Baron Münchhausen erzählte: Wie mansich selbst aus dem Sumpf befreit

„Lügen habenkurze Beine“, sagt der Volksmund. Allerdings ist das nicht schlimm, wenn Lügner auf Kanonenkugeln reiten können wie Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen.
Zu Unrecht wird der Landadlige aus Bodenwerder aber meist als „Lügenbaron“ diffamiert. Dabei war er doch eigentlich ein begnadeter Geschichten und Märchenerzähler. An seinen Geschichten bereichert haben sich jedoch in erster Linie andere, die ihm bei seinen legendären Erzählabenden in seinem Herrenhaus gelauscht und die Anekdoten dann hinterher zu Papier gebracht haben.
Einige seiner „unglaublichen Abenteuer“ wurden 1943 mit Hans Albers in der Rolle des Münchhausen nach einem Drehbuch von Erich Kästner verfilmt, dessen Name während der Nazi-Zeit aber nicht genannt wurde. Auch ein Mitglied der britischen Komiker-Truppe „Monty Python“ hat Münchhausens Anekdoten verfilmt.
Geboren wurde der Baron von Münchhausen am 11. Mai 1720 in Bodenwerder. Nachdem er in Russland und Litauen die dortige Erzählkunst eingehend kennengelernthatte, avancierte er nach seiner Rückkehr ins heimische Herrenhaus zu einem gefragten und bewunderten Geschichtenerzähler.
An seinen eigenen Haaren zog sich Münchhausen angeblich aus dem Sumpf. Ist diese Geschichte nicht eine wunderbare Metapher für Selbstheilungskräfte und Einfallsreichtum in Lebenskrisen? Ist nicht der legendäre Ritt auf zwei Kanonenkugeln über die Kampflinie hinweg und dann auf einer zweitenwieder zurück ein genialer Ausdruck des Irrsinns kriegerischer Auseinandersetzung zwischen Heeren, die ahnungslos einander gegenüberstehen mit ihren Ängsten und Feindbildern?
„Lügen“ mag man Münchhausens Geschichten gar nicht nennen, wenn man sie mit heutigen „Nachrichten“ vergleicht. Die angeblichen „Wahrheiten“ zur Corona-Pandemie sind zwar ebenso unglaublich wie Münchhausens Geschichten, nehmen aber für sich in Anspruch, „wahr“ zu sein, wohingegen Münchhausen stets mit einem Augenzwinkern flunkerte. Im Gegensatz zu dem weitgereisten weltläufigen Abenteurer fehlt diesen kurzbeinigen Maulhelden auch die Phantasie, mit der Münchhausen sein Mitgefühl mit Menschen in Notlagen in vielen bunten Farben schillernd ausmalte.