April, April: Dieses Jahr gibt´s keinen Aprilscherz

In den vergangenen Jahren habe ich zum 1. April immer irgendeine kleine Geschichte erfunden. 2020 ist mir nicht nach Scherzen zumute.
Das Coronavirus macht vielen Menschen Angst. Sorge um liebe Angehörige und die wirtschaftliche Existenz treibt fast alle Mitmenschen um. Humor hilft da schon, wenn er nicht verunsichert, sondern ablenkt und bestärkt.
Deshalb erzähle ich in meiner kleinen Serie „Franz-Josefs fröhliche Familienbande“ auf meinem persönlichen Blog www.fjh-marburg.de die eine oder andere Anekdote aus meinem Leben. Dabei beziehe ich neben der „buckligen Verwandtschaft“ – wie mein Großvater mütterlicherseits einige angetraute Familienangehörige nannte – auch das Lehrpersonal an meinen Schulen und andere Menschen aus meinem privaten und beruflichen Umfeld mit ein. „Familienbande“ sind all jene, die sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte in meinem Kopf eingenistet haben und ihn – mitunter auch in verborgenen kleinen Kammern – bevölkern.
Zum 1. April 2020 habe ich noch einmal in jenen Raum hineingeblickt, wo sich meine Aprilscherze vergangener Jahre tummeln. Vom virtuellen Gesellschaftsspiel „Marnopohly“ über einen angeblich geplanten Papstbesuch in Marburg oder einen „Lahnbus“ auf der Lahn zwischen Cappel und Wehrda reicht das Reservoir über die – leider seit 2016 immer noch nicht erfolgte – Aufnahme von 236 Flüchtlingen aus Griechenland in Marburg bis hin zu einer wahrhaft elefantastischen Idee. Diesen Aprilscherz habe ich am 1. April 1997 im Programm „HR3“ des Hessischen Rundfunks sowie in der Blinden-Zeitschrift „Die Gegenwart“ veröffentlicht.
Obgleich viele Blinde im wahrsten Sinne der Worte „auf den Hund gekommen“ sind, hätte ich mir doch vielleicht auch andere tierische Helfer vorstellen können. Warum sollten die bedauernswürdigen Blinden an der Leine hinter Hunden hinterherlaufen, wenn ein Elefant sie einfach mit seinem mächtigen Rüssel ergreifen und geschützt auf seinen mächtigen Rücken setzen könnte? Was spräche eigentlich gegen „Blindenelefanten“?
HR-Redakteur Lionel van der Meulen hatte Bedenken gegen meinen Vorschlag. Über Blindheit dürfe man keine Witze machen, meinte der Autor eines – zu Recht preisgekrönten – Features über einen blinden Pianisten, der Opfer der Sterilisierung durch die NS-Euthanasie geworden war. Seiner Chefin Dr. Karin Wirschem bot ich an, eventuelle Beschwerden über meinen Aprilscherz solle der Hessische Rundfunk (HR) doch einfach an mich weiterleiten.
Keine einzige Beschwerde über den Beitrag zum „Blindenelefanten“ hat mich jemals erreicht. Vermutlich liegt das aber daran, dass mein Interviewpartner Rudi Ulrich von der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) in Marburg davor warnte, mit dem Blindenelefanten einen Porzellanladen zu betreten. Wahrscheinlich deswegen ist alles heil geblieben.