Kinderreich im Kinderreich: Ich hatte sieben Geschwister

Wir waren acht Kinder. Bei uns daheim war immer was los.

Ich hatte sechs Brüder und eine Schwester. Wir waren eine „kinderreiche Familie“. Reich waren wir zwar nicht an Geld, aber immer an Ideen und Trubel im Haus.
Als meine Eltern sich das „Ja-Wort“ gaben, sagte meine Mutter zu meinem Vater: „Ich möchte 26 Kinder bekommen.“ Sie selber hatte zwölf Geschwister.
Ganz geschafft hat sie die versprochene Verdoppelung der Kinderzahl ihrer Mutter nicht. Herausgekommen ist lediglich die Quersumme von 26. Aber acht Kinder sind auch schon genug.
Irgendwann schlug meine Schwester vor, wir sollten uns zu Karneval als „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ verkleiden. Mir gefiel diese Idee ausnehmend gut. Doch einer meiner Brüder weigerte sich, sodas nie etwas daraus wurde.
Als wir im Februar 1968 von Lessenich auf den Venusberg umzogen, waren wir nur sechs Kinder. Doch in dem noblen Bonner Stadtteil tuschelten einige: „Im Eibenweg zieht eine kinderreiche Familie ein.“
Manchen galt dieser Kinderreichtum meiner Eltern als „asozial“. Doch andere empfingen uns mit offenen Armen und unterstützten die – ihnen unbekannte –
Familie, als meine Mutter zur Entbindung ins Krankenhaus musste. Dort gebar sie im Mai 1968 Zwillinge.
Nun waren wir acht Kinder. Zusammen waren wir zehn Familienangehörige. Aber als asozial betrachtete uns auf dem Venusberg bald keiner mehr.
In unserem Haus war immer was los. „Unser Neunter“ war ein „Freund der Familie“, der sich öfter bei uns aufhielt als bei seinen Eltern daheim. Die Zwillinge brachten viele Freunde mit, die bei uns bald ein- und ausgingen.
Dank unseres rheinischen Humors ging die gute Stimmung bei uns selten aus. Laut war es manchmal und mitunter ein wenig zu lebhaft; aber meistens war es gut mit den vielen Menschen ringsum. Meine Kindheit und Jugend in dieser großartigen Großföamilie möchte ich nicht missen.