Nicht mehr hinknien: Die Unsichtbaren melden sich zu Wort

„Kulturelle Gewalt“ prägt das Denken und Handeln der Völker. Strukturelle Ausgrenzung macht viele Menschen im Alltag einfach unsichtbar.
In den 60er und frühen 70er Jahren waren türkische Frauen in Deutschland kaum auf der Straße anzutreffen. Sie lebten zwar zu Tausenden in Westdeutschland, doch traf man sie allenfalls in Supermärkten oder den Geschäften türkischer Händler. Bis in die 60er „gehörten“ auch deutsche Frauen nach Ansicht vieler Männer ins Heim und dort an den Herd.
Menschen mit dunkler Hautfarbe waren allenfalls in wenigen weltoffenen Städten auf der Straße anzutreffen. In der Bundeshauptstadt Bonn gehörten sie zum Stadtbild. Viele US-amerikanische Soldaten gewöhnten die westdeutsche Bevölkerung vor allem in den Garnisonsstädten auch an den Anblick von „Schwarzen“.
In Film und Fernsehen oder auf Theaterbühnen hingegen waren sie die absolute Ausnahme. Eine wenige Musiker wie Roberto Blanco, Billy Mo oder Jazz-Stars aus den USA waren anerkannt; aber sie wurden eher als „Exoten“ wahrgenommen denn als Menschen von nebenan.
Immer mehr Menschen aus den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Afrika kamen nach Deutschland. Immer öfter sah man sie auch in kleineren Städten auf der Straße. Doch alltäglich war ihr Anblick immer noch nicht.
„Blackfacing“ war eine unhinterfragte Praxis in den meisten Theatern. Auch am Nikolaustag mimte ein Einheimischer den „Knecht Ruprecht“ mit dem Sack, indem er sich – ebenso wie der „Swate Piet“ in Holland – das Gesicht mit Kohlenstaub einfärbte. Beim sibenjährlichen „Grenzgang“ in Biedenkopf galt das bis zuletzt auch für die Figur des Mohren, der an der Spitze der traditionellen Begehung der Gemeindegrenzen mitläuft.
In Fernsehserien und „Daily Soaps“ wurden die Rollen der „Guten“ oft mit blonden Schauspielerinnen und schauspielern besetzt, während „Die Bösen“ dunkle Haare haben und dunkle Kleidung tragen mussten. Das Schwarz-Weiß-Schema ist tief verankert in der europäischen Ikonografie und der Wahrnehmugspsychologie. Schon die Nazis beschrieben Juden als „dunkelhaarige Gestalten mit Hakennase“.
Schwarze Menschen oder Leute mit dunklerem Teint waren selten Sympathieträger in Theaterstücken oder Filmen, Fernsehspielen oder Serien. Entweder tauchten sie gar nicht auf oder – in den wenigen Ausnahmefällen – eher als Bösewichter.
Gleichzeitig setzten sich in der Literatur und im Fernsehen immer mehr Krimis durch. Sympathieträger waren dabei meist Polizisten, die entweder mit Köpfchen oder unter Einsatz ihres Lebens in der Regel Mordfälle lösten. Action und Gewalt prägten dabei zunehmend die Szenerie.
Polizei und Gewalt waren also alltägliche Kost in den Medien, während People of Colour dort kaum vorkamen. Prügelnde und brutale Cops waren ein beliebtes „Role Model“ gerade in Serien aus den USA. Diese Strukturen haben die Wahrnehmung in Deutschland trotz einer gewissen Sympathie vieler Menschen für die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King durchaus stark beeinflusst.
Zunehmende Brutalität auf der Mattscheibe ging einher mit einer verstärkten Militarisierung der Sprache. Hinzu kam die Ausstattung der Polizei mit Gewehren,panzern, größeren Wasserwerfern und Staatstrojanern. Berichte von Übergriffen gewalttätiger Polizeibeamter gegen friedliche Demonstrantinnen und Demonstranten und von Polizeiwillkür gegen Menschen nichtmehrheitlichen Aussehens häuften sich. Doch mehr und mehr
Doch mehr und mehr begehren benachteiligte Menschen auf gegen Rassismus. Während die Europäische Union (EU) ihre Grenzen brutal gegen Geflüchtete abschottet, wollen viele Bürgerinnen und Bürger diese Gewalt nicht länger hinnehmen. Auch die zunehmende Militarisierung der Polizei und die Ausweitung iher Befugnisse gefährdet den demokratischen Rechtsstaat.