen. Ein Verbot von Hamsterkäufen hingegen ist psychologisch unverantwortlich gegenüber traumatisierten Mitmenschen. Sie fühlen sich dann alleingelassen von den Behörden, die sie doch eigentlich schützen sollten.

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