Buchenwald-Befreiung am 11. April 1945: Emil Carlebach war dabei

Am 11. April 1945 haben US-Truppen das Konzentrationslager Buchenwald befreit Sprecher der überlebenden Häftlinge war Emil Carlebach.
Nach eigenen Angaben hatte er seine Mitgefangenen zur Meuterei gegen die Gefängniswärter ermutigt. Wenige Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers waren noch Häftlinge auf einen Todesmarsch geschickt worden. Die Revolte der Gefangenen sollte weitere Tote verhindern, erklärte mir Carlebach.
Persönlich kennengelernt habe ich den Widerstandskämpfer im Rahmen meiner Aktivitäten in der Deutschen Journalisten-Union (DJU) ab 1988. Damals war mir sein Name aber bereits bekannt. Carlebach war Mitbegründer der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten“ (VVN/BdA), der 2019 die Gemeinnützigkeit entzogen wurde.
Rechtfertigungen des Stalinismus habe ich selbst niemals gehört von Carlebach. Was er aber bis zu seinem Tod im Jahr 2001 immer klar bekundete, war seine kommunistische Grundüberzeugung. Dafür war der Sohn laizistischer Eltern jüdischer Abstammung ins Gefängnis und später in die konzentrationslager Dachau und Buchenwald gesperrt worden.
Nach Kriegsende war Carlebach einer der Lizenzträger der „Frankfurter Rundschau“ (FR). Zu deren 50. Geburtstag lud die Zeitung ihn wegen seiner kommunistischen Grundhaltung allerdings nicht einmal ein. Das hat ihn sehr geschmerzt.
Betrübt hat ihn auch, dass er seine letzten Jahre im Altenheim zwischen Seniorinnen und Senioren verbringen musste, mit denen er nicht diskutieren konnte. Politische Diskussionen waren mit diesen Leuten nicht möglich. Ebenso wie Carlebach waren sie körperlich „hinfällig“, doch im Gegensatz zu ihm waren wohl auch ihre geistigen Fähigkeiten schon eingeschränkt.
Carlebach hingegen habe ich als wachen und streitbaren Geist erlebt. Dabei habe ich immer eine humanistische Grundhaltung beobachtet, mit der er auf Menschen zuging. Zugleich war ihm seine kommunistische Überzeugung ein Vermächtnis, das ihm den Einsatz für seine in Konzentrationslagern ermordeten Genossen und ihre Haltung abverlangte.
Am Jahrestag der Befreiung der KZs Buchenwald und „Mittelbau Dohra“ schäme ich mich für den Umgang der Bundesrepublik mit Kommunisten nach dem 2. Weltkrieg. Bis heute wurden die kommunistischen Opfer des Faschismus nicht angemessen gewürdigt. Auch die FR hat da noch etwas gut zu machen.
Der Antikommunismus des „Kalten Kriegs“ wirkt bis heute fort in einer Verharmlosung von Neonazis und Rechtsradikalen. Die sogenannte „Hufeisentheorie“ ist einer der Gründe für die gefährliche Geringschätzung der mörderischen Umtriebbe rassistischer und Rechtsradikaler Menschenverachtung. Darum würdige ich heute meinen lieben Kollegen Emil Carlebach, der mir in einigen persönlichen Gesprächen einen leisen schimmer davon gegeben hat, was eine antifaschistische Haltung ausmacht.

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